Hollow Man

USA 2000, 110min
R:Paul Verhoeven
B:Gary Scott Thompson
D:Kevin Bacon,
Elisabeth Shue,
Josh Brolin,
Kim Dickens
L:IMDb
„Man sieht sich.”
Inhalt
Wissenschaftler Sebastian Caine (Kevin Bacon, zuletzt "Echos") hat im Regierungsauftrag in einem Geheimlabor ein Serum entwickelt, das unsichtbar macht. Mit Hilfe seiner Crew erprobt er das Mittel an sich selbst. Es funktioniert, doch der Zustand lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Als seine engste Kollegin die Auftraggeber benachrichtigen will, dreht Sebastian durch und beginnt alle zu töten, die von seinem Zustand wissen.
Kurzkommentar
Mit "Hollow Man" fügt Vorzeigeprovokateur Paul Verhoeven seiner Karriere nicht gerade ein Glanzlicht hinzu, denn das Einzige, was in "Hollow Man" glänzt, sind die detailreichen Special Effects. Von Verhoeven zaghaft als die Frage nach dem Bösen im Menschen angepriesen, überzeugt "Hollow Man" noch nicht mal als reinrassiger Actionfilm. Keine Ideen, keine Abwechslung, kaum Spaßmomente. Einfach: hohl.
Kritik
Paul Verhoeven's Filme schwebten schon immer zwischen gekonnter Raffinesse und mißglücktem Trash. Oftmals hatte man den Eindruck Verhoeven habe wirklich Probleme die Grenze zwischen beiden Qualitätsmerkmalen auszumachen. So ist beispielsweise sein raffinierter Skandalthriller "Basic Instinct" eindeutig der positiven Seite von Verhoevens Filmhistorie zuzuschreiben, seine Fleischbeschau "Showgirls" hingegen zweifelsohne der negativen. Genau auf der Grenze lag da wohl "Starship Troopers", der seiner sarkastischen Linie nicht immer treu blieb, wohingegen seine früheren Science-Fiction Werke "Robocop" und "Total Recall" als einfache, aber gut gemachte Unterhaltung durchgehen. Eines war Verhoeven allerdings schon immer: Provokateur. Ob nun die freizügigen "Showgirls" oder seine teils äußerst blutigen Science-Fiction Streifen sowie "Basic Instinct", Verhoeven bot immer Anlaß zur Diskussion und machte keinen Hehl aus seinen persönlichen Vorlieben: Sex and Crime.

Auch "Hollow Man" geizt ab und zu nicht mit diesen Elementen, bleibt gerade für einen Verhoeven aber überraschend seicht. Um die Altersfreigabe hatte er sich eigentlich noch nie geschehrt (immerhin mußte er seinerzeit "Basic Instinct" zigmal umschneiden), vielleicht ist Verhoeven also einfach nur alt und damit gediegener geworden, denn außer einer angedeuteten Vergewaltigung, ein paar nackten Brüsten und diversen blutrünstigen Szenen ist an "Hollow Man" nichts annähernd Verwerfliches zu finden. Aber vielleicht will Verhoeven diesmal auch auf einer anderen Ebene, nämlich der Geistigen provozieren. Kevin Bacon darf in diesem Fall das arrogante, gewissenlose Arschloch spielen, das laut Verhoeven die Frage nach dem Bösen im Menschen provozieren soll. Soweit so gut, aber um dem Geschehen diesen interessanten Denkanstoß zu geben, hätte er einmal das Gesamtbild betrachten sollen. Zum einen wird Caine's Aggresivität ganz simpel als Nebenwirkung des Serums erklärt, zum anderen versteift sich beinahe der komplette Film auf diverse Action- und Thrillerelemente innerhalb des Laborkomplexes.

Kein Problem, mag man meinen, ein reinrassiger, effektgeladener, spannender Actionfilm mit Science-Fiction Einschlag ist mir mangels Auswahl in letzter Zeit gerade recht. Doch nach dem gewitzten und optisch bemerkenswerten Beginn passiert das, was ich Verhoeven am allerwenigsten zugetraut hätte: der Film wird langweilig. Hat man sich erstmal an den wirklich beeindruckenden Gewebe- und Muskeleffekten sattgesehen und ist einem die einigermaßen sympathische Crew um Caine vertraut gemacht worden, passiert erstmal nichts. 75% des Films spielen sich im (schicken) Laborkomplex ab, was der Abwechslung sicherlich nicht zugute kommt, und nachdem Caine's Rematerialisierung fehlgeschlagen ist (warum auch immer), entpuppt sich der Film als genauso ernüchternd einfallslos und eindimensional wie die Farben der beiden Reagenzgläser zur Sicht- und Unsichtbarkeit. Jeglicher Aspekt, der den Film über durchschnittliches Actionniveau gehebt hätte, bleibt unangetastet. Die Frage nach Caine's Persönlichkeitsentwicklung, die Auswirkung der Möglichkeit, Personen unsichtbar zu machen, auf Regierung und Gesellschaft, zudem keine Verfolgungsjagden (bei einem Unsichtbaren sicherlich ideenreich machbar), noch nicht mal simple Fun-Momente. Außer Caine's Hang zur Spannerei und einer versetzten Cola-Dose wird das Potential eines transparenten Charakters in keiner Weise genutzt.

Stattdessen bekommt der Zuschauer einen im Labor amoklaufenden Irren vorgesetzt, dem nichts besseres "einfällt" als seine gesamte Crew ins Jenseits zu schicken. An Special-Effects wird hier sicher nicht gespart, aber ein ganzer Film nur über einen geisteskranken, transparenten Serienmörder, dessen Auslöschung zudem in einem absolut stereotypischen Ende kulminiert ? Enttäuschend, enttäuschend. So ähnlich kann ich das auch in diversen Slasherfilmen zu Gesicht bekommen. Die fünf Punkte verdienen sich nur die Special-Effects Crew, Kevin Bacon (obwohl er die meiste Zeit eh nicht zu sehen ist) und der Drehbuchautor für den Superman-Witz. Für den Rest sollten sowohl er als auch Verhoeven einen auf den Deckel bekommen. Stellvertretend für den lieblosen Film seien an dieser Stelle die Credits zum Schluß genannt. Hier schreit alles nach holprig, lieb- und seelenlos. Aber am passendsten findet sich die Qualität des Films noch im Titel wieder: "Hollow" klingt nicht nur verdächtig nach "hohl", es heißt ganz einfach so.

Reine Effekthascherei


Thomas Schlömer