Plötzlich Prinzessin
(Princess Diaries, The)

USA, 114min
R:Garry Marshall
B:Meg Cabot, Gina Wendkos
D:Julie Andrews,
Anne Hathaway,
Hector Elizondo,
Heather Matarazzo
L:IMDb
„Ich bin keine Prinzessin! Ich warte ja noch darauf, dass mir diverse Körperteile wachsen.”
Inhalt
Mit ihrem Wuschelkopf, der uncoolsten Brille seit Erfindung des Kassengestells und der grandiosen Eigenschaft, in garantiert jedes Fettnäpfchen zu treten, zählt Mia (Anne Hathaway) nicht gerade zu den beliebtesten Girls der Schule. Die Jungs ignorieren sie, die Mädels verspotten sie, und ihr heimlicher Schwarm - der angesagteste Typ der High School - hat nur Augen für das blonde Gift Lana (Mandy Moore). Niemand schenkt Mia besondere Aufmerksamkeit - bis zu dem Tag, an dem sie aus heiterem Himmel eine schier unglaubliche Nachricht erhält: Sie ist eine echte Prinzessin! Ihre Großmutter, Königin Clarisse Renaldi (Julie Andrews), ist eigens angereist, um Mia diese Botschaft zu überbringen und aus dem dickköpfigen Teenager eine würdige Thronfolgerin zu machen. Doch Mia denkt nicht im Traum daran, ihre Boots gegen Edel-Pumps auszutauschen - bis ein königlicher Crash-Kurs in Sachen Outfit & Benehmen ihre Meinung ins Wanken bringt. Schon bald steht Mia vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens.
Kurzkommentar
Ein Blick aufs Fazit dürfte die Frage, ob man "Plötzlich Prinzessin" besuchen soll oder nicht, recht eindeutig beantworten. Garry Marshalls ("Pretty Woman") äußerst formelhaftes, sehr anspruchsloses Märchen ist genau das, als was es verkauft wird: ein Disney-Film. Quasi "Aschenputtel" als Realversion. Aber ob man dafür ins Kino muss? Wohl eher nicht.
Kritik
"Plötzlich Prinzessin" ist einer jener Filme, deren Marketing ausnahmsweise mal als treffend bezeichnet werden kann. So vermittelt der Trailer einen wunderbaren Eindruck des Films und ermöglicht den Zuschauern auf faire Weise, beurteilen zu können, ob sie an dem Film Interesse haben könnten oder nicht. So war in meinem Fall von vornherein klar, dass ich nicht zum Zielpublikum von Garry Marshalls ("Pretty Woman", "Die Braut, die sich nicht traut") "Plötzlich Prinzessin" zähle. Gut, leider ist man nicht davor gefeit, der Komödie evtl. in einer Sneak zu begegnen, aber dafür können die Filmemacher reichlich wenig.

Und doch: die erste Hälfte des Streifens war überraschend unverkrampft und vergleichsweise witzig. Dazu trägt vor allem der besonnene Joe, gespielt vom charismatischen Hector Elizondo (ein Stammschauspieler Marshalls), bei, dessen trockene Kommentare als ungewolltes Kindermädchen sehr sympathisch rüberkommen. Auch Mias Mutter Helen und ihre "Omi", Königin Clarissa Renaldi, sind mit Caroline Goodall (bekannt aus "Schindlers Liste") und Julie Andrews (einst "Mary Poppins") angemessen besetzt und fangen manch allzu stereotypische Szene mit ihrem Charme wieder auf. Zusammen mit der vorhersehbaren, aber für das junge, wohl überwiegend weibliche Zielpublikum ordentlichen Story ergibt sich für eben diese Besucher ein hübscher, unspektakulärer Kinoabend, der keine Überraschungen bereithält, aber, wie eingangs erwähnt, dank treffendem Marketing kaum Unzufriedenheiten hervorrufen dürfte.

Objektiv jedoch, gemessen an der Messlatte anderer Kinofilme, aber auch an den eigenen Ansprüchen, bietet "Plötzlich Prinzessin" doch viel zu viele Stereotypen, Schmalzigkeiten und Zuckermomente, die ihn auch nur in irgendeiner Weise von anderen Produktionen abheben könnte. Zugegeben, vielleicht war das gar nicht Garry Marshalls Ziel (was legitim, aber trotzdem etwas erbärmlich ist). Aber ich bitte auch das angepeilte Publikum mal etwas kritischer hinzusehen: reicht, wenn die Protagonistin als hässliches Entlein gelten soll, tatsächlich nur die dicke Hornbrille und ein Lockenkopf (in "Eine wie keine" war man der Meinung auch)? Ist der Schwarm in der Schule grundsätzlich der grösste Macho der rumläuft? Und bin ich eigentlich der einzige, der Mia vor der Folter vom (natürlich tuntigen) Friseur, hübscher fand als danach?

Die unsäglichen und aus Originalitätsperspektive miesen Slapstickeinlagen, die auf pimitivste Weise dem Zuschauer klar machen sollen, dass wir mit Mia Thermopolis hier doch ein einen grossen Trampel vor uns haben, die alternativ eingestellte Freundin, die für Green Peace kämpft und (automatisch) völlig durchgeknallt, aber treu wirken soll und die überflüssige Nebenrolle des freakigen Nachbarn setzen der Formelhaftigkeit des Films dabei sicherlich noch die Krone auf (nein, das Wortspiel war nicht beabsichtigt). Die beste Szene des Films bleibt somit die entlarvendste: just nachdem Mia, sich ihres neuen Status bewusst, stilecht einkaufen gegangen ist und sich mit Markenartikeln eingedeckt hat, fällt ihre zuvor beste Freundin Lilly sie an, sie würde total verwahrlosen, ihrer eigentlichen Prinzipien entsagen und zu einem wertfreien und oberflächlichen Menschen wie Schulzicke Lana (unbewusst selbstparodierend: Wanna-be-Britney-Spears Mandy Moore) mutieren. Wie Recht sie da hatte - und wie wenig das Garry Marshall und Drehbuchautorin Gina Wendkos gecheckt haben.

Fürs Zielpublikum annehmbares, sonst verzichtbares Märchen


Thomas Schlömer