Guesthouse Paradiso

England 2000, 90min
R:Adrian Edmondson
B:Rik Mayall
D:Adrian Edmondson,
Rik Mayall
„Hol dein Gerät raus. Deine Rute.”
Inhalt
Richard Twat (Rik Mayall) ist der Manager eines kleinen Hotels an der englischen Küste - mit dem unbedeutenden Nachteil, dass es direkt neben einem Atomkraftwerk steht. Daraus erklärt sich auch Richards extrem schlechte Laune, die er bevorzugt an den Gästen und an seinem Laufburschen Eddie (Adrian Edmondson) auslässt. Kein Wunder, dass die Gäste ausbleiben und das Hotel kurz vor dem Ruin steht. Doch all das ändert sich, als die italienische Filmdiva Gina Carbonara sich dort einquartiert. Doch dann sind da noch ihr eifersüchtiger Beinahe-Ehemann Gino Bolognese, ein kompromittierendes Videoband und ein radioaktiver Fisch...
Kurzkommentar
"Guesthouse Paradiso" ist nur geeignet für eine Sorte Zuschauer: Wer die Werke der Farelly-Brüder für intellektuell zu anspruchsvoll hält, wird mit diesem Film glücklich sein. Bei allen anderen wird er einen Top-Platz in der Liste der schlechtesten Filme aller Zeiten einnehmen. Bodenlos.
Kritik
Das England über scharfen, gekonnten Humor verfügt, wissen wir spätestens seit "Monty Phyton" und "The Spitting Image". Und eventuell hätte England sogar die Ehre verdient, die besten Filme Europas zustande zu bringen. Doch "Guesthouse Paradiso" stellt diese positive Bilanz mit einem Schlag auf den Kopf. Dieser Film bietet den dümmlichsten Humor, der je verfilmt wurde, den schlechtesten Geschmack, der je die Kinoleinwand erblicken durfte, kurz, er ist ein enorm heisser Anwärter auf den schlechtesten Film der jüngeren Zeit. Nach allen Filmen, die ich bisher gesehen habe, wird ihm dieser Rang nur von "Barracuda" und "Hexina" streitig gemacht. Und noch einen weiteren Rekord stellt "Guesthouse Paradiso" auf: Wahrscheinlich ist es der Film, bei dem die meisten Besucher den Kinosaal lange bevor Ende verliessen - von ausverkauft bis halbvoll, das ist nicht leicht zu schaffen, zumal bei gestählten Sneak-Besuchern.
Dabei sind Mayall und Edmondson beileibe keine Unbekannten, zumindest in England nicht. Dort sind sie für zahlreiche Comedy-Serien verantwortlich, unter anderem "The Comic Strip Present". Ihr Markenzeichen war schon immer die enorme, comic-haft übersteigerte Gewalt, Tom&Jerry nicht unähnlich, jedoch mit echten Schauspielern. Und so verwundert es auch kaum, dass die Kinoversion ihres Fernsehwerkes "Bottom" ebenso derb ausfällt. Scherze auf unterstem Niveau, meist mit Bezug auf Gewalt, Quälereien und Genitalien. Über eine nennenswerte Handlung verfügt der Film nicht, vielmehr ist er eine Aneinanderreihung abstruser Szenen. Dass "Guesthouse Paradiso" unendlich trashig ist, wissen die Drehbuchautoren, die zugleich Hauptdarsteller sind, sehr wohl, das ist beabsichtigt, und erklärt die durchgehend miserablen Kritiken aller Film-Magazine.
Wer sich nun diesen Film ansehen sollte, oder viel eher gefragt, wollte, weiss ich auch nicht. Sado-masochistische, Big-Brother-schauende Fussballrowdys vielleicht. Aber, immerhin einen Punkt hat sich der Film verdient: Fairerweise sei gesagt, dass die schauspielerische Leistung zwar dem Film angemessen, aber keineswegs schlecht ist, ganz zu schweigen von der Leidensfähigkeit der Akteure. Und: "Guesthouse Paradiso" hat einige lichte Momente, ganz zu Beginn, und ganz zum Schluss - aber der Rest ist unerträglich.

Gnadenlos bodenlos


Wolfgang Huang