Hearts in Atlantis

USA 2002, 101min
R:Scott Hicks
B:Stephen King,William Goldman, Stephen King
D:Anthony Hopkins,
Hope Davis,
Anton Yelchin
L:IMDb
„Woher wussten Sie, dass ich ein Fahrrad will?« - »Alle Kinder wollen ein Fahrrad.”
Inhalt
Ein Vorort von New York Ende der 50er Jahre: Der 11-jährige Bobby Garfield (Anton Yelchin) lebt mit seiner Mutter (Hope Davis) in ärmlichen Verhältnissen. Die Beziehung zwischen den beiden verschlechtert sich zunehmends, als sich Bobby mit dem neuen Untermieter (Anthony Hopkins) anfreundet. Ted Brautigan entwickelt sich zu einem väterlichen Freund und bringt Bobby Dinge näher, die er sich vorher nicht hätte erträumen lassen.
Kurzkommentar
Ein wunderschönes Stück Film ist "Hearts of Atlantis" geworden. Anthony Hopkins ist sehenswert wie immer, die jungen Schauspieler leisten gute Arbeit. Zusammen mit den tollen Bildern und einem Schuss Mystery ergibt sich eine interessante Coming-of-age Geschichte, der ein bisschen Feinschliff zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen hätte.
Kritik
Scott Hicks fiel bisher nur durch einen europäischen ("Sunshine") und einen asiatischen ("Schnee, der auf Zedern fällt") Film auf, diesmal ist es ein durch und durch amerikanischer. Die Geschichte stammt aus der Feder von Stephen King, dessen Werke massenweise verfilmt werden. Drehbuchautor William Goldman ("Misery") hatte jedoch relativ freie Hand, die Vorlage zum Film "Hearts in Atlantis" ist nur eine Geschichte in der Geschichte der Buchversion. Das war wohl ein Glücksgriff, man bekam den Namen Stephen King, und das ohne die Verpflichtung eine hanebüchene TV Version drehen zu müssen, wie es bei King Verfilmungen meistens der Fall ist.

"Hearts in Atlantis" ist in erster Linie ein Stimmungsbild. Die Handlung folgt dem Schicksal von Bobby Garfield, seiner Liebe und seinen Problemen, während eines Sommers. Die Hauptstärke des Films liegt eindeutig in seinen wundervollen Bildern. Kameramann Piotr Sobocinski zaubert traumhaft schöne Ansichten in den tollsten Farben auf die Leinwand, leider verstarb er während den Dreharbeiten im Alter von 43 Jahren. Zusammen mit der gelungenen Musikuntermalung entsteht eine fast einzigartige Atmosphäre, eine Homage ans Kindsein, ohne die Bilder mit zuviel Kitsch und Pathos zu überladen.

Ein Glück geht der Film nur knapp anderthalb Stunden, ansonsten würde nämlich noch deutlicher offenbar, dass während des ganzen Films nicht viel geschieht. Noch dazu ist die Rolle der Mutter maßlos überzogen, der einzige Charakter der einfach nicht funktioniert. Wenn Anthony Hopkins Charakter der gute Märchenonkel ist, dann wäre Hope Davis die böse Stiefmutter. Ihre Naivität bezüglich ihres Arbeitgebers lässt die Figur völlig an Glaubwürdigkeit verlieren. Sie ist aber ein Glück nur ein Nebencharakter. Dafür funktioniert das Zusammenspiel zwischen Anthony Hopkins und dem jungen Anton Yelchin umso besser.

Die Handlung ist sicher etwas märchenhaft geraten, aber das trifft auf einen guten Teil aller Hollywoodfilme zu. "Hearts of Atlantis" bietet kurzweilige Unterhaltung für die ganze Familie, der Mystery Faktor ist sehr gering. Im Prinzip hätte der Film auch von Steven Spielberg stammen können, ausser dass dann Joel Haley Osment die Hauptrolle übernommen hätte. Man kann sich einfach zurücklehnen und das Geschehen genießen ohne groß nachdenken zu müssen.

Atmosphärische Homage ans Kindsein in wunderschönen Bildern


David Hiltscher