Hole, The

UK 2001, 102min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Nick Hamm
B:Guy Burt,Ben Cort
D:Thora Birch,
Desmond Harrington,
Daniel Brockleband,
Laurence Fox
L:IMDb
„Haben Sie je so geliebt, dass sie vor Schmerzen sterben wollten?”
Inhalt
Vier Jugendliche wollen in einem verlassenen Bunker eine Party feiern - doch als sie die Feierlaune verlässt, müssen sie feststellen, dass sie eingesperrt sind, kein Ausweg in Sicht. Die Ereignisse, die dazu führten und wie sie sich entwickelten schildert die einzige Überlebende Liz einer Psychologin, und mit der Zeit wird offensichtlich, dass diese Geschichte mehr Geheimnisse hat, als Liz selbst bereit ist preiszugeben.
Kurzkommentar
Auch das ist ein Klischee, aber ein Treffendes: Man merkt, wenn Filme nicht aus Hollywood kommen. Dieser Teenie-Thriller ist so vollkommen anders, anders als "Scream" und auch als dessen unzählige Plagiate. Das fesselnde, intelligente Szenario ist dabei nichts für schwache Gemüter. Und das alles ohne Maskenmann und mit sehr wenig Blut.
Kritik
Das Spannendste an den letzten Exemplaren der Teenie-Horror-Welle, die glücklicherweise im Abebben zu sein scheint, war die Frage, welche Maske der durchgeknallte Killer diesmal tragen würde. Denn während dies bei "Scream" noch eine witzige Idee war, wurde die Wiederholung des Ewiggleichen in den folgenden Filmen und in den nicht wenigen Nachahmern zu einer Gähn-Garantie. Verrückter, psychisch kranker Killer bringt ein paar Teenies möglichst effektvoll um. Das Ende war zu Beginn stets völlig klar, der Mörder ebenfalls zumeist. Und so beschränkten sich die Innovation auf möglichst eklige Sterbe-Szenen und abgefahrene Tatwaffen. So ganz anders dagegen "The Hole": Hier gibt es keinen Mörder mit traumatischer Kindheit, auch wenn der Film für einige Zeit mit dieser Idee spielt und den Zuschauer eine Weile geschickt an der Nase herumführt. Auszuführen, was der Film stattdessen bietet, hieße die Geschichte zu verraten - und das wäre ganz besonders deshalb schade, weil sie nicht nur über lange Strecken unvorhersehbar, sondern auch noch wirklich spannend ist. Deshalb soll es bei harmlosen Andeutungen bleiben.

Abstrakt gesprochen: Das Verwirrspiel, dass der Film treibt, hat genau das richtige Maß. Zum einen wird der Zuschauer gekonnt mit immer neuen Varianten getäuscht, unterstützt durch den nicht chronologischen Schnitt, zum anderen sind die Storywendungen aber nie unglaubwürdig. Auch wenn sich später als falsch erweist, was zuvor die Wahrheit wahr - es passt zusammen, und es wird auch nicht langweilig, weil das eine auf dem anderen aufbaut. Allerdings verlässt "The Hole" diesen Pfad etwas zu früh, so dass während des letzten Drittels das Ende absehbar wird, auch wenn immer noch die Spannung der ungewissen Details bleibt. Vergleicht man den Film mit dem in dieser Hinsicht brillianten "Zwielicht", so fallen zwei Dinge auf: Ein sauberere, schockierendere Schlußwendung hätte "The Hole" gut getan, die Pointe des Films hätte man länger hinauszögern müssen. Und: Thora Birch spielt ihre Rolle zwar gut, aber längst nicht so gut wie damals Edward Norton.

Eine gewisse Ähnlichkeit besitzt der Film auch mit "The Blair Witch Project": Vorallem wegen des Mangels eines Täters. Die Spannung erzeugt nicht der sich von hinten anschleichende Schatten, und auf die üblichen Pseudo-Schreck-Momente verzichtet "The Hole" auch weitgehend. Was geschieht, ist real, und das Grausame daran ist seine Wirklichkeit. Wie kommt nun der Schrecken in den Film? Es ist die Enge, das Beklemmende, die Psychologie zwischen den vier Eingeschlossenen. Da niemand aufgeschlitzt wird, muss der namensgebende "Thrill" durch das pschologische Moment erzeugt werden. Dies gelingt weitgehend (wenn auch nicht so brilliant wie etwa in "Das Experiement"), stellenweise sacken aber vorallem die Dialoge stark ab.

Sehr förderlich dagegen die Musik: Sicher kein kompositorisches Highlight, aber ein sehr klischeeloser, zweckdienlicher Score, der durch seine minimalistischen Arrangements weit mehr zu Gruseln vermag, als als die üblichen Mörder-kommt-Musik-wird-laut-Stücke. Während sich die schauspielerische Leistung in Grenzen hält, können Inszenierung, Schnitt und Photographie dagegen überzeugen. Hier merkt man nicht nur, dass die Geschichte auf einem Roman beruht, sondern auch, das Regisseur Nick Hamm bereits für die Royal Shakesspeare Company tätig war. Schade nur, dass er seinen harten, progressiven Stil, der sich stellenweise zeigt, nicht durch den ganzen Film hindurch beibehält. Besonders während des Schlussdrittels fällt er dann stellenweise doch zu sehr ins Konventonelle ab.

Ob man mit der Geschichte, wie sie sich am Schluss präsentiert, und mit der Lösung des Endes klar kommt, ist wohl eine individuelle Angelegenheit - etwas mutiger hätte er noch ausfallen können. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte weit intelligenter als sämtliche vorherigen Teenie-Slasher zusammengenommen, und auch der formale Part kann überzeugen. Die angesprochenen Mängel treten nur deshalb umso stärker hervor, als es sich um leichtfertig verschenktes Potential handelt. Dennoch: Sehenswert, auch wenn die "grausame Psychologie" nichts für schwache Gemüter ist.


Packendes Verwirrspiel mit intelligenter Story


Wolfgang Huang