Ey Mann, wo is' mein Auto?
(Dude, Where's My Car?)

USA, 83min
R:Danny Leiner
B:Philip Stark
D:Ashton Kutcher,
Seann William Scott,
Kristy Swanson,
Hal Sparks
„Was seid ihr denn für Freaks? - Wir sind keine Freaks, wir sind die extrem geilen Schnecken!”
Inhalt
Jesse und Chester haben eine ziemlich wilde Drogen-Party hinter sich, und können sich an absolut nichts mehr erinnern. Aber: Jesses Auto ist weg. Also begeben sich die beiden auf die Suche. Allerdings scheinen sie in der vergangenen Nacht nicht nur einem Transvestiten beim Geldschmuggel geholfen zu haben, sondern auch noch den Kontinuum-Transfunktionator verschlampt zu haben, was besonders ärgerlich ist, weil das den Zerstörung des Universums bedeutet. Aber weshalb sind alle Schränke voller Schokoladenpudding, was will der irre Straussenzüchter Pierre von den beiden, und wieso will die Sexbombe Christie plötzlich ihre Freundin sein?
Kurzkommentar
Trotz miserabler Kritiken in den USA konnte "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?" mich überzeugen. Im Gegensatz zu Genrekollegen bezieht er seinen Witz nicht aus sexuellen Peinlichkeiten oder aus Scherzen auf Kosten anderer, sondern aus den immer abstruseren Verwicklungen, in denen sich die Story ergeht. Trotz der auch hierzulande zu erwartenden Verissen: Das Sneak-Publikum war begeistert.
Kritik
Auch wenn die Schublade "Komödie" schnell geöffnet ist, es gibt zweifellos Unterschiede: Von der intelligenten Komödie ("Wag the Dog") über die massentaugliche ("Besser geht's nicht"), von der auf purer Idiiotie aufbauenden ("Dumm und Dümmer") bis zu jener Sorte, die ihren Witz aus sexuellen Anspielungen und Peinlichkeiten bezieht ("American Pie"). Entsprechend der Aufzählungsreihenfolge nimmt auch die Beliebtheit beim amerikanischen Publikum zu. Da ist es schon reichlich erstaunlich, weshalb die US-Kritiken "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?" so vollkommen verreissen. Im Gegensatz zu den Vertretern der beiden letzten Kategorien verfügt er über geradezu brilliant sprühenden Witz, ist weitgehend frei von unangenehmen Peinlichkeiten, man muss nicht die Dauer-Komödienfressen von Carrey oder Stiller ertragen, und der Film ist enorm entspannt - kein Wunder, da er von einem Drogentrip und dessen Folgen handelt.

Sicherlich, der Vorwurf, "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?" baue stark auf die Wiederholung der immergleichen Gags ist nicht ganz unberechtigt, aber andererseits, welche Komödie tut das schon nicht. Und: Sicher, viele der Gags sind vorhersehbar, aber bei welcher Komödie ist das schon nicht so. Und: So schlimm, wie die meisten kritiken schreiben, ist es nun wahrlich nicht. Gerade durch die immer abstruseren Ideen und Handlungswendungen wirkt der Vorwurf der Vorhersehbarkeit und Wiederholung weniger gerechtfertigt als bei anderen Vertretern des Genres. Hier liegt auch die grosse Stärke: Die Persiflage auf den Drogentrip erlaubt die vielen fantastisch-abstrusen Einfälle, die Einbeziehung von Ausserirdischen rechtfertigt letzlich alles, und die vielen kleinen Seitenhiebe auf Konkurrenzproduktionen sind köstlich. Teilweise hat man sich auch schamlos bei eben diesen bedient, aber das macht nichts.

Vergleicht man "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?" mit den wenig eigenständigen, schablonenhaften Carrey-Grimassen-Filmen oder dem Dumpfbacken-Humor der meisten Farelly-Filme, so kann man Drehbuchautor Strack zwar vorwerfen, er habe beim Schreiben unter Drogen gestanden, mangelnde Einfallslosigkeit ist aber kein gerechter Kritikpunkt. Noch viel mehr als anderen Filme sind vielleicht Komödien Geschmackssache - entweder man muss lachen, oder eben nicht. Insofern ist es schwierig und gefährlich, eine Empfehlung für diesen Film auszusprechen. Ich habe mich prächtig amüsiert, der grösste Teil des Sneakpublikums wohl auch, die Kritiken lassen kaum ein gutes Haar an "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?". Vielleicht liegt es daran, dass sexuelle Peinlichkeiten im besten aristotelischen Sinne gerade beim amerikanischem Publikum eine Katharsis-Funktion ausüben, während Witze über Drogen entweder verpönt sind, weil Drogen etwas ganz Böses sind, oder umgekehrt, weil die Einnahme von Drogen als ernsthafte Lebensphilosophie verstanden wird. Wie auch immer, ich kann die Kritik der US-Reviews nicht nachvollziehen, und empfehle jedem, der einen ziemlich abgedrehten, ziemlich lockeren und ziemlich spassigen Film sehen will, "Ey Mann, wo is' mein Auto!!?" eine Chance zu geben.

Reichlich abgedrehter, irrwitziger Drogentrip


Wolfgang Huang