Exit Wounds

USA, 103min
R:Andrzej Bartkowiak
B:John Westermann, Ed Horowitz
D:Steven Seagal,
DMX,
Isaiah Washington,
Anthony Anderson,
Michael Jai White
„Sie hatten wohl schon länger nichts Solides mehr in Ihren Händen”
Inhalt
Fünfzig Kilo Heroin verschwinden spurlos aus der Asservatenkammer des übelsten Polizeireviers von Detroit - und niemand hat eine Erklärung dafür. Falls keiner den Mund aufmacht, wird das Rauschgift irgend jemanden um fünf Millionen Dollar reicher machen - vielleicht trägt er sogar Uniform. Gestohlene Drogen, korrupte Cops. Latrell Walker (DMX) hat das Geld, um die Drogen zu kaufen. Der Deal bringt ihn auf die philosophische Frage: Sind alle Cops käuflich? Doch als er Orin Boyd (Steven Seagal) kennen lernt, muß er feststellen, daß es keine verläßlichen Regeln gibt - schon gar nicht für Gesetzeshüter.
Kurzkommentar
"Exit Wounds" ist Steven Seagal in Reinform und deshalb auch nur Fans seiner sonst so trashigen Streifen vorbehaltlos zu empfehlen. Aber trotz der wirklich mehr als dünnen Story, den B-Movie Akteuren und dem nervigen Dauer-HipHop kracht es ausreichend, um kurzweilig unterhalten zu werden.
Kritik
In einer der zahlreichen Umfragen der IMDb wurde den Besuchern die Frage gestellt, was sie wohl am wenigsten in den letzten 12 Monaten Kinogeschichte erwartet hätten. Recht eindeutiges Resultat war, daß niemand B-Movie Star Steven Seagal ein Comeback zugetraut hatte. Denn nachdem "Exit Wounds" am ersten Wochenende immerhin mehr als 20 Mio.$ eingespielt hat und es sich mit Leichtigkeit auf dem ersten Platz der US-Charts bequem machen konnte, dürfte wohl auch der letzte Kritiker von Seagal überrascht gewesen sein und man fragt sich, was wohl so viele Besucher an einem neuen seiner Actionfilme gereizt haben mag. Vermutlich nur der Mangel an Konkurrenz, denn das Actiongenre ist seit mehr als einem Jahr mehr als dürftig vertreten - die Kluft zwischen intellektuellem Kino, das heutzutage außerordentlich erfolgreich sein kann ("American Beauty") und hirnverbrannter Extremklamotte ("American Pie") wird immer größer und Filme im Stile der Erfolgsstreifen der 80er und frühen 90er findet man immer seltener (siehe die "Stirb Langsam" oder "Lethal Weapon"-Reihe).

Zumindest aus finanzieller Perspektive also keine schlechten Voraussetzungen für einen neuen Seagal (selten steht der Name des Hauptdarstellers heute noch für einen kompletten Film) und eine Leitfigur wie Seagal hat natürlich auch was Positives: da weiß man, was man hat. Und so ist es dann auch: "Exit Wounds" ist ein Seagal, Kritik fertig. Wem das als Argument für einen Kinobesuch reicht, braucht an dieser Stelle nicht weiterzulesen, denn Kinobesucher dieser Sorte bekommen genau das, was sie erwarten. Dürftiger Plot, dürftige Darsteller, aber ordentlich Geballere, eine Handvoll Aikido und ein paar flotte Autos. Ist das schlecht? Cineastisch gesehen sicherlich, aber macht es denn Spaß? Jau.
Denn trotzdem Steven Seagal seit seinem letzten Kinoauftritt 1996 in "Einsame Entscheidung" (bezeichnend, daß sein Charakter da schon nach 20 Minuten das Zeitliche gesegnet hat) auch nicht jünger geworden ist (der Mann ist gerade 50 geworden) verleiht ihm gerade diese etwas lahmarschige Gemütlichkeit genau die richtige Prise Coolness. Er wirkt zweifelsohne antiquiert und wie ein Dinosaurier aus vergangen Actionzeiten -gerade in der Restaurantszene, als er wie in einem schlechten 80er-Jahre Streifen die Ungehörigkeit besitzt und der Begleitung seiner Chefin das Essen wegmampft (Entsetzen!)- aber was soll's? Jackie Chan ist auch nicht mehr so flink wie früher, aber Spaß machen seine Filme mehr denn je.

So wird "Exit Wounds" hauptsächlich dadurch aufgewertet, daß das Genre zur Zeit unterbelichtet ist und man als Actionfan froh ist, wenn überhaupt noch mal ohne Rücksicht auf Moral und Recht und Gesetz die Kanone gezückt wird und drauf losgeballert wird - erst schießen, dann fragen. Ist der Sound im Kino laut genug aufgedreht, helfen Explosionen, häufiges Geprügel und einschlagende Kugeln locker über den mehr als bescheidenen Plot hinweg, auch wenn man der Story zugestehen muß, nicht bei jedem Charakter sofort zu wissen, wer hier wirklich korrupt ist und wer nicht vielleicht doch zu den "Guten" zu zählen ist. Klar ist auch, daß die Action keine neuen Maßstäbe setzt und Regisseur Andrzej Bartkowiak mit "Exit Wounds" quasi den gleichen Film gedreht hat wie bei seinem Regiedebüt "Romeo must die". Glücklicherweise hat er aber dazugelernt, denn auf Verschlimmbesserung der Kampfszenen durch Computereffekte hat er diesmal verzichtet. Statt Jet Li kommt diesmal eben Steven Seagal zum Einsatz, der fraglos weit weniger beeindruckend die Arme schwingt, aber dessen ausdruckslose Mimik perfekt zu seinem betagten, aber dadurch wieder coolen Körpereinsatz passt.
Der Rest der Darstellergarde wurde fast 1:1 aus "Romeo must die" übernommen: DMX konnte sowieso nie schauspielern, Isaiah Washington darf auch wieder ran (und hat als Partner von Seagal die sympathischste Rolle des Films) und Anthony Anderson darf während der End-Credits abermals das dicke Plappermaul mimen. Hinzukommen noch Tom Arnold als hektischer TV-Moderator und Jill Hennessy als harte, aber gerechte Polizeichefin. Alles schon dagewesen, alles nach den ersten paar Sekunden in die passende Schublade eingeordnet, aber manchmal will man ja genau das. Da weiß man eben, was man hat.

Besser Seagal als gar keine Action


Thomas Schlömer