Helden aus der zweiten Reihe
(Replacements, The)

USA 2000, 118min
R:Howard Deutch
B:Vince McKewin
D:Keanu Reeves,
Gene Hackman,
Brooke Langton,
Orlando Jones
L:IMDb
„Ich könnte jetzt was unheimlich Inspirierendes sagen, aber das wäre nicht unser Stil. Die Schmerzen gehen wieder weg und die Mädchen stehen auf Narben, Ruhm und Ehre - das hält für ewig.”
Inhalt
Edward O’Neil (Jack Warden), Besitzer der Washington Sentinels, ist verzweifelt: Seine Football-Profis wollen mehr Geld und beginnen deshalb vier Spiele vor der Playoff-Runde einen Streik. O‘Neil bleibt keine Wahl: Er holt den ehemaligen Sentinels-Trainer Jimmy McGinty (Gene Hackman) aus dem Ruhestand zurück. Der alte Coach soll innerhalb einer Woche ein Ersatzteam zusammenstellen. Bald tummelt sich auf dem Rasen des Sentinels-Stadions ein bunter Haufen ausrangierter Exzentriker, darunter ein walisischer Fußballstar, ein japanischer Sumo-Ringer und ein vom Staatsgefängnis ausgeliehener Sträfling. Angeführt werden die Underdogs vom Quarterback Shane Falco (Keanu Reeves). Weil sie einzig aus Liebe zum Spiel in die Arena gehen, vollbringen Washingtons Ersatzspieler bald wahre Wunder.
Kurzkommentar
Mit überraschend lockerer Hand führt Howard Deutch seine Football-Komödie "Helden aus der zweiten Reihe" und vermeidet dadurch geschickterweise die üblichen Kritikpunkte an so recht formelhaften Filmchen. Die Charaktere stimmen, die Darsteller auch und selbst das Teamgefühl kommt besser rüber als im so gezwungen-emotionalen "Gegen jede Regel".
Kritik
Amerikanische Sportkomödien sind normalerweise immer so schrecklich formelhaft und abgedroschen und in gewissem Rahmen kann man auch "Helden aus der zweiten Reihe" diesen Vorwurf machen - mit einem kleinen, aber wichtigen Unterschied: der Film ist derart angenehme, leicht-luftige Komödienkost, daß die Formelhaftigkeit kaum zum Problem wird. Regisseur Howard Deutch ("Immer noch ein seltsames Paar") gelingt es, dem Sog seiner bislang eher dürftigen Arbeiten zu entkommen und schuf mit Hilfe des Drehbuchautors Vince McKevin eine teilweise äußerst witzige Hommage an Amerikas beliebtesten Sport. Großartig Kritik geübt wird da freilich nicht - nur die immer aktuelle Diskussion um die Wahnsinnsgagen mancher Profi-Sportler wird aufgegriffen, aber nur sehr oberflächlich gestreift.

Gut und Böse sind dabei klar getrennt: das zusammengeworfene Team, die Underdogs, sind die Engel, die streikenden Milliardärsspieler die Teufel. Diese Schwarz-Weiß-Malerei schmerzt allerdings kaum, denn Deutch hat mit den stereotypischen, aber witzigen Charakteren die Trümpfe in der Hand: ein Sumo-Ringer, ein walisischer Fußball-Star, ein radauwütiges Mitgleid einer Spezialeinheit, ein gebrochener Football-Held aus früheren Zeiten - die Mischung stimmt. Vor allem, weil die Darsteller so treffend gewählt wurden. Keanu Reeves als lonesome Cowboy und Held des Films nimmt seinen Status fast ironisch hin, Rhys Ifans ("Notting Hill") darf wieder den freakigen Schmutzling mimen, Gene Hackman den inspirierenden Coach und als besonderes Schmankerl verkörpert der sonst eher für seine differenzierte Darstellung bekannte Jon Favreau ("Swingers", "Love&Sex") den gewaltgeilen, tasmanischen Teufel - äußerst gelungen.

Insgesamt ist der Film vielleicht einen Tick zu lang, aber Deutch findet eine gute Balance zwischen intensiven Spielszenen (die sicherlich nicht so packend sind wie in "An jedem verdammten Sonntag", dafür aber mit passendem Slapstick überzeugen können) und ruhigeren Momenten. Auch die unvermeidbare Romanze zwischen Cheerleader und Spieler wird nicht zu süßlich und profitiert von der charismatischen Erscheinung Brooke Langtons. Ein guter Soundtrack komplettiert den unspektakulären Kinoabend, der wohl nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben dürfte, aber was soll's?

Das "Indianer von Cleveland" des Footballs


Thomas Schlömer