Traumpaare
(Duets)

USA, 112min
R:Bruce Paltrow
B:John Byrum
D:Gwyneth Paltrow,
Paul Giamatti,
Huey Lewis,
Amanda Kravat
L:IMDb
„Die Welt ist eine Kloake.”
Inhalt
Sie sind sich völlig fremd und haben eigentlich nichts gemeinsam - außer ihrer Liebe zu Karaoke: Eine Kleinstadt-Sängerin mit Starambitionen (Maria Bello), ein vom Glück verlassener Taxifahrer (Scott Speedman), der nach dem Sinn des Lebens sucht, ein ehemaliger Killer (André Braugher) mit einer Engelsstimme, ein Kaufmann (Paul Giamatti), von seinem raffgierigem Leben gezeichnet, und nicht zuletzt ein Vegas Show Girl (Gwyneth Paltrow), das eine vielversprechende Verbindung zu einem Karaokeveranstalter (Huey Lewis) auftut. Sie alle treffen auf einem 5.000 Dollar dotierten Karaoke-Wettbewerb erstmals zusammen.
Kurzkommentar
Weniger abgeschmackt als der Titel vermuten lässt, ist Bruce Platrows zum Teil ideenreiche Karaoke-Komödie. Trotz schmerzhafter Charakterstereotypen erfüllt der Episodenfilm mit augenzwinkendem Kulturpessimismus voll und ganz sein Klassenziel, nämlich geschickt dosierten Kinoschmalz mit jeder Menge Humor.
Kritik
Denkbar, dass dieses Kinojahr noch eine merkwürdige Tendenz birgt: missglückte Titel für recht geglückte Filme. "Duets" wurde vom deutschen Verleih zugegebermaßen sinnvoll übersetzt, weil er auf die Ironie des Geschehens verweist. Davon weiß der mögliche Zuschauer zuerst aber nichts und so mag der Schauertitel "Traumpaare" folglicherweise zur Annahme übelster Rührseligkeit verleiten. Diese Extremform ist es nun nicht, doch die romantisch-schmalzigen Elemente machen die "Traumpaare" zweifellos für den Paarbesuch im Kino besonders tauglich. Dass der Streifen in Amerika verhältnismäßig schnell unterging, liegt woher eher an der beschränkten Kopienanzahl als an mangelndem Unterhaltungswert.

Gut, man darf einräumen, schon die Tatsache, dass Gwyneth Paltrow in einem Film mitwirkt, in dem ihr Vater Bruce, der bisher durch eigentlich keine filmische Großtat auffiel, Regie führt, rieche nach verdächtig schwachem Kitschmaterial. Der Verdacht erweist sich auch als nicht ganz ungerechtfertigt, zudem ist "Traumpaare" einerseits ziemlich phrasenhaft, ja sogar einfallslos, weil sich die handelnden Rollen in allein periphären Charaterportraits von schematisch Scheiternden samt ihrer altbekannten Träume erschöpfen. Wer weiß, vielleicht wurde Bruce Paltrow mit der Regie nur wegen des Einflusses seiner allumworbenen Tochter betraut. Aber der Vorteil des Films, dessen Anliegen trotz dramatischer und kulturkritischer Einsprengesel mit leicht ironischem Augenaufschlag schlichtweg melodische Unterhaltung und eine "feel-good"-Katharsis ist, ist seine ungewohnte Aufbereitung. Da ist zum Einen die formale Gestaltungsidee des Episodenfilms, also die parallele Erzählung verschiedenster Schicksale, die "Magnolia" wohl tragisch wie ästhetisch auf die Spitze trieb.

Dieses Stilmittel mag nichts Neues mehr bieten, überreizt ist es damit aber noch lange nicht, weil es eben noch selten eingesetzt wird. "Traumpaare" benutzt es passenderweise nicht als Vehikel auswegslosen Weltschmerzes, der als unsichtbares Band die beispielhaften Schicksale umspannt, sondern für - so könnte man sagen - romantische Tragikomik. Zum Anderen wird dieser Erzählrhythmus nun dadurch, dass die importierte Karaoke-Kultur zum alle Seelenkrüppel verbindenden Traum wird, mit witzigem und bisher so noch nicht gesehenen Inhalt gefüllt. Schwergewichtig läutern will das Geschehen nicht, vielmehr locker zum Ausdruck bringen, dass auf der Karaoke-Bühne, dort, wo ich und du die Zwangshülle der gewohnten Identität abstreifen und für drei Minuten Star sein dürfen, all das erlebt wird, was der graue Alltag der Zivilgesellschaft sonst erstickt: Harmonie - das Leben könnte ja so einfach sein und wenigstens für Sekunden sind die Protagonisten, allesamt sonst mit der gesellschaftlichen Realität und mit sich selbst hadernd, glücklich und befreit.

Dass das Leben ohne Musik ein einziger Irrtum wäre, wissen wir seit Nietzsche und dass die Musik da anfäng, wo die Worte aufhören, ist auch bekannt. Mit programmierter Rührung sparen die "Traumpaare" dann in den häufigen aber klug portionierten Karaoke-Szenen natürlich nicht. Vor allem aber bestehen sie nicht aus billigem Selbstzweck zur Belustigung, sondern machen im Rahmen der aufgerollten Gefühlswelten durchaus Sinn und sinnvollen Spaß. Das beste Beispiel hierfür ist das furiose Duett zwischen dem deprimierten Spießbürgerflüchtling Kane, der im Drogenrausch zum ersten Mal zu sich zu kommen meint, und dem geheimnisvollen Regie Kane, Mörder wider Willen und begnadeter Sänger. Die Annäherung der beiden, schon durch die Eskapaden des urkomisch auftretenden Paul Giamatti zum Brüllen, ist der entschiedene Höhepunkt des Streifens. Die anderen "Paare", ein narzistischer Karaoke-Gigolo, von seiner zappelnd-dummen Tochter (nervig und fast überflüssig: Gwyneth Paltrow) zur väterlichen Verantwortung gedrängt, sowie ein taxifahrender, an das Schöne in der Welt glaubender Fast-Priester, der eine pragmatisches Selbstbewusstsein vorgaukelnde Versagerin enttarnt, mögen den Zuschauer sich an den Kopf fassen lassen.

Es ist aber die gut gesetzte Episodenhaftigkeit und die kulturpessimistische Ironie, die "Traumpaare" zur einer wirklich ungewöhnlichen und gelungenen Mixtur aus Musik und Humor machen. Das dramatische Schlusselement ist dabei so vorhersehbar wie theatralisch und das Finale, in dem die Subplots lustig aufgehen, versackt in ziemlich abgedroschenen Bildern. Und dennoch sollte man sich die "Traumpaare" und ihre Karaoke-Harmonie nicht entgehen lassen, sind Spaß und kurzweiliger Kitsch doch anregend verpackt.

Karaoke-Humoreske mit hohlen Figuren, aber gewinnendem Gesamtkonzept


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Man kann Regisseur Bruce Paltrow wohl nicht den Vorwurf machen, ihm seien die Charaktere in einem Film nicht das Wichtigste, aber so belang- und schwunglos wie er seine Karaokenichtigkeit "Traumpaare" inszeniert kommt leider keinerlei Stimmung oder gar Dramatik auf. Schade um die netten Darsteller und das halbwegs originelle Grundkonstrukt....