Dungeons & Dragons

USA/CZ, 107min
R:Courtney Solomon
B:Topper Lilien, Carroll Cartwright
D:Jeremy Irons,
Justin Whalin,
Marlon Wayans,
Thora Birch
„You can't be serious. - I've never been so serious!”
Inhalt
Im Land Izmer herrscht die Kaiserin Savina (Thora Birch). Die führende Gesellschaftsschicht sind die Magier, die das gemeine Volk unterdrücken. Aus Angst, Kaiserin Savina könnte diese Struktur umstürzen, versucht der böse Magier Profion (Jeremy Irons) die roten Drachen unter seine Kontrolle zu bekommen und damit auch die Macht zu erlangen. Dazu braucht er jedoch ein magisches Szepter, hinter dem auch eine Gruppe von Abenteurern her ist. Die beiden Diebe Ridley (Justin Whalin) und Snails (Marlon Wayans) freunden sich mit Elwood dem Zwerg (Lee Arenberg), der Elfin Norda (Kristen Wilson) und der Magierin Marina (Zoe McLellan) an und müssen zahlreiche Prüfungen bestehen, um das Land vor der Bedrohung zu retten.
Kurzkommentar
Prinzipiell hat David recht, denn "Dungeons & Dragons" ist für Action- und Fantasyverhältnisse unterste Schublade. Diese Mängel kommen allerdings erst nach knapp der Hälfte des Films zum Vorschein, denn zuvor ist "D&D" ein selbstironisches, fast parodierendes Stück B-Movie.
Kritik
An so offensichtliche Trash-Filme wie "Dungeons & Dragons" heranzugehen, ist auf zweierlei Arten möglich: entweder man mißt ihn an gängigen Abenteuerfilmen und großen Hollywood-Produktionen (hart, aber gerecht) oder man versucht ihn als trashigen B-Movie zu geniessen. Wichtig ist in dem Zusammenhang natürlich vor allem, welchen Anspruch der Film selber stellt. Macht er keinen Hehl aus seinen billigen Effekten, seiner vernachlässigbaren Story und seinen überforderten Darstellern, so ist alles wunderbar, denn dann ist er ehrlich zu sich selbst und kann dem anvisierten Publikum unterhaltsame zwei Stunden gönnen. Nimmt er sich hingegen zu ernst, so wirken sich die eklatanten Schwächen natürlich genickbruchartig aus.

Und wie sieht das nun bei "Dungeons & Dragons" aus? Zwiespältig. Die ersten 45 Minuten bis eine Stunde sind erstaunlich flott. Durch Marlon Wayans Charakter Snails erhält der Film genau die richtige Portion Selbstironie, die Effekte wirken trotz allem sehr nett und die offensiven Anspielungen an den Rancor aus Star Wars und die Fallen aus Indiana Jones bereiten eine Menge Freude (wie hab ich solche Abenteuereinlagen vermisst). Der wortkarge Zwerg, der seinen besten Auftritt als manierloser Fresskopf hat, überzieht das Klischee deutlich und überhaupt war dem kompletten Streifen anzumerken, daß sich Regisseur Solomon durchaus des geringen Budgets bewußt war und deshalb das Genre lieber parodiert, als es ernsthaft beschreiten zu wollen. In den Zusammenhang passt auch Jeremy Irons krass überzogene Mimik wunderbar und man konnte sich schon aufs obere Wertungsdrittel einschiessen.
Doch dann entschlossen sich die Verantwortlichen plötzlich, die Story vollkommen ernst zu nehmen, tatsächlich mit dürftig choreographierten Kampfszenen überzeugen zu wollen und einen Schlachten-Showdown bieten, der den Zuschauer wohl in den Sitz drücken sollte. [Spoiler] Die sprunghafte Wendung des Grundtendenz ist dabei problemlos auszumachen. Vollkommen unverständlich lassen die Drehbuchautoren den einzig witzigen Charakter Snails sterben und von diesem Zeitpunkt an geht es mit der Qualität des Streifens nur noch bergab. Denn mit Snails stirbt auch die Ironie und so ist die zweite Hälfte des Films nur noch dazu da, sich über die ärmlichen Kostüme (der Rüstpanzer der Elfin ging nicht noch künstlicher, oder?), die armselige Dramaturgie und die überlasteten Schauspieler zu ärgern. [Spoilerende]

Da ist es umso bedauerlicher, daß der Film ein durchgehend spaßiges B-Movie-Abenteuer hätte werden können - geringes Budget hin oder her. Aber zu der Stümperhaftigkeit der zweiten Hälfte hält das Presseheft das passende Zitat bereit: "Eine Filmhochschule hat er [Regisseur Courtney Solomon] nie besucht. 'Anstatt meine Universitätsausbildung weiterzuführen oder mich in Hollywood nach Arbeit umzusehen', erklärt er schelmisch, 'wollte ich lieber einen großen Action-Abenteuerfilm drehen wie George Lucas oder Steven Spielberg' ". Auch Spielberg hat seinerzeit den ersten Indiana Jones als B-Movie konzipiert, die Ironie aber in keiner Sekunde aus den Augen gelassen. Was andernfalls passiert wäre, zeigt uns "Dungeons & Dragons".

Unausgegorener Fantasy-Trash


Thomas Schlömer