Corruptor, The

USA, 105min
R:James Foley
D:Chow Yun-Fat,
Mark Wahlberg,
Byron Mann,
Ric Young
„Hast Du was zu trinken? - Ich bin so ausgetrocknet wie´ne 90jährige Titte”
Inhalt
New York, Chinatown in der Gegenwart. Inmitten des chinesischen Mikrokosmos blüht nicht nur der Export asiatischer Hochkultur, sondern auch die durch Gewalt diktierte, autonome Existenz von hierarchischer Gesetzmäßigkeit und Anarchie. Ein Sumpf der Kriminalität, vorwiegend bestimmt durch Korruption, Drogenhandel und rücksichtlosen Krieg. Dieser tobt zwischen den Triaden und einer jungen Gang unter Anführer Bobby Vu (Byron Mann), der die Macht in Chinatown an sich zu reißen gedenkt. Sein Gegner ist Triaden-Boss 'Onkel Benny' (Kim Chan) und dessen Handlanger Henry Lee (Ric Young), der sein Geld mitunter durch die Prostitution illegal eingewanderter Asiatinnen macht. Um bei der Ermittlung im chinesischen Milieu überhaupt noch eine Chance zu haben, hat das Polizeidepartment eine 'Asiateneinheit' unter Leitung von Nick Chen (Chow Yun-Fat) mit der Verbrechensbekämpfung beautragt. Chens Arbeit beschränkt sich jedoch auf den gewalttätigen Kampf ums nackte Überleben in der bestmöglichen Anpassung an das Gesetz der Straße. Dem virulenten Verbrechen ist längst kein Einhalt mehr zu bieten, die Gewalt reguliert sich von selbst. Die Überlebensstrategie Chens ist durch den gleichen Brutalitätsgrad bestimmt, der für die Banden und Triaden charakteristisch ist. Wider seinen Willen wird Chen nun der junge, idealistische - nichtasiatische - Cop Danny Wallace (Mark Wahlberg) zur Seite gestellt, der sich nicht nur möglichst schnell in der brutalen neuen Welt zu orientieren hat, sondern selber erfahren muß, daß Moralkategorien beliebig veränderbar und korrupte Polizisten die Überlebensfähigsten sind.
Kritik
Von Beginn an ist klar ersichtlich, daß sich der gesamte Film um den neben Jackie Chan wohl bekanntesten Star Asiens, um Actionikone Chow Yun-Fat aufbauen wird, der sich nach den verzichtbaren 'Replacement Killers' zum zweiten Mal in die Gefilde Hollywoods wagt. Wurde er im letzten Jahrzehnt nicht zuletzt durch John Woo ('Im Körper des Feindes') und dessen legendäre Gewaltoperetten der breiten Masse ein Begriff, so versucht ihn James Foley im 'Corruptor' als Verquickung von solidem Schauspiel und exzessiven Schießprügeleinsatz effektvoll in Szene zu setzen - phasenweise gelingt es.

Dabei sind die Zutaten für das leicht erzielte Resultat eines düsteren Großstadtthrillers denkbar simpel und leider ebenso abgeleiert wie undifferenziert platt: In den Topf der großen Phrasenhaftigkeit werfen wir a) die bewährt trostlos schmutzige Großstadtkulisse, grenzen b) den Ort des Geschehens auf eine sich durch spezifisch eigene Gesetzmäßigkeiten definierende soziale wie kulturelle Sphäre ein, verorten c) in ihr machtkonkurrierende Elemente, die d) vonseiten der bestochenen Polizei nichts zu befürchten haben, wenn es nicht e) die schwer berechenbaren Faktoren des routinierten Baller-Bullen und seines idealistisch verklärten Babypartners gäbe. Die Methodik des Plots gestaltet sich somit als stümperhaft durchgekaut. Wie rettend, daß fehlende Substanz der videotheksgerechten Story durch die handwerkliche Umsetzung einigermaßen nivelliert wird. Wenngleich Chow Yun-Fat hier als Mime eine eindringlich coole Show liefert und die brutal gelebte Gradwanderung zwischen legalem Ordnungsbestreben und ehrloser Korruption einleuchtend macht, so ist es eindeutig die adrenalinpushende Action, die die eindimensional konzipierten Charaktere vorm zelluloiden Desaster bewahrt. Da wird aus allen nur erdenklichen Positionen und Situationen geballert, bis ersichtlich wird, daß Regisseur Foley die Dramaturgie nicht in Grund und Boden feuern läßt, sondern sich leicht verzweifelte Mühe gibt, das Drehbuch nach Schema 'F' vergessen zu machen. Hauptdarsteller Fats stilsicheres Auftreten im lässig-virilen Ledermantel, seine Souveränität im Rahmen seines Rollenminimalismus und gerade seine kunstvoll dezidierten Ballerorgien machen das dämliche Geschichtsgerüst verzichtbar. Hinzu kommt, daß durch kühl-schmutzige Fotografie und präsize plazierten Musikeinsatz der Verbrechensmoloch gekonnt eingefangen wird. In ihm gewinnen nur wenige Charaktere an Profil, da sich die meisten ohnehin mit einem frühen Ableben im Kugelhagel zufrieden geben müssen.

Schablonenhaftigkeit findet sich einmal durchweg in der belanglosen Gangstercrew, von Kim Chan als 'Onkel Benny' bis Byron Mann als pervers machtgieriger Jungkiller Benny Vu. Gesehen und vergessen. Nicht viel besser geht es 'Marky' Mark Wahlberg, der die meiste Zeit vorbildlich uncharismatisch versteinert aus der (Unter)Wäsche glotzt, die er hätte vielleicht noch länger bewerben sollen. Ein Waschbrettbauch und intellektualisierende Nickelbrille macht noch keinen guten Darsteller - wenigstens sind seine 'Dialoge' primär schußtechnischer Natur, wodurch Wahlberg mimisch zwar vorwiegend blass, im Rahmen seiner Rolle aber noch funktional ist. Dankbar ist der Zuschauer, wenn wieder energiegeladen geschossen wird und grobe 'Plotdelikte' wie die schreiend obsolte Figur des Vaters von Wallace verdrängt werden dürfen. Obligat ist die Autoverfolgungsjagd, die überaus rasant, teilweise zu blutig inszeniert ist - wie die übrige, teils derbe Gewaltdarstellung auch. Diese hat keinen ästhetisierenden, sondern 'realitätsabbildenden' Anspruch. So wird man zuweilen geschmacklos unterhalten, bis sich das Geschehen, das zweifellos durch das Potential Fats getragen wird, in ätzender Pathetik ergeht.

Platte Story und vorwiegend charakterschwache Darsteller in rabiater Retortenaction


Flemming Schock