Erin Brockovich

USA, 130min
R:Steven Soderbergh
B:Susannah Grant
D:Julia Roberts,
Albert Finney,
Aaron Eckhart
L:IMDb
„Und dann habe ich getan, was ich am besten kann: 453 Männern in 5 Tagen ihren Schwanz gelutscht!”
Inhalt
Erin (Julia Roberts), alleinerziehende Mutter, arbeitslos und wenig gebildet setzt sich in den Kopf, für den Anwalt Ed Masry als Gehilfin zu arbeiten. Obwohl sie von Jura und ähnlichem keine Ahnung hat, kommt sie schnell auf die Spur eine grossen Umwelt-Skandals. Sie kann ihren Boss davon überzeugen, gegen die Firma vorzugehen, doch dazu braucht sie nicht nur die Unterstützung der ansässigen Dorfbewohner, sondern sie muss auch ihr Privatleben ordnen und ihr impulsives Auftreten unter Kontrolle bringen.
Kurzkommentar
Von Regisseur Steven Soderbergh hätte man mehr erwartet, doch dieser Film ist noch schwächer als sein voriges Werk "The Limey". Zwar verzichtet Soderbergh diesmal auf stilistische Spielereien und versucht, die Story zu betonen, doch das gelingt nur mässig: Heraus kommt ein pseudodramatisches Werk, gestrickt nach Schema F.
Kritik
Und wieder ein Film, bei dem viel Potential vergeudet wurde. Hier vor allem: Soderbergh scheint sich nicht wirklich für den Film zu interessieren, denn alles ist stark vergröbert, bleibt oberflächlich. Vieles wirkt, als hätte sich Soderbergh damit zufrieden gegeben, um endlich Feierabend machen zu können.

Es beginnt mit der Story, die eigentlich einiges an Potential hat: Da ist zum einen die Super-Randgruppen-Quotenfrau Erin, die sich in der Männerdomäne Recht und Wirtschaft beachtlich schlägt, und da ist zum anderen der Umweltskandal, der dazu führt, dass etwa tausend Einwohner des nahe der Fabrik gelegenen Ortes Hinckley an den Folgen einer Chromvergiftung leiden.
Soderbergh, der in früheren Filmen durchaus einen scharfen Blick bewiesen hat, geht hier den Weg des geringsten Widerstandes. Erin hat natürlich so ziemlich alle Handicaps, die man haben kann, und natürlich schafft sie es vergleichsweise problemlos, sich in der Männerwelt zu behaupten und nebenbei ihr privates Glück zu finden. Und der Umweltskandal ist natürlich ebenso das Unerhörteste, was je passiert ist, jeder der Einwohner leidet an nicht weniger als 5 Krankheiten, und natürlich wird am Ende der Prozess gewonnen - mit Rekordentschädigungssumme, versteht sich.
Das alles ist ziemlich fade. Viel zu geradlienig schreitet der Film voran, die handlungstechnischen Stolpersteine, die das Drehbuch den Protagonisten eher sporadisch und unmotiviert vor die Füsse wirft, werden ebenso konventionell beseitigt wie auch der Rest des Filmes ausfällt. Wie, es sind doch nicht alle auf Seiten des heldenhaften Anwaltsduos? Schnell eine ergreifende Rede, und die Sache ist geklärt. Was, die gerichtliche Auseinenadersetzung ist zu teuer? Und schon haben wir hier einen alten Kollegen Masrys, der helfend mit einem Scheck zur Seite steht. So tröpfelt der Film so vor sich hin, strebt unaufhaltsam seinem völlig spannungsfreien Ende entgegen, und als Zuschauer ärgert man sich über vergebene Chancen.
Und die gibt es reichlich: Was immer die Grundstruktur der Geschichte anbietet, Soderbergh macht gekonnt einen Bogen darum. Kein ernsthaftes Wort über die Probleme der gesellschaftlichen Integration alleinstehender Frauen, kein Wort über das problematische Rechtssystem, das stark von Anwälten und Geschworenen und kaum von Fakten abhängt, kein Wort über den verantwortungslosen Umgang amerikanischer Firmen mit Umwelt und menschlicher Gesundheit. Persönliche Schicksale finden nur in zwei-Minuten-Häppchen statt, leicht verdaulich, und zur Entspannung der Zuschauer kommt danach dann auch wieder eine Nahaufnahme von Roberts Busen - das ist hohe Filmkunst. Überhaupt ist erstaunlich, wie überaus naiv Soderbergh das Thema angeht. Die lebenslange Schädigung, gleichsam die Zerstörung des Lebens von rund tausend Menschen lässt bei ihm noch reichlich Platz für platte Witze, Roberts Auschnitt und mehr-Klischee-geht-nicht Wir-sind-Guten-Ansprachen. Auch die Auflösung der Geschichte macht das menschliche Drama zur Farce: Die Leidenden sind reichlich nebensächlich, viel wichtiger ist das neue Bürogebäude und der 2-Millionen-Gehaltscheck. Und anzunehmen, dass einmal kräftig auf den Tisch zu hauen und Brust rausstrecken als berufliche Qualifizierung ausreicht, ist nur ein schlechter Scherz, in feministsischen Augen noch dazu ein ziemlich diskriminierender.

An positivem ist zu erwähnen, dass die Rollen -innerhalb ihrer Klischeehaftigkeit- sehr gut besetzt sind. Auch wenn von Julia Roberts keine schauspielerischen Glanzleistungen zu erwarten sind, so spielt spielt sie die etwas dumme, aber resolute Erin recht gut. Ihre Kollegen freilich, vor allem Albert Finney haben da mehr zu bieten, aber auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt. Das Handwerkliche von Musik über Photographie bis zur Austattung ist alles sehr ordentlich, aber insgesamt dennoch unspektakulär. Die Geschichte, die angeblich auf wahren Geschehnissen beruhen soll, ist eigentlich durchaus spannend und bietet reichlich interessantes Konfliktmaterial, aber sie ist einfach zu bieder und naiv umgesetzt.
So bleibt ein Film, der zwar gut gemeint ist, aber dieses Ziel durch belanglose Umsetzung ziemlich verfehlt.

Gut gemeint, aber belanglos und naiv inszeniert


Wolfgang Huang
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Konventionell, durchschaubar, unspektakulär, Erin Brockovich. In Soderbergh's Streifen finden sich genügend Elemente, um den Film als typische Hollywood-Klitsche zu entlarven. Traurig, aber wahr, daß das ganze eigentlich einen realen Hintergrund hat. Trotzdem : gerade durch die grundsolide Haltung und durch die guten Schauspieler kann der Film in e...