Erin Brockovich

USA, 130min
R:Steven Soderbergh
B:Susannah Grant
D:Julia Roberts,
Albert Finney,
Aaron Eckhart
L:IMDb
„Und dann habe ich getan, was ich am besten kann: 453 Männern in 5 Tagen ihren Schwanz gelutscht!”
Inhalt
Erin (Julia Roberts), alleinerziehende Mutter, arbeitslos und wenig gebildet setzt sich in den Kopf, für den Anwalt Ed Masry als Gehilfin zu arbeiten. Obwohl sie von Jura und ähnlichem keine Ahnung hat, kommt sie schnell auf die Spur eine grossen Umwelt-Skandals. Sie kann ihren Boss davon überzeugen, gegen die Firma vorzugehen, doch dazu braucht sie nicht nur die Unterstützung der ansässigen Dorfbewohner, sondern sie muss auch ihr Privatleben ordnen und ihr impulsives Auftreten unter Kontrolle bringen.
Kurzkommentar
Konventionell, durchschaubar, unspektakulär, Erin Brockovich. In Soderbergh's Streifen finden sich genügend Elemente, um den Film als typische Hollywood-Klitsche zu entlarven. Traurig, aber wahr, daß das ganze eigentlich einen realen Hintergrund hat. Trotzdem : gerade durch die grundsolide Haltung und durch die guten Schauspieler kann der Film in einem angenehmen Rahmen einfach gut unterhalten.
Kritik
Recht geben muß ich Wolfgang in Bezug auf das verschenkte Potential, die teils naive Umsetzung und das wirklich vorbildlich schablonenhafte Konstrukt des neuesten Soderbergh-Streifens, der mich seinerzeit mit "Out of Sight" noch recht gut begeistern konnte. Irgendwie vermisse ich diese geschickte Verwebung von vergangenen und gegenwärtigen Szenen. Gut, hier hätte es sich nicht unbedingt angeboten, aber das Beispiel zeigt, daß Soderbergh durchaus intelligent inszenieren kann.

Aus "Erin Brockovich" hätte eine starkes, emanzipatorisches Plädoyer gegen Ungerechtigkeit und Profitstreben werden können, leider wirkt das Geschehen von vorne bis hinten durchschaubar, konventionell und dadurch äußerst unspektakulär. Gerade die ersten knapp 45 bis 60 Minuten des Films tröpfeln so vor sich hin. Zwar ist eine sanft steigende dramaturgische Spannungskurve erkennbar; dessen Niveau befindet sich aber insgesamt nur knapp über dem Nullpunkt. Bleiben die Charaktere : Erin Brockovich kann wohl als eine der durchsetzungsfähigsten und willensstärksten Frauen der modernen Zeit gelten - in einem Film wirkt das klischeehaft, im realen Leben (und daher kommt die Story schließlich) beeindruckt ihr Werdegang umso mehr.

An Julia Roberts scheitert die rübergebrachte Naivität allerdings nicht. Eher schon am etwas mauen Drehbuch und vor allem an der intensitätsmangelnden Inszenierung. Zugegebenermaßen war Julia Roberts noch nie die Schauspiel-Offenbarung. Nicht nur, daß ihre bisherigen Rollen alle etwas seicht und unspektakulär waren, sie wurde bisher auch nie richtig gefordert. Und auch die "ernsthafte" Rolle der Erin dürfte sie nicht mit Oskars bedecken, trotzdem mochte ich sie bisher immer und mag sie auch hier. In ihren bisherigen Filmen war sie meist einfach nur bezaubernd ("Notting Hill" !), hier verkehrt sie ihre Anziehungskraft in die Widersprüchlichkeit des Charakters Erin Brockovich. Einerseits tritt sie beim direkten Kontakt mit den Betroffenen des Umweltskandals mitfühlend, inspirierend und vorbildlich auf, andererseits wirken ihre Fluchexzesse total deplaziert und taktlos. Ganz klar eine Schwäche des unausgewogenen Drehbuchs; Julia meistert die Anforderungen meist spielend und überzeugt auch in den wenigen emotionalen Szenen (z.B. ihre Reaktion auf die ersten Worte ihrer Tochter).
Apropos Schauspieler : Albert Finney ist meistens köstlich und auch der den Biker George verkörpernde Aaron Eckhart weiß voll zu überzeugen - überhaupt gefiel mir dessen Rolle recht gut.

Betrachten wir es also mal positiv : oftmals wünsche ich mehr solch konventioneller Verfilmungen. Gerade dann, wenn ich in einem hauptsache-anders-als-die-anderen filmischen Experiment sitze, welches vor lauter Tatendrang vollkommen in die Hose ging. "Erin Brockovich" sei also eher Leuten empfohlen, die das sehen wollen, was sie erwarten, oder die einfach mal ihren Durst nach Happy-End-Unterhaltung stillen möchten.

Was mich allerdings noch etwas traurig stimmt : geht man davon aus, daß sich der Film recht nah an die wahren Begebenheiten der Erin Brockovich hält, so bleibt mir nichts anderes übrig als ein paradoxes "zu schön, um wahr zu sein" los zu werden. Zumindest die Form, die Soderbergh für die Inszenierung gewählt hat, läßt einfach zu sehr Hollywood- statt Realitäts-Feeling aufkommen. Meiner Meinung nach bewies Norman Jewison mit "Hurricane" um einiges besser, wie man wahre Begebenheiten auf die Leinwand bringt ...

Konventionelles, aber dadurch auch grundsolides bis gutes "David gegen Goliath" - Konstrukt


Thomas Schlömer