Guru, Der
(Holy Man)

USA 1998, 100min
R:Stephen Herek
B:Tom Schulman
D:Eddie Murphy,
Jeff Goldblum,
Kelly Preston,
Jon Cryer
L:IMDb
„Mein Name ist G. - einfach nur G Punkt”
Inhalt
Der Kosumwille von Fernsehnation Amerika wird durch die Quasigehirnwäsche der Teleshoppingsender hart umkämpft. Ricky Hayman (Jeff Goldblum) ist erfolg- und glückloser Programmdirektor eines solchen Senders, hat diesen durch das anscheindend ewig falsche Werbekonzept heruntergewirtschaftet. Sein erfolgsgeiler Boß Barry (Jon Cryer) ist demnach mächtig ungehalten und stellt Ricky eine zweiwöchige Frist, den Umsatz deutlich zu steigern. Hierbei unterstützen soll ihn die attraktive Medienanalytikerin Kate Newell (Kelly Preston), die den sie umwerbenden Ricky zuerst gar nicht riechen kann. Kate schwebt ein angeblich erfolgsschwangeres Konzept vor, das aber nicht zur Umsetzung kommt, da plötzlich sprichwörtlich aus heiterem Himmel Guru G. (Eddy Murphy) in das Leben der beiden platzt und in seiner penetranten Gutmütigkeit nicht mehr von ihrer Seite weicht. Im Studio gerät er durch Zufall in eine laufende Produktwerbung und läßt die Einschaltquoten und damit den Verkauf der unsinnigsten Überflüssigkeiten in die Höhe schnellen. Ricky erkennt das werbetechnische Potential G.s, der als TV Prediger die Dauerwerbung zur profanspirituellen Erleuchtung und rudimentärphilosophischen Einführung macht. Der Umsatz steigt kometenartig, G. wird in seiner eigenen Show, dem "G-Punkt" zum Medienstar produziert, Ricky und Kate kommen sich näher, alles scheint perfekt. Kate fürchtet jedoch, daß G.s altruistische Menschlichkeit über die schlichte Funktion als Objekt zwischen Macht- und Geldversessenheit verloren geht. Ricky hat sich zwischen ihr, die G.s Maxime der Menschlichkeit vertritt, und materiellem Ruhm zu entscheiden.
Kritik
Eddie Murphy, vor einiger Zeit durch den Verrückten Professor zumindest kommerziell rehabilitiert, ist von der jüngeren Quasselstrippenkonkurrenz Chris Tuckers in seiner ursprünglichen Domäne geschlagen und wird sich wehmütig an seine goldenen Zeiten, an den Beverly Hills Cop erinnern. Bis der zweite Teil des effektgeladenen professoralen Schwachsinn im nächsten Jahr erscheint, muß sich Murphy mit noch Halbgarerem durchschlagen. Wenn man ihn ohnehin noch nie ohne eine eingefroren lächelnde Visage gesehen hat und er sich somit noch in seinem Element bewegt, ist das Mitwirken eines merklich unterforderten und teilweise gelangweilt aufspielenden Jeff Goldblum eher ein Rätsel. Er ist gedanklich wohl schon beim nächsten Unabhängigkeitstag. Immerhin füllt er seine phrasenhafte Rolle zufriedenstellend aus, kann aber nicht über das ausgelutschte Grundmuster der Geschichte (Faktor A und B sind mies drauf, Faktor C bringt unvorhersehbares Glück) hinwegtäuschen, exemplarisch unterstützt durch Kelly Preston in stereotypischer Figur der gefühlsintensiven Frau in erkaltetem Patriarchat. Sie ist dann naürlich auch die einzige, die gegen die scheinbar schamlos instrumentalisierte Gutmütigkeit des ewig grinsenden G.s rebelliert.

Murphy kommt in seinem weißen Tischtuchpyjama als eine wilde Synthese aus ethnischem Neo-Ghandi, durchgeknalltem Messias und vom OP-Tisch geflüchteten Gummizelleninhabitanten daher. Durch seine einseitigen schauspielerischen Möglichkeiten wirkt er denn auch alles andere als geistig durchdrungen, sondern in seinem Habitus eher als quasiphilosophischer Partygag und copperfieldscher Adoptivsohn, was phasenweise zu einigen Lachern reizt. So ist es mitunter köstlich mitanzusehen, wie er in stoisch grinsendem Genuß das Studiosetmobiliar mit einer zu bewerbenden Kettensäge zerlegt (" Das ist aber eine schöne Kettensäge - darf ich das Gewicht dieser wunderbaren Kettensäge in meinenn Händen spüren?" ), um danach zur Predigt gegen Gewaltursachen überzugehen. Ist das Gros der anderen Parodien deutlich schwächer, so erfüllt der Guru zumindest den längst überfälligen Gedankenansatz einer satirischen Abrechnung mit dem haltlosen Teleshoppingwahn als defintives Symptom des Massenkonsums aus reinem Selbstzweck. Alle anderen Faktoren, beispielsweise das läuternde Finis und Jon Cryer in der Rolle von Rickys Boss, sind grauenvoll abgedroschen und lassen den Funken der Erleuchtungstherapie einfach nicht überspringen.

Gut, daß Ghandi keine Kettensägen verkaufte. In Maßen spaßige Konsumparodie.


Flemming Schock
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Sind die leichtphilosophischen Ansätze des Films doch eher unausgereift und simpel, so vermögen Eddie Murphy und Jeff Goldblum doch einige Witze in "Der Guru" zum Besten zu geben. Murphy ist auf diesem Scherzterrain durch seine gutmütige und gleichzeitig kontrastreich ironisch/satirische Art doch recht erfolgreich. Auf den Zuschauer wirken die gutg...