Evolution

USA, 92min
R:Ivan Reitman
B:Don Jakoby
D:David Duchovny,
Julianne Moore,
Orlando Jones,
Seann William Scott
„Let´s shampoo some Aliens!”
Inhalt
Eine Sensation! Der Lehrer Ira Kane (David Duchovny) und sein Kollege Harry Block (Orlando Jones) entdecken außerirdisches Leben auf der Erde! In einem Meteoriten, der in der Wüste von Arizona aufschlägt, tummeln sich Einzeller, die nicht irdischen Ursprungs sind. Doch die Freude über diesen spektakulären Fund - und die Aussicht auf den nächsten Nobelpreis - trübt sich, als Ira bemerkt, wie schnell sich die Organismen entwickeln. Im Gegensatz zur Jahrmillionen andauernden Evolution des Menschen brauchen diese Lebensformen nur Tage, um vom Einzeller zur Amphibie zum Säugetier zum Primaten zu gelangen.
Kurzkommentar
Nach fast vierjähriger Drehpause will Ivan Reitman ("Ghostbusters") mit einer "Evolution" an den Erfolg vergangener Tage anknüpfen. Aber trotz darstellerisch wie technisch besten Voraussetzungen ergeht sich die unpointierte Alien-Farce bloß in Eigenkopie und ziemlicher Plotleere, sozusagen in "Devolution". Es bleibt eine unoriginell unterhaltende Sommerkomödie und sicher kein "Men in Black" für 2001.
Kritik
Jeder Sommer braucht seine effektlastigen Komödien und Regisseur Ivan Reitman seine Zeit. Seit dem seichten, aber spaßigen 1997er Starkino "Sechs Tage, Sieben Nächte" blieb sein Regiestuhl leer und damit für ihn auch die Kassen. Nachdem Reitman mit "Ghotsbusters" und dessen Sequel mächtige Einspielergebnisse und für kurze Zeit unter Komikfans fast Kultstatus genoss, war er mit dem "Kindergartencop" und anderen Untaten in der Folgezeit jedoch nicht mehr in der Lage, an seinen Erfolg der 80er Jahre anzuknüpfen.
Was liegt da näher, als den evolutionären Rückschritt zu tun, sich selbst zu kopieren und eine mit progressivem Titel getarnte "Ghostbusters"-Aktualisierung für´s Millennium zu bringen? Mit den Dreamworks-Studios, die im vergangenen Sommer schon die Weltraumklamotte "Galaxy Quest" produzierten, war ein Finanzier für ein Vorhaben nach ähnlichem Strickmuster schnell gefunden. Lässt man nun auf der Darstellerseite "Akte X"-Star David Duchovny - in extraterrestrischen Dingen Experte wie sonst keiner - und Julianne Moore unterfordert ein wenig herumtöpeln und die Welt retten, scheint der Sommerhit im Kasten. Das wäre er wohl auch, wenn "Evolution" entweder witzreich die geläufigen Evolutionstheorien Lügen gestraft oder von vorne bis hinten entschlossenen Quatsch geboten hätte.

Da aber weder das Eine noch das Andere der Fall ist, hat der Drehbuchautor gleich im doppelten Sinne Müdes fabriziert, das - oh, wie evolutionär - mal wieder den "Antihelden-gegen-Aliens"-Plot erkennen lässt. Das einzig Witzige ist die Variation der erst auf dem grünen Planeten im Zeitraffer sich vollziehenden Evolution der garstigen Weltusurpatoren. Mit derartig schwachbrüstigen Drehbuchvorgaben hat sich auch ein Spaßspezialist vom Schlage Reitmans den schrägen Volltreffer verkorkst. Schade, hatten ihn der großmundige Titel und eben Reitmans Kapazität doch erhoffen lassen. Statt sein Potential einer totalen "War of the Worlds"-Farce auszubauen, sich für Komik, parodierte Spannung oder auch für beides zu entscheiden, wählt "Evolution" die Diagonale und versandet im aufwendig servierten, oberen Mittelmaß. Nach einem gelungenen Auftakt kommt das Geschehen nicht schnell genug in Gang, hat allerdings, so in der Alienjagd im Kaufhaus, durchaus spaßige Höhepunkte. Hinzu kommt trockenes, vereinzelt gut platziertes Sprücheklopfen, das aber den Eindruck der ausbleibenden Totalzündung auch nicht tilgt.

Gut, abgesehen vom etwas hingeschluderten Finale sorgen die kreativen Computereffekte für Aufsehen - einige der Aliens sind einfach zu abgefahren -, aber zum Schreien komisch ist nach dem Meteroiteneinschlag letztlich weniges. Trotz der Drehbuchödnis und chronischer Unterforderung sind die Darsteller jedoch bestens aufgelegt und das Duo Duchovny/Jones für antriebsstärkere Streifen wirklich zu empfehlen. Traurig allerdings, dass Julianne Moores Präsenz auf den schnell abgenutzten Trottelgag beschnitten und "Evolution" trotz bunter Aliens so farblos wird. Dennoch, trotz aller Klischees, Schwächen und ausgeleierten Motiven schließt der neue Reitman an seine Vorgänger insofern an, als er auf technisch sehr hohem Niveau blödsinnig unterhalten, aber nicht begeistern kann. Gäbe es Komödiendarwinismus, "Evolution" würde der natürlichen Selektion zum Opfer fallen.


Plagiative Alienklamotte mit unterforderten Darstellern und guten Effekten


Flemming Schock
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Lieber Herr Reitman, sollten Sie in Zukunft mal wieder eine Alien-Komödie planen, von denen Sie ja durchaus bewiesen haben, daß Sie sie, zumindest im Team mit Harold Ramis ("Ghostbusters"), beherrschen, lesen Sie sich vor Drehbeginn doch nochmal besagtes Drehbuch durch. Dann dürfte es unübersehbar sein, daß Ihr Film vom halbwegs prächtigen Mittelpu...