Herz und eine Kanone, Ein
(Gunshy)

USA 2000, 101min
R:Erik Blakeney
B:Erik Blakeney
D:Liam Neeson,
Oliver Platt,
Sandra Bullock,
Richard Schiff
L:IMDb
„Hier ist deine Zeitung, Fulvio - jetzt laß die Axt fallen.”
Inhalt
Geheimagent Charlie (Liam Neeson) - arg gebeutelt von einem traumatischen Einsatz - wird zur Rehabilitierung nicht nur in eine Therapie geschickt. Obwohl er auch körperlich auf Genesung hofft und sich der Wunsch nach Pensionierung mehr und mehr aufdrängt, wird er widerwillig in einen weiteren Fall verwickelt. Er soll undercover einen columbianischen Drogenboß (José Zúniga) und deren italienische Geschäftspartner (Oliver Platt) zu einem Deal bewegen, um die Kriminellen dann auf frischer Tat ertappen zu können. Natürlich läuft längst nicht alles so glatt, wie geplant und eine neue Beziehung (Sandra Bullock) kommt auch noch ins Spiel ...
Kurzkommentar
Sowas von belanglos und Gähn-provozierend ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. "Ein Herz und eine Kanone" ist alles in allem eine äußerst schwache, weil unausgewogene und nicht im geringsten durchdachte, Gangsterklamotte, die sich die mäßigen vier Wertungspunkte nur durch einen gewohnt sympathischen Oliver Platt und eine einigermaßen solide letzte halbe Stunde verdient hat.
Kritik
Wie Drehbuchautor und Debütregisseur Erik Blakeney es geschafft hat so bekannte Schauspieler für seinen Erstling zu gewinnen ist mir ein Rätsel. Selbst vor der langweiligen, lustlosen Inszenierung müssen die Schwächen des Skripts doch eigentlich offensichtlich gewesen sein.
Trotzdem geben sich Liam Neeson, Oliver Platt und Sandra Bullock ein munter-naives Stilldichein und merken gar nicht, wie belang- und einfallslos das Geschehen daherkommt. Daß Ms. Bullock zudem noch als Produzentin fungiert, provoziert unweigerliches Kopfschütteln. Ihre Rolle hätte man komplett streichen können und es wäre nur marginal aufgefallen - wenigstens ihr weiterhin magisches Charisma springt noch einigermaßen über.

Gerade die ersten anderthalb (der zwei) Stunden Laufzeit sind furchtbar langatmig - endlose, monotone Dialoge, keine Dynamik, keine Verzweigungen, noch nicht mal simples Fortschreiten in der Story. Daß Charlie's Gemütszustand nach den einschneidenden Ereignissen nicht gerade der Beste ist, muß man von Therapie über Verdauungsprobleme bis hin zur heilenden, äußerst unspektakulären Liebesbeziehung nicht über neunzig Minuten so dermaßen breit treten. Spielt zudem noch der Hauptprotagonist Liam Neeson seine Rolle ungewohnt langweilig und ohne Engagement, so ist die Unzufriedenheit des Zuschauers vorprogrammiert. Da hat Liam Neeson schon viel Besseres geboten ("Nell", "Schindler's Liste") - wie auch Sandra Bullock.

Zum Ende des Films gerät dann schließlich doch noch etwas Dynamik in den ruhigen Teich der Langeweile. Das endlose Hingeplätschere macht sich einigermaßen bezahlt, als die Geldübergabe stattfindet und so etwas wie Action den eingenickten Zuschauer aufweckt. Der Einsatz der Therapiegruppe zählt schließlich auch noch zu den wenigen witzigen Stellen des Films, der ansonsten wirklich nichts zu bieten hatte ... halt, etwas bleibt doch noch in Erinnerung: Oliver Platt ist wiedermal der einzige charakterliche Lichtblick im Dschungel der Dialogstrapazen. Sein Talent der ausgeprägten Mimik kommt trotz der gekonnten Fehlinszenierung Blakeney's noch einigermaßen zur Geltung; auch wenn er wieder mal nur einen trottelig-naiven, aber umso liebenswerten Nebendarsteller abgeben darf (zuletzt in "Lake Placid" und "Ein Date zu Dritt").

Wer also bei einem Titel wie "Ein Herz und eine Kanone" ein Gagfeuerwerk in bester Leslie Nielson Manier erwartet hat, wird bitter enttäuscht werden. Allerdings darf man dem Film eines nicht vorwerfen: daß er Potential verschenkt hätte. Wo nämlich nichts ist, da ...

Hier und da leidlich unterhaltsam, ansonsten: gähnende Langeweile


Thomas Schlömer