Others, The
(Otros, Los)

Spanien / USA, 101min
R:Alejandro Amenabar
B:Alejandro Amenabar
D:Nicole Kidman,
Alakina Mann,
James Bentley,
Fionulla Flanagan
L:IMDb
„Mein Mutter sagt, wir sollen nicht alles glauben, was in Büchern steht - aber sie verlangt, dass wir an die Bibel glauben.”
Inhalt
Während des 2. Weltkrieges hat sich Grace in ein viktorianisches Schloß auf einer nebelverhangenen Kanalinsel zurückgezogen. Dort wartet sie auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg, und sie versucht ihre beiden Kinder zu schützen - denn diese haben eine extreme Lichtallergie, können nur im Halbdunkel leben. Doch wie es sich für ein altes Schloß gehört, geschehen schon bald erschreckende Dinge, und Grace kann nicht mehr entscheiden, was Realität und was Wahn ist.
Kurzkommentar
Entgegen des üblichen Frontal-Grusels durchschnittlicher Hollywood-Filme gelingt Amenabar vor allem Eines: Mit minimalsten Mitteln Unbehagen zu erzeugen. Diese Spannung hält bis zum Ende an, jedoch kann die finale Auflösung leider nicht so recht überzeugen, was den Film im Rückblick etwas enttäuschend macht.
Kritik
Ein klassischer Fall von "Kritiker verkennt den kommenden Erfolg eines Filmes" war für mich "The 6th Sense" - lange vor Deutschlandstart hatte ich jenen Film in den USA gesehen, und war wenig beeindruckt. Doch bekanntermaßen hat "The 6th Sense" nicht nur hierzulande für Begeisterung und volle Kinosäle gesorgt. Ein wenig ähnlich ging es mir mit "The Others": Denn zum einen, die Geschichte ein wenig vorwegnehmend, sind die beiden Filme sehr ähnlich konzipiert, zum anderen war ich verblüfft über das unerwartet positive Echo der amerikanischen Presse.

"The Others" drängt sich nicht auf - weder von der Vermarktung her gesehen, noch von der Inszenierung. Zunächst führt das zu Verwirrungen, denn sobald man Nicole Kidman sieht, denkt man etwa an ihre Rolle in "Moulin Rouge", sobald man das Schloss sieht, denkt man an eine klassische "Haunted House"-Story. Doch den Schlüssel liefern die Kinder: Sie verweisen auf Filme wie Kubricks "Shining" oder Shyamalans "6th Sense", und damit kommt man dem Film schon recht nahe, ist er doch, abfällig gesprochen, bloß ein gelungener Verschnitt dieser beiden Filme. Tatsächlich, addiert man die Elemente dieser Vorgänger und vergleicht das Ergebnis mit Amenabars Film, man findet wenig Neues. Aber zumindest eine brilliante inszenatorische Idee: Die Lichtallergie der Kinder ist nicht nur an sich ein aussergewöhnlicher Einfall, er zwingt dem Film natürlich auch seine Optik auf, denn fast alles muss im Dunkel oder Halbdunkel stattfinden, und dieses Mal - im Gegensatz zu anderen Horror-Filmen - hat die Dunkelheit ihren wohlbegründeten Sinn. Amenabar nutz dieses Stilelement geschickt, und zwar nicht nur formal: Gegen Ende hin wird auch ein klarer Rückbezug auf die zweite Ebene des Films (der nicht umsonst "The Others" heisst) sichtbar, der das durch platte Plots entwöhnte Kinogängerherz erfrischt.

Keine Messer, keine Schlitz-Szenen, keine dunklen, vermummten Killer, allein die Musik ist klassisch spannungsfördernd, um nicht zu sagen spannungsheischend eingesetzt. Ansonsten beschränkt sich Amenabar auf wohltuend geringe Mittel: zufallende Türen, ein Lichtschein, ein Seufzen. Mit dieser sparsamen Austatttung an Effekten gelingt es Amenabar, die Spannung geschlagene eineinhalb Stunden aufrecht zu erhalten - äusserst bemerkenswert. Dass dies gelingt, hat er auch seinen Darsteller zu verdanken.

Während Ex-Ehemann Tom Cruise eigentlich immer die selbe Rolle spielt, hat sich Nicole Kidman zu einer ernstzunehmenden Schauspielerin gewandelt, die auch vor wenig glamourösen Rollen nicht zurückschreckt. In "The Others" verkörpert sie die prüde, strenge, verängstigte und wenig liebevolle Mutter sehr überzeugend - welch Kontrast zu ihrer Rolle in "Moulin Rouge"! Und auch Fionnula Flanagan als Mrs. Mills besticht durch ruhiges, aber dennoch überzeugendes Spiel. Der kritische Faktor in Filmen mit starker Präsenz von Kindern sind stets die Kinder selbst. Und auch wenn die Ausstrahlung eines Haley Joel Osment nicht erreicht wird (was dem Film vielleicht auch gar nicht dienen würde), so reihen sich doch auch die beiden Jungschauspieler Alakina Mann und James Bentley in die sehr gute Darstellerleistung ein.

Viele lobende Worte also, und wie steht es mit der Kritik? Nun, von langer Hand aufgebaute Spannung hat einen großen Nachteil: Sie muss ein befriedigendes Ende finden, eine gelungene Auflösung. Überzeugt diese nicht, so ärgert man sich gewissermaßen über die zuvor erlittenen Schrecken und zahlreichen bangen Momente. Ob nun der Schluß von "The Others" den einzelnen Zuschauer befriedigt oder nicht, das vermag ich nicht zu beurteilen. Ich für meinen Teil war enttäuscht. Dennoch gilt es, die inszenatorische Leistung anzuerkennen - immerhin habe ich in langen Jahren zum ersten Mal erlebt, wie eine Zuschauerin vor lauter Angst aus vollem Halse geschrieen hat - und optisch Schreckliches war dabei gar nicht zu sehen.

Subtiler, stimmungsvoller Mystery-Horror mit Endschwäche


Wolfgang Huang