Heißer Coup, Ein
(Where the Money is)

USA 2000, 88min
R:Marek Kanievska
B:E. Max Frye
D:Paul Newman,
Linda Fiorentino,
Dermot Mulroney
L:IMDb
„Schätzchen, was ich hier spiele, ist zwar gehirntot, aber nicht gehirnambutiert.”
Inhalt
Der berüchtigte Bankräuber Henry Manning (Paul Newman) plant seinen Ausbruch aus dem Knast: er simuliert einen Schlaganfall und wird scheinbar lethargisch im Rollstuhl sitzend, in ein Pflegeheim abgeschoben. Doch die junge Krankenschwester Carol (Linda Fiorentino) lässt sich nicht eine Sekunde täuschen. Gelangweilt von ihrem Leben und ihrer Ehe "weckt" sie Henry aus seinem vorgetäuschten Dämmerzustand und überredet ihn zu einem Überfall auf einem Geldtransporter. Die Beute: 2 Millionen Dollar! Der Risikofaktor: Carols eifersüchtiger Ehemann Wayne.
Kurzkommentar
Hollywood-Altgestein Paul Newman macht aus dem seichtesten Filmchen noch gepflegte Unterhaltung, kann zusammen mit Linda Fiorentino jedoch nur bedingt die Schwächen dieser belanglos unzeitgemäßen Gangsterfabel wettmachen. Regisseur Marek Kanievska bleibt zwischen Thriller und Humor in einem bald vergessenen, nur Stereotype abbildenden Konstrukt hängen.
Kritik
Paul Newman ist mit seinen 74 Jahren schon vor langer Zeit zur Legende erklärt worden und einer der letzten "Großen" im Filmbusiness, das er selbst mitgeprägte. Schon längst hätte er sich in Ruhe zurücklehnen und die Gewissheit seines eigenen Denkmals genießen können, aber Newman legt nach, und das erwartungsgemäß mit einem genügsamen, altersangemessenen Auftritt, der sich zudem noch symbolhaft und vielleicht zynisch gibt: die Rolle im Rollstuhl. Während die gleichaltrigen Heiminsassinnen als demente Regressionsbeispiele eingeführt werden, mimt Newman das gelähmte Selbst samt Schlaganfall (der ihn realiter bald selbst treffen könnte) bloß und steht nicht nur geistig in voller Blüte. Das hat was von Sarkasmus. Und wieso sich Newman von Produzent Ridley ("1492") und Sohn Tony Scott für ein derart flaches Drehbuch einspannen ließ, ist wohl nur damit zu erklären, dass er der Vergangenheit zugewandt ist und Lust hatte, in einer so antiquiert schematischen Gangstergeschichte auf seine alten Tage noch einmal den charmant-gewitzten Gauner raushängen zu lassen. Glücklicherweise, oder besser: natürlich funktioniert es mit der für Newman so typischen Souveränität.

Von der ist in der ersten Phase des Films allerdings nichts zu sehen, denn zu "bestaunen" ist der große alte Mann allein bei apathischen Schweigeübungen im Rollstuhl. Aber womöglich ist es ja Schauspielkunst, eine invariable Gesichtslähmung zu mimen. Immerhin leistet Linda Fiorentino als gerissene Altenpflegerin schon jetzt einen sehr guten Part und hält das Interesse gerade noch wach, bis Newman in einer bezeichnenden Szene die Deckhülle des Halbtoten abstreift, dem Wasser wie dem Jungbrunnen entsteigt, das eingefrorene Gesicht aufgibt und den spaßigen Dialog einleitet. Neu in den nun entwickelten Geschehnissen um einen rentenreifen Profigangster und seine dilettantischen Lakaien ist allein die einen Schlaganfall vortäuschende Tarnmasche. Das Vorhaben und die Durchführung des Raubüberfalls ist Newmans Alter gemäß so unspektakulär, unspannend und voraussagbar lahm umgesetzt, dass das bahnbrechend langsame Erzähltempo schon gar nicht mehr schockieren kann - genügsam und abgelebt eben.

Nein, könnte "Ein heißer Coup" nicht auf seine auserlesenen Darsteller zurückgreifen, er würde sofort in der Namenlosigkeit versinken. Denn trotzdem Newman bis auf seine markige Präsenz nicht viel zeigt, reißt er schon etliches raus, was der britische Regisseur Marek Kanievska ungeschickt zwischen Thriller und Komödie in den Sand setzt. Insgesamt sehr positiv macht sich Linda Fiorentino, die den Film deutlich kontrolliert und auch Dermot Mulroney als ihr Ehemann spielt leidenschaftslos, aber irgendwie ins Konzept passend. Obwohl Spannung und besonderer Witz dem holzschnittartigen Script geopfert werden, macht die hervorragend funktionierende Darsteller-Chemie somit noch einen Reiz, aber bestimmt keinen "heißen Coup" aus.

Zeitwidrige, farblose Gaunerfabel mit starkem Ensemble


Flemming Schock