Patriot, Der
(Patriot, The)

USA, 164min
R:Roland Emmerich
B:Robert Rodat
D:Mel Gibson,
Jason Isaacs,
Heath Ledger
L:IMDb
„Dummer Bengel”
Inhalt
South Carolina, 1776. Der Witwer Benjamin Martin (Mel Gibson), ein Veteran des blutigen Feldzugs gegen die Franzosen und die Indianer, lebt mit seinen sieben Kindern zurückgezogen auf seiner Plantage. Mit dem drohenden Krieg gegen die Engländer will der friedfertige Familienvater nichts zu tun haben. Doch als sich Benjamins idealistischer Sohn Gabriel (Heath Ledger) seinem Vater zum Trotz der kontinentalen Armee anschließt und der englische Colonel Tavington (Jason Isaacs) Gabriels jüngeren Bruder Thomas (Gregory Smith) in einem Akt grausamer Willkür erschießt, kann sich auch Benjamin dem Krieg nicht länger entziehen. Gemeinsam mit Gabriel führt er eine tapfere Rebellen-Miliz in den Kampf gegen die übermächtige englische Armee. Dabei entdeckt der Held wider Willen, dass er seine Familie nur beschützen kann, indem auch er für die Freiheit seiner jungen Nation kämpft.
Kurzkommentar
Ein Film, wie er patriotischer nicht sein könnte ? Nein. Ein Streifen, der sich das amerikanischste aller Ereignisse zum Thema macht, könnte zumindest in dieser Beziehung nicht viel "erträglicher" sein. Was schon eher stört, ist Emmerichs immer noch vorhandener Sinn für schmalzige Szenen, die jedoch erstaunlich selten gesät sind und das trotz allem gut dramatisierte Geschehen glaubwürdig, kurzweilig und mit zwei äußerst charismatischen Darstellern wie aus einem Guß wirken lassen. Ein Emmerich zweifellos, aber ein guter.
Kritik
Wie sagt man ? Je niedriger die Erwartungen, desto besser der Film ? Trotzdem diese Frage in meinem Fall mit "Ja" beantwortet werden muß, versuchen wir doch, möglichst objektiv an den Patrioten ranzugehen.

Halten wir fest: es geht um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, Mel Gibson ist der Held des Films und: seine Motivation begründet sich (zunächst) nicht im Kampf für die Freiheit einer neuen Nation, sondern in der Rachsucht für seinen Sohn, seine Familie. Hört sich schnulzig an, ist es aber bei weitem nicht. Doch da kommt schon der erste Einwand: es wird genau dann schnulzig, wenn Roland "stupider Popcorntrash" Emmerich den Regiestuhl besetzt. Trifft das bei "Der Patriot" zu ? Erstaunlicherweise nur bedingt. Unbestreitbar ist sicherlich, daß Pathos und scheinbar unerträgliche Amerikaverherrlichung auch in seinem neuesten Film für viele das Killerkriterium schlechthin darstellen dürfte - soviele geschundene, Zitat 'Cinema', "große Gefühle" und diese Menge an Patriotismus dürfte vielen übel aufstoßen und die vorhandene Schmerzgrenze locker überschreiten. Aber hier greift der erste Punkt, den wir festgehalten haben: es geht um den Unabhängigkeitskampf. Der mag historisch peinlich dargestellt sein, aber er wurde bewußt auf die rein dramaturgische Unterhaltungsebene herunterskaliert. Schließlich geht es zunächst nur um das Schicksal der Familie Martin, welches anschließend erst im Kampf für die Freiheit mündet. Trotzdem sollte man sich natürlich nichts vormachen: der Plot ist eindimensional und eine korrektere und damit interessantere Ausarbeitung hätte nicht geschadet.

Doch verlassen wir einmal die historische Ebene und betrachten das Produkt als das, was es sein will: emotionale, spannende, kurz: dramatische Unterhaltung. Und in diesem Punkt steht es um Emmerich's Patrioten wirklich nicht schlecht: das Geschehen ist actionreich, die Handlungen nachvollziehbar, die Figuren glaubwürdig. Klar, daß Emmerich wieder triefend-schmalzigen Szenen verfällt (die Rede in der Kirche, die Hochzeit und der anschließende abend, die ersten Worte der jüngsten Tochter), aber trotzdem: insgesamt und im Vergleich mit seinen weitaus unerträglich pathetischen Vorgängern wie z.B. "ID4" bleibt "Der Patriot" glaubwürdig und, am wichtigsten, kurzweilig. Besonders erfreulich waren diverse Spannungsmomente und der Umgang mit dem Patriotismus. Ja, richtig gelesen, die Verherrlichung des großen Staates erwies sich als erstaunlich zurückhaltend. Erst in der finalen Schlacht wird die Fahne Richtungs- und Siegesweisend geschwenkt, aber halten wir uns wieder den ersten Punkt vor Augen. Im Gegensatz zu "ID4" oder z.B. "Air Force One" ist dieses Element nun mal zentraler Bestandteil der Story und nicht unerwartet schmalzig aufgesetzt und damit peinigend deplatziert. John Williams' Score wirkt in diesem Zusammenhang in der Tat emotional überladen und nicht so unbeschwert wie bei einer separaten, kompositorischen Betrachtung.

Robert Rodat, dessen Skript zu "Saving Private Ryan" auch ich im Nachhinein etwas fragwürdig und zu "hollywoodisiert" einschätze, liefert für "Der Patriot" immerhin einige gute, wenn auch unspektakuläre, weil typische Storyelemente. Gut und Böse sind zwar abermals schmerzerzeugend einfach abgegrenzt, der Kampf zwischen beiden Fronten erweist sich aber fast schon als erfrischend (aber nur fast). [Spoiler] So will Gabriel nicht wie der Popkornzuschauer es gewohnt ist nach seinem Schuß gegen den Oberbösewicht einfach das Feld räumen (in der Gewißheit, Tavington sei ja eh schon tot), sondern zum finalen Todesstich ansetzen. Ok, das Blatt wendet sich, was wiederum als vorhersehbar gelten kann, trotzdem eine gute Lösung. Auch, daß Rodat nicht den ganz schmalzigen Taten verfallen ist, Tavington mit der speziell angefertigten Patrone von Benjamin Martin enden zu lassen oder ihn mit Hilfe der amerikanischen Flagge aufzuspiessen, werte ich insofern positiv, als daß die Alternativen ihren dramatischen Anspruch erfüllen und nicht lächerlich wirken - zugetraut hätte man sowas einem Emmerich-Film ja. [Spoilerende]

Zudem sind die beiden Hauptdarsteller, Mel Gibson und Heath Ledger, teilweise wirklich begnadet gut, was man von diversen Nebenfiguren nicht behaupten kann (z.B. Gabriels Frau Anne). Zwar gelingt es Emmerich auch diesmal nicht, die Charaktere wirklich lebendig wirken zu lassen und den Zuschauer emotional zu binden, an den Schauspielern liegt es jedoch nicht. Gibson, spätestens seit "Braveheart" einer der charismatischsten Darsteller, überzeugt auch als Patriot. Sein Kampfverhalten, sowie seine Trauerszenen sind wirklich beeindruckend, obwohl ihnen der echte, mitfühlende Tick fehlt. Ein Fehler, den ich allerdings Emmerich zurechne: er hat durchaus Gefühl für Bilder und Ausstattung, ein guter Regisseur ist er deswegen noch lange nicht. Ihm fehlt einfach das subtile Empfinden für Inszenierung, Schnitt und Emotionen - da hätte Gibson ihm wohl zur Hand gehen sollen.

Betrachten wir es letztendlich einfach mal aus der Perspektive des potentiellen Kinogängers: man sollte wohl davon ausgehen können, daß erstens: genau diesem Kandidaten der Titel des Films bewußt ist und zweitens: Roland Emmerich Regie führte. Und Nein, selbst in diesem Rahmen geht der Film nicht zu weit. Ja, er ist schmalzig, pathetisch und hauptsächlich auf der oberflächlichen Ebene der absolut stereotypischen Hollywood-Unterhaltung anzusiedeln, aber bitte: wer sich daran stört und trotzdem in den Film gegangen ist, darf sich wirklich nicht über seine Unzufriedenheit wundern.

Schmalziges, aber unbestreitbar kurzweiliges Hollywoodkino


Thomas Schlömer