Herr der Ringe, Der - Die Gefährten
(Lord of the Rings, The - Fellowship of the Ring)

USA 2001, 178min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Peter Jackson
B:J.R.R. Tolkien,Frances Walsh
D:Elijah Wood,
Ian McKellen,
Viggo Mortensen,
Sean Astin,
Liv Tyler
L:IMDb
„Fürchtest du dich? - Ja. - Du wirst dich noch viel mehr fürchten!”
Inhalt
Der junge Hobbit Frodo Beutlin (Elijah Wood) erbt einen Ring. Doch dieser Ring ist mehr als nur ein Schmuckstück. Es ist der Meister-Ring, der eine, der alles beherrscht, ein Werkzeug absoluter Macht, das es Sauron, dem abgrundtief bösen Herrn von Mordor, erlauben würde, Mittelerde zu beherrschen und ihre Völker zu versklaven. Es sei denn, Frodo und seinen treuen Gefährten, die sich aus Menschen, Hobbits, einem Zauberer, einem Zwerg und einem Elben zusammensetzen, gelingt es, den Ring über ganz Mittelerde zu transportieren, um ihn in den Tiefen des Orodruin, des Feurigen Berges, in die Schicksalsklüfte, wo er von Sauron selbst gegossen wurde, zu werfen und für immer zu zerstören. Doch diese Reise bedeutet, tief in Feindesgebiet einzudringen, wo der Dunkle Herr regiert und seine Armeen von Orks um sich schart. Aber nicht nur von außen müssen die Gefährten das Böse bekämpfen, sondern auch Uneinigkeiten innerhalb der Gruppe und den zersetzenden Einfluss des Ringes selbst.
Kurzkommentar
Kurzkommentar "Film"-Kritik:
Drei Stunden und nicht eine langweilige Minute: Epische Handlung, wunderbare Charaktere, eine komplexe eigene Welt, bombastische Grafikeffekte, atemberaubende Kameraeinstellungen und -fahrten, routinierte Kämpfe, beeindruckende Massenszenen, großartige Stimmungswechsel zwischen romantischem Augenblick und Endzeitszenerie - Das ist großes Kino in Bestform!

Kurzkommentar "Buch"-Kritik:
Zum einen ist Jacksons Umsetzung gelungen, weil sie einen eigenständigen Film schafft, der ohne Buch bestehen kann. Zudem ergeben die Auslassungen und Hinzufügungen in nahezu allen Fällen Sinn. Dennoch ist Jacksons Variante alles andere als werkgetreu, und stellenweise leidet die Gesamtatmossphäre des Werkes spürbar.
Kritik
Betrachtet man den Film "Der Herr der Ringe", so kommt man nicht umhin, immer auch das Buch zu betrachten. Doch bemisst sich die Qualität des Films allein an der Vorlagentreue? Sind eventuelle Abänderungen eventuell positiv zu betrachten? Oder kann man den Film als vollständig eigene Werk sehen?

Weil sich diese Fragen kaum beantworten lassen, habe ich meine Kritik geteilt (bzw. gedoppelt): Eine erste Kritik betrachtet den Film allein, natürlich mit den notwendigen Verweisen, aber ohne das Buch als Maßstab heranzuziehen. Die zweite Kritik betrachtet den Film als Ableger des Buches - entsprechend wird dort stärker auf Bezüge, Veränderungen und Umsetzungen eingegangen.


"Film"-Kritik:
Hin und wieder kommt es vor, dass sich Welten, Epen, Szenarien oder Geschichten derart verselbstständigen, dass sie gewissermaßen nicht mehr nur Werk und Schöpfung des Autors werden, sondern eine Art Allgemeingut. Tolkiens "Mittelerde" ist so ein Fall: Rund um sein Hauptwerk und verschiedene weitere Bücher, die sich alle auf die von ihm erschaffene Welt "Mittelerde" beziehen, hat sich ein dichtes Geflecht entwickelt, voller zusätzlicher Geschichten und Bezüge, Artwork und Musik, Fanclubs und Tolkienisten, Sprachwissenschaftler und Mittelerde-Historikern. Und alle beanspruchen irgendwie ein kleines bisschen für sich, Teil von Mittelerde zu sein, etwas beigetragen zu haben.

Und so nimmt es nicht Wunder, dass irgendwann eine groß angelegte Realverfilmung entstehen musste; vorherige Umsetzungsversuche waren mehr oder weniger kläglich gescheitert, an der Vorlage, an den Möglichkeiten des Mediums, an der angeblichen Unverfilmbarkeit. Doch Peter Jackson scheint diese Hürden allesamt genommen zu haben, doch nicht nur unter Tolkien-Fans sind eben deswegen heftige Auseinandersetzungen ausgebrochen: Darf man ein solches Werk, das wie kaum ein anderes, auf die Imagination und Fantasie des Zuschauers setzt, überhaupt verfilmen? Nimmt man den Gedankenwelten nicht jeglichen Reiz, indem man sie mehr oder wneiger endgültig visualisiert? Was ist Jacksons Werk? Die offizielle Verfilmung? Die Referenz? Die endgültige, die niemand mehr zu übertreffen wagt? Oder doch nur einer von vielen kleinen Beiträgen zur Mittelerde-Welt? Und welch Komplikationen sich daraus ergeben: Da eine 1:1-Umsetung des Buches mit allen Details einfach unmöglich ist (nicht technisch, sondern filmökonomisch), muss gekürzt werden. Doch was? Welche Stellen, was ist vertretbar, was ist nicht? Darf man den Roman überhaupt kürzen? Und, für Hardcore-Fans nahezu blasphemisch: Könnte es evtl. Passagen in Tolkiens Roman geben, die einfach verbesserungswürdig sind?

Peter Jackson scheint eine recht klare Vorstellung seiner Antworten auf diese Fragen gehabt zu haben, denn unentschlossen ist er nicht. Seine Interpretation ist (bisher, es folgen ja noch zwei Teile) konsequent und stringent. Und weil Jacksons Version nicht die erste war und vielleicht nicht die letzte bleiben wird, kann sie auch eine gewisse Eigenständigkeit beanspruchen. Insofern erscheint es sinnvoll, den Film zunächst nicht als Buchumsetzung zu betrachten. Schließlich hat sich Jackson auch Mühe gegeben, seine Umsetzung auch für all jene verständlich zu machen, die das Originalbuch nicht und schon gar nicht mehrfach gelesen haben.

Zunächst und für die Zeit direkt danach begeistert vorallem die grafische Wucht: In diesem Bereich setzt "Der Herr der Ringe" eindeutig neue Maßstäbe. Ob es die wunderbar ausgewählten realen Drehorte sind, oder die Computeranimationen, die feinen Details in der Ausstattung oder die atemberaubenden Kamerafahrten von hundert Meter hohen Türmen in verwinkelte Minen: In dieser grafischen Pracht ist das bisher ungesehen. Der betriebene Aufwand wird deutlich sichtbar, und man beginnt zu ahnen, wofür Jackson sieben Jahre und hunderte von Millionen Dollar brauchte. Doch bei alledem wirken die Szenen nicht absichtlich überladen oder etwa zu kontrastreich. Die Kombination von Computer- und Realszenen ist bis auf ganz wenige Ausnahmen derart perfekt, dass man nur wissen kann, dass diese oder jene Szene künstlich animiert ist (weil es real nicht ausgeführt werden kann) - sehen kann man es aber nicht. Der Übergang zwischen den einzelnen Sequezen ist dabei kaum wahrnehmbar. Doch alldies ist kein Blendwerk, sondern stets integraler Bestandteil des Films, jeder Effekt macht Sinn, und ist nicht allein des Effektes wegen vorhanden. Viel eher ist es so, dass sich Jackson angenehm zurückhält, gerade was die Zauber (und deren Visualisierung) von Gandalf angeht. Und am beeindruckendsten sind gewissermaßen jene Effekte, die man gar nicht sieht, etwa die Verkleinerung der Hobbits auf Halbling-Maß. Dieses ungeheuer aufwendige Verfahren ist derart selbstverständlich integriert, dass es gerade nicht mehr auffällt - beeindruckend.

Auch wenn der eine oder andere sich seine eigene Vorstellung nicht nehmen lassen mag: Jacksons Visualisierungen sind äusserst gelungen. Da der "Herr der Ringe" unter anderem von epischem Bombast lebt, musste dieser auch adäquat umgesetzt werden, und dies in Jackson wahrlich gelungen. So hätte man beispielsweise den Schicksalberg, die Massenszenen oder die Ork-Minen nicht besser umsetzen können, allenfalls anders. Allein bei Lothlorien kommen mir Zweifel, die jedoch auf dem Bezug zum Buch beruhen (siehe zweite Kritik).

Nachdem an der Form also kaum etwas zu bemängeln ist, kommt als nächstes der Inhalt: Figuren, Handlung, Stimmungen. Auch hier kann Jackson beeindrucken. Tatsächlich gelingt es ihm, innerhalb von "nur" drei Stunden geschlagene 13 wichtige Figuren glaubwürdig und gut vorzustellen. Natürlich ergibt sich hier für mich als Kenner des Buches folgendes Problem: Ich kann nicht erkennen, inwieweit sich Handlung und Personen für einen Nicht-Kenner erschließen. Mir erscheint alles sehr verständlich und gelungen, doch vielleicht findet manch anderer es kaum nachvollziehbar, wirr, überfrachtet? Ich fand die filmische Bewältigung des zähen und langwierigen ersten Buches jedenfalls unter dem Aspekt der Handlungsstringez und der Charakterglaubwürdigkeit sehr gelungen.

Das nächste Problem schließt sich natürlich an das vorige an: Die Höchstwertung geht zum einen davon aus, dass die anderen Filme das Niveau halten, und sie bezieht deren Handlung natürlich mit ein. Würde "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" tatsächlich als vollkommen isoliert betrachten, so wäre die Handlung mit ihrem mehr als offenen Ende natürlich sinnlos. Die Wertung bezieht also logisch die Gesamthandlung mit ein, und davon profitiert dieser Film, ohne de facto etwas dafür geleistet zu haben. So bleiben zum Beispiel Legolas und Gimli allein betrachtet etwas blaß, doch wer weiss, wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickelt, kann das nur vorsichtige Verhältnis natürlich schon jetzt erkennen und schätzen.

Mit der Verteilung auf mehrere Bücher bzw. Filme geht natürlich auch die ungeheure Komplexität einher: Das reicht von den verschiedenen Rassen (unter denen die Menschen keineswegs die wichtigsten spielen) hin zu Details, die sich nur genauen Buchkennern erschließen (z.B. wer in welcher Szene welchen Schmuck(!)-Ring trägt). Dazu kommen fein ausgearbeitete Details, als Beispiel seien nur die unterschiedlichen Pferde genannt: Hier beschränkt sich die Unterscheidung nicht auf schwarze Pferde für die Bösen und helle für die Guten, sondern die Pferde sind auch in ihrer Gesamtdarstellung entsprechend, insbesondere bei den Nazgul-Pferden.

Wenn es um die Bewertung der (Buch-)Handlung geht, scheiden sich mitunter die Geister: Gegen alle Begeisterung unter den Fans stehen Urteile, die von einer stumpfen Gut-Böse-Dichotomie sprechen, von einer Über-Heroisierung, von der dominanten Rolle der Männer. Hinzu kommt, dass Tolkien stets Bezüge auf die Realität abgelehnt hat (die insbesondere im Zusammenhang mit dem Vergleich Drittes Reich/Mordor mehr als einmal angeführt wurden). Was von Substanz bleibt also? Unter anderem eine Vielzahl von reinen Ideen und Konzepten, die in der nachfolgenden Literatur zu Motiven wurden: Der (böse) Ring, der seinen Besitzer sucht, die Gemeinschaft der verschworenen Kämpfer, die Idee, die Heldenrolle just dem am wenigsten heldenhaft wirkenden zuzuschreiben, die "Deklassierung" des Menschen zu einem Völker unter vielen, und dabei (Stichwort Isildur) nicht das edelste, das Motiv des Verzichts des ewigen Lebens für die Liebe, das entpersonalisierte manifeste Böse, das seine Bastionen, Späher und Mitstreiter aber auch in vermeintlich sicherem Gebiete hat, das Judas-Motiv in der Rolle des Boromir, die gesamte Macht-/Herrschaftsthematik, verbunden mit dem Gedanken der zu bestehenden Prüfung. Dazu kommt ein sprachlich verblüffend vielschichtiges Originalwerk, das durch seine extreme Komplexität begeistern kann und die Fantasy-Welt um zahlreiche Dinge bereicherte, von Palanthir bis Zauberwald. Auch wenn der Kern der Handlung also schlicht sein mag, so ist er doch umwoben von einem faszinierend feinem Gespinst an wohldurchdachten Ideen und Visionen, Rückbezügen und Marksteinen der Geschichte fantastischer Dichtung. Dieser erste Teil der Jackson-Verfilmung reicht zwar nicht an das Buch heran, doch der Konkurrenz, die oftmals außer dem mageren Gerüst wenig mehr zu bieten vermag, ist er allemal haushoch überlegen. Bleibt noch ein Wort zur schauspielerischen Leistung: Hervorragend oder grandios, wie manche Kritiken schreiben, ist diese keineswegs. Dass die Figuren ausgesprochen glaubhaft erscheinen, liegt vor allen Dingen an einem exzellenten Cast. Darstellerkunst im Sinne von wandlungsfähigen Charaktermimen bietet keiner der Schauspieler im "Herrn der Ringe". Doch jeder passt sehr gut zu seiner Rolle (mit Ausnahme von Hugo Weaving vielleicht), und jeder spielt sie gekonnt (aber eben nicht grandios o.ä.).

Tolkien-Fans werden die Frage, ob sie diesen Film sehen werden, längst entschieden haben, die allermeisten positiv. Und wer dem fantastischen Genre auch nur das allergeringste abgewinnen kann, für den ist dieser Film eigentlich ein Muß, und für alle, die sich filmbegeistert oder cineatisch interessiert nennen, sowieso. Er ist, in einem Wort, atemberaubend.


"Buch"-Kritik:
Vorab ist viel über mögliche Änderungen spekuliert worden, und die eine oder andere wurde stets herausgegriffen, um zu zeigen, dass Jackson sich im Sinne des Originals bemüht, einen guten Film zu schaffen, der nicht nur eine Handvoll Freaks zusagt, sondern auch einem breiteren Publikum. Wer jedoch erwartet hat, dass bis auf diese vorab bekannt gewordenen Änderungen der Film weitestgehend dem Buch entsprechen würde, der irrt. Zwar finden sich alle Kernereignisse und alle wichtigen Szenen - doch kaum keine ist exakt nach dem Buch umgesetzt. Zumeist im Sinne des Buches, aber nicht wörtlich.

Es beginnt nicht, wie im Buch, im Auenland, sondern mit einem Prolog, der kurz die vorangegangen Kämpfe vergangener Zeitalter beleuchtet und die Geschichte aller Ringe erzählt. Auch erfährt man, dass Isildur Sauron den Ring abnahm - das er jedoch mit Elrond gemeinsam in den Schicksalsberg vordrang, sich dort jedoch weigerte, den Ring zu vernichten, wird im Ersten Band nicht erwähnt. Jacksons Trick mit dem Prolog hat den dramaturgisch wertvollen Effekt, mit einem Knaller eröffnen zu können, während sich das Buch ja sehr, sehr gemächlich anlässt, doch zugleich wird vielleicht zuviel verraten, vor allem über die Optik Mordors.

Das Auenland wird sehr treffend dargestellt, und doch recht kurz - Gandalf und Bilbo stehen im Mittelpunkt, die gesamten Verwandschaftsbeziehungen und Familienstreitigkeiten entfallen fast komplett. Auch Bilbos Feier erfährt einige Modifikationen, die jedoch in Ordnung gehen. Ob sich einem Nicht-Buch-Kenner der Charakter der Hobbits hinreichend erschließt, kann ich nicht sagen - ein bisschen mehr Einblick wäre schön gewesen.

Die nachfolgende Reise nach Bree bzw. nach Bruchtal erfährt die weitreichendsten Veränderungen: Sie ist von mehreren hundert Seiten gekürzt auf etwa 15 Minuten. Tom Bombadil entfällt vollkommen, ebenso die Episode mit den Gräbern. Die Wetterspitze, im Buch recht prominent, wird kaum erwähnt, der Kampf, der dort stattfindet, entspricht nicht dem Buch. Auch die verschiedenen Begegnungen mit den Nazgul wurden komprimiert. Auf ein Mindestmaß gestutzt wurden auch die für die Hobbits so wichigen Mahlzeiten - relevant ist das vorallem für die späteren Teile, in denen Sam und Frodo ja in immer kärgere und unwirtlichere gegenden vorstoßen und mehr und mehr darben müssen - aus Gründen des Kontrastes hätte die Fülle des Auenlandes also stärker betont werden müssen. Ebenso sind die Ereignisse in Bree auf das notwenigste verkürzt, das Verwirrspiel um Gandalfs Brief und den Wirt etwa entfällt vollkommen, und auch die Begegenung Streicher - Hobbits gestaltet sich weniger zäh. Erstaunlicherweise fehlt auch der Verräter Lutz, der ja im weiteren Verlauf nicht nur als Namensgeber für Sams geliebtes Pony dient, sondern auch ganz am Ende, bei der Säuberung des Auenlandes, wieder eine Rolle spielt (hier muß man wohl vermuten, dass er dort ebenfalls nicht auftauchen wird, sollte diese Schlußepisode überhaupt umgesetzt werden.) Auch Sams Pony spielt hier und im weiteren Verlauf kaum eine Rolle - später wird es zwar kurz verabschiedet, eine Szene, die etwas in der Luft hängt, weil das Tier zuvor nie erwähnt wurde.

Bereits bekannt war, dass Glorfindel komplett entfallen würde - entsprechend ist die Ankunft in Bruchtal umgestaltet. Arwen holt den verletzten Frodo bereits vor dem Bruinen ab und rettet ihn vor den Nazgul. Trotz ihrer Aufwertung spielt Arwen jedoch keine allzugroße Rolle; vielmehr als eine kurze romantische Szene mit Aragorn hat Jackson ihr nicht gegönnt. Erstaunlich übrigens, dass ab Bruchtal kein Hehl mehr aus Aragorn edler Abstimmung gemacht wird, im Buch erschließt sich das ja erst über einen längeren Zeitraum. Überhaupt sind die ganzen historischen Anmerkungen und Verwandschaftsgeschichten aus Tolkiens Original weitestgehend entfallen. Das schadet vorallem der Figur Elrond, die somit etwas blass bleibt und zudem durch Hugo Weaving unvorteilhaft verkörpert wird.

Auch danach geht es zügig weiter, die missglückte Überschreitung des Passes ist nur Zwischenstation auf dem Weg nach Moria. Moria selbst ist wohl der spektakulärste Teil des Filmes. Schade ist, dass das Motiv des Hinabsteigens in die Tiefe und der Rettung nach oben kaum genutzt wurde. Zwar sagt Gandalf noch prophetisch "Die Zwerge haben zu tief und zu gierig gegraben", doch danach schreiten die Gefährten im Wesentlichen ebenerdig durch die Höhlen. Bei der Fluch fliehen sie schließlich sogar nach unten. Eine der besten Szenen des Films, an der Treppe (nicht Brücke!) kommt im Buch ebenfalls so nicht vor. Auch nicht originalgetreu sind die Orks, die insektengleich auch an den Decken krabbeln können, dennoch sehr beeindruckend, ebenso wie der Bergtroll. Die spannende Frage, wie Balrog aussieht, soll hier nicht verraten werden - ich zumindest hatte ihn mir anders vorgestellt.

Gar nicht gefallen hat mir Lothlorien - ich hatte einen zauberhaften Wald in Gold- und Grüntönen erwartet, stattdessen wirkt er fast kalt, was insbesondere an der blauen Tönung liebt. Insgesamt sind die Elben meiner Meinung nach nicht konsequent genug umgesetzt. Orlando Bloom verkörpert den Legolas zwar wunderbar, doch hätten die gewöhnlichen Elben ruhig noch etwas ätherisch-überhöhter erscheinen dürfen. Ihre Verbundenheit mit der Natur und ihre einmaligen Fähigkeiten gehen größtenteils unter. Vollkommen übertrieben meiner Meinung nach dagegen die Szene mit Galadriel, deren Prüfung so auch nicht im Buch vorkommt. Und auch wenn die meisten Geschenke der Elben später noch auftauchen, so werden sie hier nicht erwähnt: Die Broschen, die Kleidung, das Elben-Brot, die Boote. Von der Originaltreue in Bezug auf die Stimmung fand ich Lothlorien eindeutig am schwächsten - vielleicht ist das aber eben auch der schwerste Part.

Die weitere Reise ist wieder kräftig gestrafft, kaum ist Lothlorien hinter der Ecke verschwunden, ist auch schon der Wassserfall erreicht. Unterschlagen wird Gollums auftauchen im Fluß. Dass Boromirs Tod an das Ende des ersten Teils verlegt wurde, war bereits bekannt - dramaturgisch ist das nur allzu sinnvoll, um dem ersten Teil einen halbwegs brauchbaren Schlußpunkt zu geben, ein Finale.

Ganz allgemein lässt sich sagen: Jackson hat kräftig gekürzt, aber stets versucht, alles wichtige beizubehalten. Es geschieht sicher nichts, was gegen das Buch verstoßen würde. Doch sind einige wichtige Szenen nicht ganz akkurat umgesetzt. Mit am meisten begeistert hat mich am Buch die schleichende Verfinsterung, vom fröhlichen Auenland bis nach Mordor, die sich ja optisch wie seelich manifestiert. Hier scheinen mir im ersten Teil zu wenige Ankerpunkte gesetzt, an denen sich das in den nächsten Teilen kontrastieren ließe - aber hier heisst es wohl abwarten. Für echte Tolkien-Fans ein unverzeihlicher Mangel: So gut wie keine Lieder, es wird nicht gesungen. Es hätte dem Film wohl auch nicht gut getan, dennoch ist es eine große Abweichung zum Buch, in dem die zahlreichen Lieder sehr prominent sind. Was sehr gut gelingt, ist dagegen die Charakterzeichnung, fast alles sind Idealbesetzungen. Prsönlich hab eich jedoch noch einen Vorbehalt gegen die Unterscheidung von Merry, Pippin und Sam: Ich finde sie zu wenig unterscheidbar, zu unindividuell. Selbst im Buch hatte ich dieses Problem mit Merry und Pippin, aber wenigstens Sam setzte sich klar ab - nicht so im Film.

Man muss Jackson zu Gute halten, dass er sich in seiner Interpretation nicht selbst verwirklichen wollte. Alle Änderungen sind entweder bewußt, aber, soweit man das sagen kann, im Sinne Tolkiens, oder aber sie beruhen auf Umsetzungsschwierigkeiten. Wie sich das wichtigste Element, die Gesamtstimmung des Films, entwickelt, lässt sich noch nicht sagen. Aus der Kombination von dramaturgisch sehr sinnvollen Entscheidungen, die so viel wie möglich unberührt lassen und den letztlich doch zahlreichen Änderungen und der unsicheren Frage nach der Gesamtstimmung ergibt sich meine vorsichtig-kritisch-hoffnungvolle Wertung.

Bombastisch, episch, grandios, aber stellenweise etwas zu individuelle Buch-Umsetzung


Wolfgang Huang
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Bei all den Lobeshymen, die bezüglich des Herrn der Ringe an allen Ecken und Enden aus dem Boden sprießen, sei doch einmal festgehalten, dass auch oder gerade Peter Jacksons Mammutprojekt an vielen, mehr oder weniger schlimmen Kleinigkeiten zu leiden hat. Das Gesamtergebnis bleibt zweifellos ein cineastisches Erlebnis, aber es gibt genug Dinge, die...