Häupter meiner Lieben, Die

Deutschland 1999, 90min
R:Hans-Günther Bücking
B:Karl Boeser
D:Heike Makatsch,
Christiane Paul,
Andrea Eckert
L:IMDb
Inhalt
Maja (Heike Makatsch), aus einer zerütteten Familie stammend, flieht mit ihrer Freundin Cora (Christiane Paul)nach Italien, nachdem sie aus Versehen ihren Bruder umgebracht hat. Doch schon bald tauchen neue Männer in dem Leben der beiden auf, und da diese ebenfalls für Verdruß sorgen, beschliessen Maja und Cora, daß die Mord&Fort-Taktik gar nicht so schlecht ist.
Kritik
Wer auf Anhieb und ohne Nachdenken weiß, was das Wort 'Gemächt' bedeutet, dem könnte dieser Film vielleicht sogar gefallen. Alle anderen werden ihn in etwa so wie das Wort finden: arg staubig, arg betulich, arg platt, arg langweilig, kurz: ärgerlich. Dabei hätte die Story, obwohl wahrlich ausgelutscht, durchaus Potential: Roadmovies ziehen, mit einer gewissen Dynamik versehen, eigentlich immer ganz gut. Dynamisch ist 'Die Häupter meiner Lieben' aber sicher nicht, schon die Erzählweise mit Kommentaren aus dem Off und das vorweggenommene Ende nehmen dem Ganzen jede Rasanz. Was bleibt, ist eine blutrünstige Story, in der drei Frauen, die irgendwie nicht ganz bei Verstand sind, jeden Mann, der ihnen über den Weg läuft, einfach aus dem Weg räumen.
Eine schwarze Komödie vorrausgesetzt wäre das ja gar nicht so schlecht, aber irgendwie gestaltet sich das recht fad, was hauptsächlich daran liegt, daß ausnahmslos jeder Mann dran glauben muss (was das Ganze doch sehr vorhersehbar macht), zugleich die Morde aber nicht besonders einfallsreich sind. Hier fehlt dem Film mehr Schwärze, mehr Sarkasmus, mehr Biss.
Will uns dieser Film etwas mitteilen? Immerhin verzichtet er auf jede Art von Rasanz, Spannung, Innovation oder Witz. Weshalb also sollte man ihn sich anschauen? Sicher, jeder der ermordetetn Männer hat sich schuldig gemacht, in der einen oder anderen Weise, insofern mag man eine gewisse rabiate Gerechtigkeit erkennen, aber im Verbund mit der wenig glaubhaften Frauenpower scheint das auch nicht recht zu ziehen. Man muss kein chauvinistischer Emanzenhasser sein, um festzustellen, daß auch das humoristisch-klischeehaft überzeichnete Männerbild ein kläglicher Fehlschlag ist -platter gehts nicht.
Man hätte mehr aus 'Die Häupter meiner Lieben' machen können. Um Beachtung wert zu sein, müsste der Film schneller, radikaler, schwärzer und raffinierter sein. Die lahme Fotografie, die eindimensionale Handlung und die wenig überzeugenden Darsteller (am besten noch Andrea Eckert als Anna) geben dem Film den Todeßstoß.
Wenn schon konventionell, dann richtig: Nach klassischer Dramentheorie folgt auf die Exposition die sich verwickelnde Handlung, und etwa in der Mitte der erste Höhepunkt. Bei 'Die Häupter meiner Lieben' dagegen plätschert die Handlung unmotiviert vor sich hin, interessante Handlungsstränge oder gar Höhepunkte sind nicht zu finden -so sitzt selbst der wohlwollende Zuschauer im Kinosessel und wartet darauf, daß das Ganze ein Ende haben möge.


Bieder, langweilig, belanglos, deutsch


Wolfgang Huang