Exorzist, Der
(Exorcist, The)

USA, 132min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:William Friedkin
B:William Peter Blatty
D:Max von Sydow,
Ellen Burstyn,
Lee J. Cobb,
Jason Miller,
Linda Blair
L:IMDb
„Deine Mutter lutscht Schwänze in der Hölle”
Inhalt
Regan MacNeill (Linda Blair), zwölfjährige Tochter der berühmten Filmschauspielerin Chris MacNeill (Ellen Burstyn), leidet seit kurzem unter hysterischen, von heftigen Krämpfen begleiteten Wutausbrüchen. Als die versammelte, hochdotierte Ärzteschar Hilflosigkeit demonstriert und die Anfälle eskalieren, sucht Mutter MacNeill die Hilfe katholischer Geistlicher. Zwei herbeieilende Jesuitenpater diagnostizieren teuflische Besessenheit und verschreiben dem Teenager einen klassischen Exorzismus. Der alte Kampf zwischen Gut und Böse entbricht.
Kurzkommentar
Die Klasse von William Friedkin's wegweisendem Horrorfilm "Der Exorzist" ist auch im überarbeiteten Director's Cut unübersehbar. Allerdings ebensowenig die nun mal für heutige Verhältnisse etwas alberne, vordergründige Effekthascherei.
Kritik
Es ist das Jahr der großen Wiederaufführungen: Kubrick's "2001" kehrt in digital aufbereiteter Form zurück in die Kinos und auch William Friedkin's Horrorklassiker "Der Exorzist" darf nochmal über die Leinwand gruseln. Im Gegensatz zum zeitlosen Material Stanley Kubricks wurde von Autor und Produzent William Peter Blatty der "Exorzist" nochmal um ca. 12 Minuten erweitert. So entstand eher ein Producer's denn ein Director's Cut, denn angeblich war Blatty schon immer für einige Szenen, die Friedkin auf Druck der Studios rausgenommen hatte. Neben einigem eher belanglosen neuen Material stechen eigentlich nur zwei Szenen wirklich heraus: zum einen Regan's unheimlicher Spinnengang, der auch schon im Trailer zu bewundern ist, zum anderen das abgewandelte Ende, das dem Film eine positivere Stimmung verleihen soll.

Um aber von vornherein die Position dieser Kritik klarzustellen: der Autor kennt die originale Fassung des Exorzisten nicht, aber wenn man sich dazu entschließt, einen Klassiker von 1973 28 Jahre später nochmal in die Kinos zu bringen, so muß man sich auch gefallen lassen, den Film nach heutigen Maßstäben zu messen. 1973 ist lange her und so hatte die Filmindustrie genug Zeit, etliche Variationen dieses Horrorklassikers vom Fließband zu lassen. Allein im Dezember 2000 bzw. Januar 2001 liessen sich zwei weitere okkulte Plagiate finden: "Lost Souls" und "The Calling", beide im Vergleich zum subtilen Horror des Exorzisten natürlich bemitleidenswert, aber eben erfolgreich in der Tatsache, den Zuschauer endgültig zu übersättigen. Daß sich folglich der Gruseleffekt, trotzdem zu Beginn exzellent ausgearbeitet, in Zeiten von oberflächlichen Teenie-Slashern und eben jenen Endzeit-Streifen in Grenzen hält, war beim Exorzisten zu erwarten. Trotzdem nagt der Zahn der Zeit doch zu deutlich an Friedkin's genredefinierendem Klassiker. Nach den ersten 30 bis 40 Minuten, die zweifelsohne faszinierend sind, fällt "Der Exorzist" zunächst in ein überraschend langatmiges Loch, um dann nachher vor allem von seinen vordergründigen Ekeleffekten zu leben: rüttelnde Betten, unheimliche Geräusche, offene Fenster und vom kalten Wind umherwehende Gardinen. Vor allem aber mutiert Chris' Tochter Regan zum unidentifizierbaren Monster, inkl. heute legendärer 180-Grad Kopfdrehungen und grünschleimigem Mageninhalt. In Verbindung mit den damals unerhörten, derb-vulgären Äußerungen (das Zitat gibt noch das Geringste wieder) war "Der Exorzist" seinerzeit sicherlich das Nonplusultra für schockierendes Material. Heute wirkt die überzogene Besessenheit Regans leider etwas albern - das muß man einfach zugeben.

Trotzdem: im Vergleich zu den uninspirierten Teenie-Schockern, mit der die Neunziger überflutet wurden, wirkt "Der Exorzist" immer noch wie einer der feinsten und angsteinflössendsten Gruselfilme der Filmgeschichte. Besonders deutlich wird das beim letztendlich durchgeführten Exorzismus, der im Gegensatz zu oben erwähnten Streifen ungekünstelt und echt wirkt. Auch der Grundton des Films, der Umgang mit Kirche und Priestern und die Dialoge (wie die psychiatrische Medizin das uralte Ritual der Teufelsaustreibung ersetzt hat) wirken weit glaubwürdiger als die übertriebenen Wortschwälle moderner Okkultismusstreifen. Für zehn Oscars war "Der Exorzist" seinerzeit nominiert, gewonnen hat er letztendlich nur einen für das Drehbuch und die Soundeffekte. Aber Regisseur Friedkin war nie wieder so gut (sein letztes Verbrechen: "Rules of Engagement"), die Schauspielerbank selten so vortrefflich besetzt und die Charaktere in wenigen Fällen so prägnant ausgearbeitet. Ellen Burstyn, mittlerweile 69 Jahre alt, spielte damals schon beeindruckend, heute ist sie wieder für einen Oscar nominiert ("Requiem for a dream" von Darren Aronofsky).

Immer noch einer der subtilsten Horrorfilme aller Zeiten


Thomas Schlömer