Training Day

USA, 120min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Antoine Fuqua
B:David Ayer
D:Denzel Washington,
Ethan Hawke,
Scott Glenn,
Eva Mendes
L:IMDb
„Das hier ist Schach und kein Dame.”
Inhalt
Täglich herrscht Krieg in den Stadtzentren Amerikas - der Kampf zwischen den Bewohnern, den Drogendealern und jenen, die geschworen haben, die einen vor den anderen zu schützen. Bei diesem Kampf bleibt mancher auf der Strecke, und zu den schwersten Verlusten zählt LAPD-Detective Sergeant Alonzo Harris (Denzel Washington), der in den 13 Jahren im Drogendezernat fragwürdige Methoden entwickelt hat, bei denen Legalität und Korruption nicht mehr klar voneinander zu trennen sind. Den idealistischen Newcomer Jake Hoyt (Ethan Hawke) stellt er nun auf die Probe: Jake bekommt nur einen einzigen Tag, um sich unter den wachsamen Augen seines charismatischen Vorgesetzen zu bewähren. Innerhalb von 24 Stunden verirrt sich Jake immer tiefer in dem moralischen Labyrinth, das Alonzo mit seiner ganz persönlichen Logik aufbaut. Während sie versuchen, ihre unterschiedlichen Rechtsauffassungen durchzusetzen, setzen beide Männer ihre Karriere und ihr Leben aufs Spiel.
Kurzkommentar
Nicht nur Denzel Washington ist den Eintritt in "Training Day" wert, denn mit effektiven, wenn auch brutalen Einzelszenen gibt Drehbuchautor David Ayer ein starkes Statement über Straßenkriminalität, Korruption und die moralische Grenze im Job eines Police-Officers ab. Die Identifikation des Zuschauers mit dem unwissenden und geschockten Jake Hoyt funktioniert zudem wunderbar und lässt "Training Day" zu einem emotionalen, leider etwas katharsislosen Drama werden.
Kritik
Die ersten Drehbuchkritiken, die seinerzeit zu "Training Day" auftauchten, stimmten hoffnungsvoll für den kommenden Film. Als dann noch Denzel Washington für die Rolle des Alonza Harris und Ethan Hawke für die Rolle des Neulings Jake Hoyt zusagten, schien beinahe alles gerettet. Nur ein guter Regisseur musste nun noch her. Leider bekam dann Antoine Fuqua, der sich bislang mit "Bait - Fette Beute" und "Replacement Killers" wenig Freunde gemacht hat, nach einigem Hickhack den Zuschlag. Zwar unterstützt diese Wahl Spike Lee's moderne Devise, nur schwarze Regisseure könnten Filme über Schwarze gebührend inszenieren, aber selbst in dem Bereich hätte es bessere Möglichkeiten gegeben (z.B. John Singleton). Glücklicherweise (um es etwas böse zu formulieren), konnte jedoch auch er das schicke Drehbuch längst nicht zerstören. Höchstens ansatzweise schädigen.

Auf jeden Fall überzeugt "Training Day" auf einer Ebene, auf denen zu wenig Filme in letzter Zeit punkten konnten: den Dialogen. Manch einer mag den Trashtalk zwischen Alonzo und Jake für eben dieses halten und dem Drehbuch ankreiden, außer üblichem Ghetto-Slang nichts zu bieten. Aber genau das ist der Punkt: David Ayer legt in die Konversationen genau die richtige Härte, wird vulgär, wenn es nötig ist und bleibt realistisch, wenn es möglich ist. Dass Denzel Washington dabei den "badass motherfucker" gibt und nicht (wie sonst meist) Samuel L. Jackson gibt dem Geschehen zusätzliche Spannung - auch weil mit Ethan Hawke der perfekte Gegenpart gecastet wurde.
Ein Problem von "Training Day" mag wohl sein, dass es keine großartige Story gibt. Es existiert kein Fall für die beiden Polizisten, dessen Ausgangspunkt am Anfang des Streifens zu finden ist und den es in (üblicherweise 48 Stunden) zu lösen gilt. Aber was die Schwäche von "Training Day" ist, ist gleichzeitig seine Stärke, denn so bleibt er realistischer und Ayer nutzt die Struktur eines ganz normalen Police-Officer Alltags dazu, in die dreckigen Suburbs abzusteigen, das Leben auf der Straße zu zeigen, uns ungeschönte Bilder zu präsentieren. Washingtons Charakter Harris darf dabei nicht nur auf brutalste Weise vorgehen, sondern vor allem auch mit dem Zuschauer so spielen, wie er es mit Jake Hoyt im Film selber tut. Ist Alonzo Harris ein "gerechter" Detective mit moralisch zwar äußerst fragwürdigen, aber vielleicht sogar äquivalenten Methoden, die die Straßenkriminalität erfordert? Will er Jake mit seiner extremen Handlungsweise nur richtig erziehen, ihn abhärten und lediglich zum guten Police-Officer ausbilden? Oder steckt mehr dahinter?

Der Zuschauer geht trotz der One-Man-Show Washingtons immer mit Jake Hoyt, weiß genauso viel wie er, stellt sich die gleichen Fragen und bekommt die gleichen Antworten. Das ist faszinierend und in seiner Ausführung subtil gelöst. Nicht zuletzt wegen einiger hübscher Wendungen und den großartigen schauspielerischen Leistungen Hawkes und vor allem Washingtons. Was sich mit seiner Rolle als strenger Ausbilder in "Gegen jede Regel" angedeutet hat, wird von Washington nun endgültig ausgespielt. Er mimt den ruchlosen, vollkommen demoralisierten, aber doch so saucoolen Alonzo Harris mit soviel Energie, das kommt schon verdammt gut rüber. Auch Fuquas Inszenierung trägt dem Rechnung. Trotzdem z.B. sehr viele der Dialogszenen im Auto stattfinden, während die beiden durch die Gegend fahren, wirkt der Film nicht monoton und bleibt recht spannend.

Leider gibt es aber noch einen größeren Kritikpunkt: die letzten fünf bis zehn Minuten tragen dem Rest des Films leider nicht Rechnung. Sowohl Fuquas Inszenierung stolpert hier gewaltig und das Auftreten der Russen wirkt im Kontext viel zu plötzlich und ungeschickt. Auch das Drehbuch wandelt sich im Schlußviertel mehr Richtung Actionfilm und setzt auf etwas billige Schockeffekte. Das hätte Ayers grandioses Zwei-Mann Drama gar nicht nötig gehabt. Vielleicht hätte Fuqua gut daran getan, Alonzo Harris nach seinem kathartischen Schlussmonolog einfach nur alleine zu lassen. Das wäre vermutlich die stärkere Aussage gewesen.
Zum Schluss sei noch gesagt, dass "Training Day" ebensowenig wie "Traffic" von Steven Soderbergh wirklich "Spaß macht" und so der Unterhaltungsgrad fragwürdig bleibt. "Training Day" ist selten schön anzusehen, aber er ist ein mächtiges Drama um Kriminalität im Großen und Kleinen und auch wenn er wie "Traffic" keine Konfliktlösung anbieten kann, so ist er doch definitiv sehenswert.

Harter, ungeschönter Copthriller mit schwachem Finale


Thomas Schlömer