Heist - Der letzte Coup
(Heist)

USA 2001, 111min
R:David Mamet
B:David Mamet
D:Gene Hackman,
Danny DeVito,
Delroy Lindo,
Sam Rockwell
L:IMDb
„Everybody needs money - that's why they call it money.”
Inhalt
Joe Moore (Gene Hackman) hat eine schöne junge Frau, man schuldet ihm Geld, er liebt seinen Beruf. Er ist ein Dieb. Sein Profi-Image bekommt einen Knacks, als er sich von einer Überwachungskamera filmen lässt. Sein Hehler Bergman (Danny DeVito) verhandelt daraufhin noch einmal neu über die Summe, die er Moore schuldet. Und möglicherweise betrügt Moores Frau Fran (Rebecca Pidgeon) ihn mit dem jungen Assistenten des Hehlers (Sam Rockwell). Plötzlich sind Moore, sein Partner Bobby Blane (Delroy Lindo) und ihr Faktotum Pinky Pincus (Ricky Jay) völlig pleite - sie werden hintergangen und erpresst. Moore sieht sich gezwungen, für Bergman noch einen letzten großen Job zu erledigen.
Kurzkommentar
Von allen "Heist"-Thrillern in letzter Zeit ("The Score", "Ocean's Eleven") hatte ich "Heist" noch die besten Chancen für einen packenden Streifen eingeräumt, da Drehbuchautor David Mamet zu den besseren seiner Zunft zählt. Nun, das Drehbuch ist tatsächlich nicht schlecht geworden und hat ein paar neckische Kommentare auf Lager, aber Mamets eigene Regieleistung zersägt die ordentliche Story und setzt sie zu langweilig in Szene.
Kritik
Das Genre des "Heist"-Thrillers hat auf die meisten Zuschauer schon immer eine besondere Faszination ausgeübt - zumindest, wenn sie clever gemacht waren. Kaum ein anderes Genre bietet soviel Spielraum für nette Plotwendungen, packende, spannende Inszenierung, großen Ideenreichtum und interessante Charakterbeziehungen. Intrigen, Lügen, gegenseitiges Ausspielen gehören zu jedem Thriller dieser Machart - nicht zu vergessen die meist coolen Helden mit ihren trockenen Sprüchen. Trotzdem "Heist" erst jetzt in unsere Kinos kommt, wurde er etwa zur gleichen Zeit fertiggestellt wie die aktuelle Konkurrenz "Ocean's Eleven" oder "The Score". Enttäuschend bleibt jedoch, dass alle drei dem Genre überhaupt nichts Neues abgewinnen können. "The Score" war viel zu gemütlich, "Ocean's Eleven" superlocker, aber dadurch nicht wirklich spannend und "Heist" ist nun -trotz bester Voraussetzungen- ebenfalls zu reizlos in Szene gesetzt.

Schade eigentlich, denn David Mamet, einer der stilleren, aber besten Drehbuchautoren Hollywoods, war (und ist) eigentlich genau der richtige Mann, einen schicken Thriller zu schreiben. Als Pulitzer-Preisträger, Bühnenautor, zweifach für den Oscar nominierte Drehbuchautor, Regisseur, Essayist, Romanautor und Lyriker ist er seit 1976 im Geschäft, schrieb die grandiosen Vorlagen für "Die Unbestechlichen" und "Wag the Dog" sowie für seine eigens realisierten Filme "State and Main", "Haus der Spiele", "The Winslow Boy" und "Die unsichtbare Falle". Auch in "Heist" ist, vor allem in den oftmals knackigen Dialogen, aber auch in der reifen, durchaus gewitzten Story sein gehobenes Talent erkennbar. Unglücklicherweise sind seine Filme nie nahezu makellose Meisterwerke geworden, was vor allem an einem Problem festzumachen ist: Mamet ist ein fähiger Drehbuchautor, aber nur ein unterdurchschnittlicher Regisseur.

Das zeigt sich auch in "Heist" zu Genüge: während sich Gene Hackman und Delroy Lindo gelungene Sprüche an den Kopf werfen, krankt der Thriller am fehlenden Thrill. Der einführende Einbruch ist genauso kalt und unspannend inszeniert wie der "große, letzte Coup". So schneidet Mamet den letzten Überfall gemütlich vor sich hin, verzichtet auf etwas adrenalintreibende Musik und versäumt es, den Zuschauer nur irgendwie für den Raub zu interessieren. Gut, vielleicht war es auch viel mehr Mamets Ziel, einen gediegenen Streifen zu drehen, der eben von seinen Charakteren und nicht von oberflächlicher Action lebt. Dazu hat er seine Figuren, vielleicht bis auf Gene Hackmans Joe und Delroy Lindos Bobby, aber dann doch zu grob angelegt. Vor allem das Verhalten von Joes Frau Fran bleibt unmotiviert und wenig nachvollziehbar. Danny DeVito als Bergman und Sam Rockwell als sein Assistent Jimmy verleihen ihren Rollen allein aufgrund ihres Charisma genügend (wenn auch nicht viel) Tiefe, aber es reicht, um ihre Handlungsweisen zu erklären. Die (mitentscheidende) Rolle von Fran jedoch steht zu holzschnittartig im Raum.

So lässig letztlich auch manche Sprüche in "Heist" sein mögen ("Kriegt Joe das geregelt?" - "Oh ja, der Mann ist so cool, wenn der ins Bett geht, zählen die Schafe ihn"), Mamets Inszenierung fehlt es auch an eindeutiger Aussage und Zuordnung. "Gewalt ist gefühlsbetont - wenn man sie als emotionslos zeigt, wirkt sie fast automatisch ironisch.", so Mamet. Leider ist das Wörtchen "fast" hier entscheidend, denn für einen ironisch-satirischen Tarantino-Trip ist "Heist" zu ernsthaft, für einen seriösen Thriller mit seiner Gewaltironie zu kantig. Was bleibt, ist ein durch seine Dialoge oftmals spaßiger, insgesamt aber unrunder Thriller, der vielleicht unter einem Regisseur wie Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen"), Curtis Hanson ("L.A. Confidential") oder Jonathan Demme ("Schweigen der Lämmer") richtig gut geworden wäre.


Trotz eines guten Drehbuchs zu schwachbrüstiger Thriller


Thomas Schlömer