EdTV
(Edtv)

USA, 122min
R:Ron Howard
D:Matthew McConaughey,
Jenna Elfman,
Woody Harrelson,
Liz Hurley,
Martin Landau
„Ich muss mal pinkeln. Wünsch mir Glück.”
Inhalt
Ein grosser Sender plant eine True-TV-Show, bei der das gesamte Leben, der gesamte Alltag eines Menschen den ganzen Tag übertragen wird. Ed Pekurney, Angestellter in einer Videothek, ist dieser neue TV-Star, dem rund um die Uhr ein Kamerateam zu (fast) allen Orten folgt. Doch durch das Leben im Rampenlicht verändert sich schon so bald einiges in seinem Leben...
Kritik
Kommt dem Zuschauer die Grundidee von "EdTV" abgekupfert vor, so verhindert der Ansatz der Erzählung doch einen direkten Vergleich zu Peter Weir's "Truman Show". Im Gegensatz zu Truman ist Ed sich seiner TV Ausstrahlung nämlich bewußt und hatte sich gar selbständig dazu entschieden.
Das wirft den folgenden Plot des Films vollständig in eine andere Richtung und somit auch die Gewichtung der Message, die der Film rüberbringen will. War diese bei "Truman Show" ganz im Sinne der Amerikaner in Richtung Freiheitsgedanke ausgefallen ... ein Mann, der zu sich selbst findet und 'plötzlich' frei entscheiden kann, so geht es bei "Ed TV" viel mehr um die Hemmschwelle der Zuschauer, welche bei "Truman Show" nur angerissen wurde.
Und trotzdem gefiel mir "Truman Show" um einiges besser. Dies liegt zum einen daran, daß dieser, auch aufgrund des verschiedenen Ansatzes, wesentlich emotionaler und tiefgründiger ist, zum anderen daran, daß mir die fiktionale Situation Truman Burbanks einfach besser gefällt, als Ed's Reality TV. Sicherlich ist "Ed TV" wesentlich realistischer als "Truman Show", aber ich haße es, wenn jemand bei Filmen mit dem Terminus "Realismus" kommt. KEIN Film ist realisitsch, möchte es auch meist gar nicht sein und erhebt höchstens den Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Und obwohl Ed dabei wieder besser wegkommt als Truman, so sind die Möchte-Gern-Gefühlsszenen aus "Ed TV" doch wieder ein Faktor, der die scheinbar etablierte Glaubwürdigkeit beim Zuschauer zunichte macht. Ed trifft seinen eigentlichen Vater bewußt zum ersten Mal und von emotionaler Bewegung keine Spur. Seine Wunschfreundin Cherry verschwind einfach so und Ed nimmt's locker und geht auf den geplanten Ersatz in Form von Liz Hurley ein. Nicht das, was ich unter "realistisch" bzw. "glaubwürdig" verstehe. Auch die wenigen Gags fand ich nicht immer gelungen ... und das diese meiste sexuell-intimer Natur sind, zeugt auch nicht gerade von Qualität. Hier die Morgenlatte, dort das aufpumpbare gute Stück des oberen Chefs ... naja, wer's mag.
Nichts destotrotz weist "Ed TV" einen guten Handlungsbogen auf, der sich bis zum Ende hin immer interessanter gestaltet. Schauspielerisch werden dem Zuschauer sehr gute bis exzellente Leistungen geboten ... da kann ich mich Wolfgangs Analyse nur anschließen.
Wo ich ihm aber widersprechen muß, ist das Ende des Films, welches mir doch etwas simpel und zusammengeschustert vorkommt. Da befindet sich Ed in der vertraglichen Zwangsjacke der ach so fiesen TV Bosse und die im Zuschauer aufgebaute Spannung, wie er sich denn daraus wieder befreien könne, wird durch eine etwas lächerlich wirkende Privatangelegenheit des TrueTV Obermotzes aufgeklärt. Da bleib ich doch lieber bei der gefühlvollen Standpauke des Halbgottes Christof aus "Truman Show".
Thomas Schlömer