Ritter aus Leidenschaft
(Knight's Tale, A)

USA, 132min
R:Brian Helgeland
B:Brian Helgeland
D:Heath Ledger,
Mark Addy,
Shannyn Sossamon,
Paul Bettany
L:IMDb
„Euer Name ist nicht von Belang, solang ich Euch mein nennen darf.”
Inhalt
Schon als kleiner Junge träumt der abenteuerlustige Junker William (Heath Ledger, "Der Patriot"), Sohn eines armen Dachdeckers, davon, es einmal seinem Meister, einem angesehenen Ritter noblen Geschlechts, gleichzutun und in Lanzenduellen die Menschen zu begeistern. Als der Ritter vor einem Turnier überraschend aus dem Leben scheidet, ergreift William die Gelegenheit beim Schopf. Unterstützt von seinen Freunden Roland (Mark Addy, "Ganz oder gar nicht") und Wat (Alan Tudyk, "28 Tage") sowie dem aufstrebenden Dichter Geoff Chaucer (Paul Bettany, "Gangster No.1"), schlüpft William in die Rüstung des Edelmanns und eilt fortan als Sir Ulrich von Lichtenstein von Sieg zu Sieg. William hat die begeisterten Massen auf seiner Seite, und selbst das bildschöne Edelfräulein Jocelyn (Shannyn Sossamon) kann dem mysteriösen Newcomer nicht widerstehen. Nur der verschlagene Count Adhemar (Rufus Sewell, "Dark City") ist von dem scheinbar unbesiegbaren Konkurrenten wenig begeistert - und schreckt vor keiner Niederträchtigkeit zurück, um William auszuschalten.
Kurzkommentar
Auch wenn Thomas dies bereits am Ende der Kritik selbst tut, so muss ich die harschen Worte weiter relativieren: Mir hat "Ritter aus Leidenschaft" einfach verdammt viel Spass gemacht. Der Film schert sich nicht sonderlich um irgendwelche Erwartungen, was sich sowohl in der fröhlichen Vermischung verschiedenster zeitlicher Elemente als auch in der unbekümmerten, naiven Storyentwicklung zeigt. Uneitel ist der Film, und enorm spassig - das verdient Respekt.
Kritik
Es ist nicht zu verleugnen, dass "Ritter aus Leidenschaft" fern der Makellosigkeit ist - schon allein die Überlänge wäre ein ausreichender Kritikpunkt. Und so eröffnet sich einmal mehr das Dilemma, dass ein Film, der eigentlich keinen sonderlichen Anspruch an sich hat und diesen dann auch nicht erfüllt trotz offensichtlicher Mängel eine bessere Bewertung erhält als weitaus durchdachtere Filmkunstwerke, die für ihre kleinen Makel gnadenlos abgewertet werden. Unfair, nicht nachvollziehbare Bewertungsmasstäbe, mag der eine oder andere denken - deshalb sei hier offen gesagt, mein Bewertungsmaßstab war diesesmal allein der große Spass, den mir dieser Film bereitet hat. Selten hab ich mich im Kino so unangestrengt amüsiert, und zweifellos wird es Zuschauer geben, die weder dies noch die entsprechende Wertung nachvollziehen können. Wie auch immer, ich bleibe dabei, "Ritter aus Leidenschaft" ist derart selbstlos lustige Abendunterhaltung, dass die hohe Wertung, die seine Bedeutung und seine Erinnernungshaftigkeit zweifellos überbewertet, dennoch gerechtfertigt ist. Bedauerlicherweise gibt es keine objektivierbaren Maßstäbe für Spaßempfinden.

Ein Zweites, Subjektives: Ich liebe Geschichten nach dem Winner-takes-it-all-Prinzip. Am Ende hat der sympathische Held nicht nur den bösen Feind besiegt und die schöne Angebetete erobert, nein, er hat sich auch noch der liebenden Treue seiner Knechte versichert, seinen Vater wiedergefunden, die Volksmassen hinter sich gebracht, den kommenden König von England als Bewunderer gewonnen und einige Lektionen des Lebens gelernt. Natürlich vollkommen unglaubwürdig und überzeichnet, aber gerade das enthebt es schon wieder der Kritik. Ebenso wie es albern wäre, dem Film vorzuwerfen, er sei unhistorisch, schon allein weil die Zuschauer zu "We Will Rock You" im Takt klatschen. Mit einer dreisten Unbekümmertheit erhebt sich der Film über solcherlei Kritik - wer mit diesen Stilbrüchen leben kann, wird prächtig unterhalten.

Helgeland schert sich kein bisschen um eine glaubwürdige Geschichte, ein realistisches oder gar historisch korrektes Szenario, um den Hollywoodzwang nach familiengrechter Unterhaltung oder zielgruppenkompatible Charakterwahl, und gleich noch viel weniger um den Sinn - sicher eine geschlagene halbe Stunde ergeht sich der Film in den irgendwie immergleichen Aufnahmen des Tjostens, die trotzdem (mir zumindest) nicht langweilig werden. Doch auch wenn Helgeland nicht nach höheren filmischen Weihen strebt, ist "Ritter aus Leidenschaft" deswegen nicht irgendwie dumpf oder hohl, keineswegs.

Zu einem Gutteil verdankt der Film das auch seinen sympathischen Figuren - mir gefiel sowohl der platt-böse Adhemar wie auch der Schönling William, der gar so unheldenhaft daher kommt. Auch seine Knechte, vorallem Mark Addy haben die Sympathien auf ihrer Seite. Über alledem aber der großartige Paul Bettany, der die Rolle des Herolds herrlich süffisant auskostet - ein Gedicht. Sogar der Prinz von England, Edward, kann gefallen. Etwas zweifelhafter wird es bei Williams Angebeteter; wohlwollend ließe sich sagen, dass die Rolle wohl aus Männersicht geschrieben wurde: eindimensional, wankelmütig aber wunderschön - ein Frauenklischee.

Eine Empfehlung fällt schwer - ebenso leicht könnte man einen Veriss schreiben, ganz leicht dann, wenn man einfach nicht in Stimmung kommt, mit dem Film nicht warm wird. Die objektiven Qualitäten sind überschaubar, das subjektive Empfinden entscheidet hier mehr als bei anderen Filmen. Ich habe mich jedenfalls prächtig amüsiert.

Unkonventionelles, aber charmantes und enorm spaßiges Ritterepos


Wolfgang Huang