Romeo must die

USA, 115min
R:Andrzej Bartkowiak
B:Mitchell Kapner, Eric Bernt
D:Jet Li,
Aaliyah,
Delroy Lindo,
DMX,
Isaiah Washington
L:IMDb
„Das .... war ein Fehler”
Inhalt
Als sein Bruder im rivalisierenden Kampf zweier mächtiger Familien brutal ermordet wird, beschließt Han Sing (Jet Li) kurzerhand aus seiner Gefangenschaft in Hong Kong auszubrechen, den Mord des Bruders aufzuklären und zu rächen. In den USA gerät er nun ins Spannungsverhältnis der beiden Anführer, Chu Sing (Han's Vater) und Isaak O'Day (Delroy Lindo) bzw. der chinesichen und afro-amerikanischen kriminellen Organisationen. Als mehr und mehr klar wird, daß ein großer Schlag bevorsteht, kooperiert Han mit O'Day's Tochter Tricia (Aaliyah) und lernt sie nicht nur als Partner der Gerechtigkeit schätzen.
Kurzkommentar
Wie Thomas bereits bemerkte, sind es viele Kleinigkeiten, die dem Film schaden - bedauerlicherweise, denn die Grundkonstruktion ist sehr solide.
Kritik
Der Titel lässt erwarten, dass der gute alte Shakespeare mal wieder zum Einsatz kommt. Und der Name Jet Li macht es unwahrscheinlich, dass es sich um eine klassische, oder Branagh-ähnliche Inszenierung handeln würde. Was an sich eher ein Verdienst denn ein Mangel wäre, denkt man beispielsweise an Baz Luhrmanns geniale "Romeo und Julia"-Adaption.
Doch die Bande zum Original sind nur sehr lose geknüpft, eigentlich wurden nur die Elemente der rivalisierenden Familien und der eigentlich verbotenen Liebe wieder aufgegriffen, und auch das wenig originalgetreu. Ist es ursprünglich ein tiefer, elementarer Hass, der die Familien trennt, so rationalisiert "Romeo must die" das ganze auf die Ebene gegenläufiger geschäftlicher Interessen hinab. Und auch die mühsame Annäherung von Romeo und Julia ist wenig ausgeprägt - der schlagkräftige Held nimmt sich, was er möchte. Vom Happy-End mal ganz zu schweigen.

Geradezu ein Fortschritt im Hinblick auf Shakesspeare ist die Story. Die fällt nämlich erstaunlich differenziert aus, stellt nicht nur zwei böse Parteien gegeneinander, sondern fügt überaus geschickt noch eine dritte Partei hinzu (wer, sei hier nicht verraten), des weiteren thematisiert (natürlich immer im Rahmen eines Actionfilms) der Film die soziale und ökonomische Stellung der Einwanderergruppen in Amerika. Und auch die Fronten sind längst nicht so klar, wie man das von Schwarzenegger & Co. gewohnt ist - die wahre Enthüllung, wer die eigentlichen Bösen sind, hebt sich der Film für den Schluss auf - sie lassen sich vorher allenfalls erahnen.

Den größten Mangel hat Thomas bereits angesprochen: Die völlge Unnötigkeit der computerunterstützen Kampfszenen. Auch wenn ein Film immer inszeniert ist, Jet Li hätte als fünfmaliger Wu-Shu-Weltmeister die Szenen locker allein getragen, und das hätte zu ihrer Faszination stark beigetragen, weiss man doch seit "Matrix", dass selbst Weicheier wie Keanu Reeves dank Computer zu Actionhelden mutieren können. So bleibt immer das latente Gefühl der Unglaubwürdigkeit, und das schadet einem Film, der letztlich von seinen Kampfszenen lebt. Die sind eigentlich nämlich richtig Klasse. In Anlehnung an Jackie Chan präsentiert Jet Li nicht nur stumpfes Bösewicht-Verprügeln, sondern liefert auch einige humoristische, nicht jedoch alberne Einlagen (Football-Spiel, Wasserflasche). Hätte man nicht ständig die Befürchtung, das alles wäre nur durch heimlich gespannte Fäden und und reichlich Computernachbearbeitung möglich, so stünden die Münder vor Staunen den ganzen Film lang offen. Mich persönlich haben auch die Röntgenszenen sehr gestört - hier hat man sich wohl bei "Fight Club" bedient, um dem Film einen möglichst hippen Look zu verleihen, was er gar nicht nötig hat.

Doch trotz all der kleinen Nachteile bleibt für mich letzlich ein Actionfilm, der seiner Genrebezichnung mehr als würdig ist, und zudem eine Story bietet, die das Ansehen durchaus interessant macht, und der durch seinen lockeren Bezug auf Shakesspeare die action-typische Härte gekonnt ironisiert. Sieht man von den technischen Patzern mal ab, bleibt ein für Actionfreunde sehr empfehlenswerter Film.

Durch technische Mätzchen etwas entwertetes, aber dennoch sehenswertes Wu-Shu-Spektakel


Wolfgang Huang
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Andrzej Bartkowiak's Regiedebüt "Romeo must die" leidet an vielen Kleinigkeiten, die so manchem den Film komplett versauen könnten. "Matrix"-Produzent Joel Silver hatte eindeutig zu sehr seine Finger im Spiel. Die Fähigkeiten Jet Li's werden ebenso verfälscht wie die klassische Romeo und Julia-Geschichte. Drückt man allerdings ein Auge zu, so bleib...