Dungeons & Dragons

USA/CZ, 107min
R:Courtney Solomon
B:Topper Lilien, Carroll Cartwright
D:Jeremy Irons,
Justin Whalin,
Marlon Wayans,
Thora Birch
„You can't be serious. - I've never been so serious!”
Inhalt
Im Land Izmer herrscht die Kaiserin Savina (Thora Birch). Die führende Gesellschaftsschicht sind die Magier, die das gemeine Volk unterdrücken. Aus Angst, Kaiserin Savina könnte diese Struktur umstürzen, versucht der böse Magier Profion (Jeremy Irons) die roten Drachen unter seine Kontrolle zu bekommen und damit auch die Macht zu erlangen. Dazu braucht er jedoch ein magisches Szepter, hinter dem auch eine Gruppe von Abenteurern her ist. Die beiden Diebe Ridley (Justin Whalin) und Snails (Marlon Wayans) freunden sich mit Elwood dem Zwerg (Lee Arenberg), der Elfin Norda (Kristen Wilson) und der Magierin Marina (Zoe McLellan) an und müssen zahlreiche Prüfungen bestehen, um das Land vor der Bedrohung zu retten.
Kurzkommentar
Dieser Film ist der Albtraum eines jeden Fantasy-Fans. Das erfolgreiche Rollenspielsystem "D&D" wurde von einem Team aus untalentierten Drehbuchschreibern und unfähigem Regisseur völlig in den Sand gesetzt. Die peinlich agierenden Schauspieler passen dabei wunderbar zu den hässlichen Computeranimationen. Die Handlung ist nebenbei bemerkt unzusammenhängend und unlogisch. Kurzum: Der Traum jedes B-Movie Fans.
Kritik
Inspiriert von JRR Tolkiens literarischem Schaffen ("Herr der Ringe", "Der kleine Hobbit"), schuf Gary Gygax in den späten 70er Jahren das Fantasy Rollenspiel "Dungeons & Dragons". Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Kriegern, Elfen oder Zwergen, die schwere Abenteuer zu bestehen hatten. Ein neues Hobby ward geboren und steckte Millionen von Jugendlichen und Erwachsenen an. "Dungeons & Dragons" ist heute bei weitem nicht die einzige, aber dafür eine der erfolgreichsten Rollenspielwelten, mit Hunderten von veröffentlichten Büchern, Abenteuern und Regelwerken. Eine filmische Umsetzung war schon seit längerem geplant, doch ließ sich bisher nicht realisieren. Erst Regieneuling Courtney Solomon schaffte es mit einigem persönlichen Einsatz, das Budget für diesen Film zusammenzuklauben. Immerhin 35 Millionen US Dollar (knapp 75 Millionen DM) bekam sie zusammen.

Trotz des vergleichsweise geringen Budgets wurde der in Prag gedrehte Film ein gewaltiger Flop. Bisher hat er in den USA und in Großbritannien nicht mal 20 Millionen $ eingespielt. Dies dürfte zum einen an der abschreckenden Wirkung auf das Massenpublikum gelegen haben, das weder mit Rollenspielen noch mit Fantasy allzu viel am Hut hat. Zum anderen wurden wohl genügend Fans von den vernichtenden Reviews von einem Kinobesuch abgehalten. Ähnlich wie bei dem auf einem Computerspiel basierenden "Wing Commander" wurde ganz darauf vertraut, dass die Fans der Vorlage in Massen in die Kinos stürmen. Doch die Fans sind eben in einem etwas höheren Alter als sagen wir mal "Pokemon"-Fans und haben auch einen gewissen Qualitätsanspruch. "Dungeons & Dragons" ist nicht mehr als eine Verballhornung der Vorlage. Als Fan windet man sich vor Schmerzen angesichts der Lächerlichkeit des Gezeigten. Dieser Film taugt ganz eindeutig nur für ein etwas anderes Publikum.

Es gab schon lange keinen Film mehr, der das Prädikat Trash so eindeutig verdient hat. Wer sich an schlechten Filmen und ihren diversen Peinlichkeiten erfreuen kann, wird mit "D&D" einen amüsanten Kinoabend verbringen. Es gibt keinen Aspekt an diesem Film, den man ernsthaft gut finden könnte. Die Drehbuchschreiber Carroll Cartwright und Topper Lilien, die schon Paul Newmans "Ein Heißer Coup" verhunzt hatten, verwechseln Komplexität mit Verwirrung und Dialoge mit Palaver. Derartig eindimensionale Charaktere wie hier sind auch schon lange nicht mehr über die Leinwand gelaufen. Den Vogel schießt eindeutig Jeremy Irons ab. In einem Interview nach seiner Rolle gefragt, antwortete er ungefähr, dass es Rollen gebe, die er aus künstlerischen Aspekten annähme, und solche, deren einziger Zweck das Geldscheffeln sei. Die Rolle des bösen Magiers Profion fällt eindeutig in die zweite Kategorie. Irons gab sich jedoch nicht damit zufrieden, stur seinen Text runterzurasseln. Er betreibt stattdessen Overacting in Reinkultur. Jedes Wort betont er und unterlegt es mit weitausholenden Gesten. Dass ein abgebrühter Mime wie Jeremy Irons so etwas aus Versehen macht, lässt sich stark bezweifeln. Irons Auftritte sorgen somit für mit die meisten Lacher. Man könnte ihm sogar ein komödiantisches Talent zugestehen für seine hervorragende Parodie eines Fantasy-Klischee-Bösewichts.

Die anderen Figuren sind aber auch nicht ohne. Da wäre zum Beispiel Damodan, der Handlanger von Profion, der so gerne blauen Lippenstift trägt und immer nur böse in die Gegend starrt. Oder Elwood der Quotenzwerg, der keine Funktion in der Story hat und im ganzen Film nicht mehr als zehn Worte sagt, aber immer und überall dabei ist. Dafür ist er nur einen halben Kopf kleiner, als die üblichen Figuren. Für einen aufwendigen Schrumpfungsprozess wie im "Herr der Ringe" war schlicht kein Geld da. Aber was wäre ein Fantasy Film ohne einen Zwerg? Das genaue Gegenteil zu Jeremy Irons Schludrigkeit ist das redliche Bemühen von Thora Birch ihrer platten Rolle etwas Tiefgang zu verleihen. Die Entdeckung aus "American Beauty" hat gegen das Drehbuch jedoch keine Chance. Ihre Rolle erinnert sehr stark an Prinzessin Leia aus der "Star Wars"-Trilogie. Birchs Versuche, den hirnlosen Sätzen ein wenig Sinn einzuverleiben, verursachen aber leider starke Schmerzen beim aufmerksamen Zuschauer.

Irgendwer, der bei diesem Machwerk etwas zu sagen hatte, scheint gewaltiger George Lucas Fan zu sein. Die Anspielungen auf die "Indiana Jones"-Trilogie und "Star Wars" subtil zu nennen, wäre ein Euphemismus. Der Charakter von Marlon Wayans ("Scary Movie") erinnert fatal an JarJar Binks, das Diebeslabyrinth, das Ridley durchqueren muss, ist quasi eins zu eins aus "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" übernommen worden und die Elfenstadt erinnert in erster Linie an das Dorf der Ewoks auf Dagobar im dritten "Star Wars" Teil. Die Kantinenszene von Tatooine wird auch nachgestellt; der Endkampf zwischen "Luke" Ridley und "Darth" Damodan setzt dem Plagiatismus dann noch die Krone auf. Das Theme, das immer dann gespielt wird, wenn Damodan zu sehen ist, fängt auch noch genauso an wie das seines "Star Wars"-Pendants. Dies sind aber bei weitem nicht die einzigen Ähnlichkeiten, besonders die "Indiana Jones"-Anleihen sind derart massiv, dass man nahezu davon erschlagen wird.
Schade nur, dass man in Sachen Computeranimationen nicht auch dem Lucas'schen Vorbild gefolgt ist. Die Drachen aus "D&D" wirken im Vergleich zum fünf Jahre alten "Dragonheart", der von Lucas' Special FX Firma Industrial Light & Magic auf die Leinwand gezaubert wurde, mehr als lächerlich. Die meisten Animationen sehen schlechter aus als die Intros moderner Computerspiele, und die Lichtverhältnisse bei Bluescreenaufnahmen passen nicht im Geringsten. Einzig die Effekte der Zaubersprüche machen eine gute Figur.

Den meisten Leuten kann man nur davon abraten, sich diesen Film anzusehen. Es gibt einen ganzen Haufen wirklich nerviger Charaktere, eine saudämliche Story, haarsträubende Dialoge, miese Spezialeffekte und grottenschlechte Schauspieler. Trash-Freunde werden diesen Film lieben. Die Ernsthaftigkeit, mit der die Handlung erzählt wird, sorgt für Heiterkeit, die unlogischen Storytwists für die nötige Abwechslung. Wer über "Independence Day" lachen kann, die "Star Wars" und "Indiana Jones" Filme kennt und ein bisschen was von Fantasy versteht, sollte sich die Chance, "Dungeons & Dragons" zu sehen, allerdings nicht entgehen lassen. Klassische Trash-Filme sind rar geworden seit den 70er Jahren, und das hier ist mit Abstand der Beste seit Langem.

Hochgradig peinliches Trash-Epos ohne Sinn und Verstand


David Hiltscher
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Prinzipiell hat David recht, denn "Dungeons & Dragons" ist für Action- und Fantasyverhältnisse unterste Schublade. Diese Mängel kommen allerdings erst nach knapp der Hälfte des Films zum Vorschein, denn zuvor ist "D&D" ein selbstironisches, fast parodierendes Stück B-Movie....