Dr. T & the Women

USA, 117min
R:Robert Altman
B:Anne Rapp
D:Richard Gere,
Helen Hunt,
Farrah Fawcett,
Laura Dern
„Die Stuten werden langsam unruhig”
Inhalt
Der Frauenarzt Dr. Sullivan Travis (Richard Gere), genannt "Dr. T", hat alles, was sich ein Mann wünschen kann: in Kate eine bezaubernde Frau (Farrah Fawcett), in Dee Dee und Connie zwei reizende Töchter (Kate Hudson und Tara Reid), in Dallas eine florierende Frauenarztpraxis, im Country Club eine Golf-Mitgliedschaft und ein Leben in Wohlstand und Luxus. Vor allem aber ist Dr. T, zum Neid seiner Freunde, umgeben von Frauen. Er liebt die Frauen, er lebt für die Frauen. Doch die Idylle bekommt einen Riss, als seine Gattin in die Psychiatrie eingeliefert werden muss. Die Dinge beginnen sich zu überschlagen, und zu allem Überfluss taucht auch noch die attraktive Ex-Profigolferin Bree (Helen Hunt) im Country Club auf.
Kurzkommentar
Erneut schart der beständige und minutiöse Gesellschaftskritiker Robert Altman ein ansehnliches Ensemble um sich, kann das Potential jedoch nicht nutzen und verfällt in seiner handlungsgelähmten Perspektive auf die Lebensumstände der oberen Klasse in übelste Klischeereiterei, altmodische Geschlechtervorurteile und enorme Belanglosigkeit. In nur wenigen Momenten kann "Dr. T and the Women" an die Klasse der beseelten Vorgängersatire anknüpfen.
Kritik
Robert Altman ist so ein alternder Fall für sich, ein Hollywood-Veteran zwischen Autorenkino und nett gemeinten Nichtigkeiten. Stets tat er das, was andere nicht taten, aber das mit Konsequenz. Auch aus der Warte des Altenteils des mittlerweile 75-Jährigen bleibt die mal bissige, mal harmlose und dann wieder liebevolle Gesellschaftssatire sein Sujet, in dem er zweifelsohne mit souveräner Sicherheit laboriert. Den letzten Beweis für seine eigensinnig feinnervigen Sozialanalysen legte er mit dem außergewöhnlichen "Cookie´s Fortune" vor, einer anziehend langsam erzählten Südstaatenparabel voll von illustren Figuren, Weisheit und Lebensgefühl.
Und da Bewährtes wiederholt werden muss, vermeidet der Regiegreis Experimente und verlagert sein Angriffspunkt der Gesellschaftsdemontage nur in die High Society, verengt seinen Blickwinkel allerdings auf die Frauen und ihren Habitus. Bevor man so mit Altmans Frauenbild, entsprungen aus Altherrenphantasie und kitschigen Stereotypen, zugekleistert wird, gefällt am Ausgangsgedanken seine maßlose Trivialität. Richard Gere, den grauen Prototypen des überzeitlichen Gigolo, ausgerechnet als Frauenarzt auftreten zu lassen, wäre fraglos ein Paradigma alptraumhafter Soap-Phantasie, würde eben nicht Robert Altman den weißen Kittel dirigieren. Und da dessen Filme ohne entkleidende Ironie nicht denkbar sind, lässt sich erahnen, dass mittels Überzeichung gesellschaftliche, geschlechtsspezifische und seelenmäßige Missstände ins gebührende Licht gesetzt werden. Was bei "Cookie´s Fortune" nicht nur mit ruhiger und selbstgenügsamer, sondern auch unterhaltsamer Handschrift gelang, verkümmert in Altmans fragwürdiger Praxisgroteske allerdings zu einem kopfschmerzverursachenden Geschlechteraustausch. Anne Rapp, die Autorin, die auch "Cookie´s Fortune" schrieb, enttäuscht hier maßlos.

Man mag zugestehen, dass der Gegenstand der Kritik an einerm oberflächlichen und dekadenten Lebenswandel in der High Society am besten durch Oberflächensatire herausgestrichen wird. Dass das Leben der affektierten Gesellschaft langweilig und sinnentleert ist, ist aber ein alter Schuh, der nicht hätte neu herausgeputzt werden müssen, und Altman fällt nun nichts besseres, als durch seine neue Hervorbringung ebenso zu langweilen. Wer bis zum Schluss des Streifens nicht kapituliert, wird sich wünschen: 1. eine klassenlose Gesellschaft, 2. ein Platz im Altersheim für Altman. Doch, es gibt da einige Momente des Schmunzelns, aber die Radikalität des zweiten Wunsches begründet sich in dem chauvinistischen Frauenbild des Regisseurs. Da hilft alle Ironie nichts, wenn schon nach den ersten Minuten klar ist, worauf die folgenden einhundert unerbittlich herumreiten: Frauen - und das ist das Trauma des Gynäkologen - der High-Society sind natürlich nicht individuell und im positiven Sinne empfindsam, sondern eine amorphe, in nie abklingenden Stürmen gackernde Hormonmonstermasse, in deren Leben es nichts anderes außer Form, Balzkonkurrenz und Gucci gibt.

Zwar gilt für die Männer bei Altman in sozusagen legitimatorischer Erwähnung das Klischeebild der dumpf im Wald sitzenden Jäger, aber deren Ruhe ist doch die willkommene Kontrastierung. Vielleicht wünscht man ihnen sogar die Frauen vor die Flinte, damit dem weiblichen Wahnsinn endlich ein Ende gesetzt werde. Wahnsinnig ist auch Farrah Fawcett, von ihrem Mann schon dummgeliebt und nur noch scheel aus der Wäsche guckend. Und so meint Dr.T., ohne Schutzwall dem sexsehnsüchtigen Schnepfenterror ausgeliefert, alle Weiber unten wie oben, aber nur nicht seine eigene Frau zu verstehen. Die Weiblichkeit, hier eine einzige Neurose; ein Rätsel nicht deswegen, weil sie noch irgendetwas preiszugeben hätte, sondern ein Rätsel, wie sich ein Geschlecht so massig krank gebärden kann. Wie angenehm doch, dass der Geschundene da wenigstens vom erhabenden Ausnahmepol einer Helen Hunt verstanden wird. Insgesamt schreit der Dr. bei aller Massendemenz aber nach Ausbruch, nach männlicher Entschlusskraft, nach Handlung. Von letzterer ist nun fatalerweise gar nichts zu spüren.

So wartet man vergebens, dass Altmans mit renommierten Darstellern ausgestopfter Mikrokosmus in Bewegung kommt. Ein nennenswerter, bei Laune haltender Handlungsfaden entsteht erst gar nicht, die Zeit wird vielmehr mit peinvoll bedeutungslosen Dialogen und Phrasen gefüllt, die nur allzu gut in dieses sinnfreie Sittengemälde passen. Ändern kann daran auch der wirkungsvolle Schlussmoment nichts, gleichsam die hier wenig ironische Hoffnung auf die Wiedergeburt der Patriarchie.


Endbanales, nur minimal unterhaltsames Gynäkologentrauma


Flemming Schock