Düstere Legenden 2
(Urban Legends: Final Cut)

USA, 93min
R:John Ottman
B:Paul Harris Boardman
D:Jennifer Morrison,
Matthew Davis,
Hart Bochner,
Loretta Devine
„...und fucking action!”
Inhalt
Die junge Filmstudentin Amy Mayfield (Jennifer Morrison) hat eine zündende Idee für ihren Abschlussfilm. Inspiriert von der mythenumrankten Geschichte eines Serienmörders an der Pendleton University, der seine Opfer nach dem Vorbild düsterer Legenden getötet haben soll, will sie einen Psychothriller nach dem gleichen Motiv drehen. Doch die Produktion steht unter einem schlechten Stern: Ein Filmstudent nach dem anderen verschwindet unter mysteriösen Umständen. Nur Amy ahnt, dass ein realer Killer die Runde macht, doch keiner will ihr Glauben schenken.
Kurzkommentar
Bar jeden Einfalls will sich "Düstere Legenden 2" noch einen letzten Happen vom verendenden Erfolg der Horrorwelle sichern. Erwartungsgemäß erweist sich diese schon technisch dilettantische Fließbandware als gnadenlos schematischer Teenieschlitzer, der auch das Zielpublikum endgültig übersättigen sollte.
Kritik
Fast schon verhängnisvoll, was Wes Craven vor vier Jahren losbrach. Mit "Scream" wurde das brachliegende und im Kino bereits beerdigte Horrorgenre wiederbelebt, indem es sich selbst zu parodieren begann. Neben die unausweichlichen, ewig gleichen Schockmomente trat also die Maßgabe, das Publikum durch Lachen bei Laune zu halten, um es mit der nächsten Meuchelei wieder in die Sitze zu pressen. Abgeschmeckt wurde die findige Generalüberholung mit hippen Jungdarstellern. Aber das ist bekannt.
Unübersehbar ist auch der sich anschließende, einfallos traurige Horrorboom, der das Erfolgsschema bist zum Erbrechen auspresste und die Kinos mit einer unerfreulichen Masse dumpfer Teenieslasher überschwemmte. Dazu gehörte vor zwei Jahren auch "Düstere Legenden", ein in allen Belangen nichtiger Vertreter, aufgebaut nach stereotypem Muster: ein phantasievolle schlitzender Killer und jede Menge hysterischer Teenies. Reine Fließbandware, für eine klar umrissene Zielgruppe heruntergekurbelt, die dankbar ihr Geld lies, aber unter anderen Umständen Vergleichbares sicher nichtmal in der Videothek angerührt hätte. Nachdem im vergangen Jahr klar wurde, dass sich "Scream" mit der zweiten Selbstkopie übernommen hatte, da der sonst einprogrammierte Kassenerfolg ausblieb, war auch die Grenze der Sättigung überschritten. Wie "Scream 3" ist "Düstere Legenden 2" überflüssig, wie "Scream 3" spielt "Düstere Legenden 2" am Filmset und mit dem bereits ausgelutschten Stilmittel des Films im Film.

Da war selbst die Geduld des zahlungsfreudigsten Pubertierenden überlastet und die dumme Horrorkopie scheiterte im letzten Jahr völlig verdient an der Kasse. Wenn in diesem Zusammenhang überhaupt straffrei von erfindungsreich gesprochen werden kann, dann nur, wie die Geschehnisse des ersten Originals weitergeführt und eingebunden werden. Denjeningen, die nicht genug von Mördern in karnevalistischem Outfit bekommen können - diesmal jagd der Killer im originellen Sadokostüm mit Fechtmaske - , sei "Düstere Legenden 2" nahegelegt, da die vorhersehbaren Schlitz- und Schockmomente wie eh und je funktionieren. Die übelst zusammengeschusterte Rahmengeschichte funktioniert natürlich nur als Lückenfüller bis zum nächsten Opfer. Selbstreferenzieller Humor fehlt in diesem Delikt fast gänzlich. Schockieren können die niederen Beweggründe des Killers schon gar nicht mehr, ebensowenig die unverbrauchten, aber bitte nie wieder zu zeigenden Amateure bzw. nichtspeilenden, gutaussehenden Schlachtopfer. Der Gipfel des von Logiklöchern durchsetzten Trashs ist das unsägliche Finale.

Damit sei alles gesagt, denn jene, die sich "Düstere Legenden 2" freiwillig geben, mögen anscheinend das maschinenmäßige Ritual der immerwährenden Kopie - da weiß man, was man hat. Das nervenraubende Kapitel der Teenieslasher sollte damit final geschnitten, begraben und dieser düstere Auftakt des Kinojahres schnell vergessen werden.


Fatale Routinemeuchelei für die hinterste Videotheksecke


Flemming Schock