Driven

USA, 116min
R:Renny Harlin
B:Jan Skrentny, Neal Tabachnick
D:Sylvester Stallone,
Til Schweiger,
Kip Pardue,
Estella Warren
L:IMDb
„Gewinnen ist eine Einstellungssache.”
Inhalt
Der begabte, aber unkonzentrierte Nachwuchsrennfahrer Jimmy Bly (Kip Pardue) rutscht auf der Rangliste immer weiter nach unten, obwohl oder gerade weil ihn sein ehrgeiziger Bruder, Promoter DeMille Bly (Robert Sean Leonard), extrem unter Druck setzt. Jimmy macht sich seine Aufgabe wahrlich nicht leichter, als er eine Affäre mit Sophia (Estella Warren) beginnt, denn sie ist ausgerechnet die Freundin seines Erzfeindes, des Spitzenfahrers Beau Brandenburg (Til Schweiger). Weil so viel von Jimmys Erfolg abhängt, bittet der erfahrene Teamchef Carl Henry (Burt Reynolds) den ehemaligen Starfahrer Joe Tanto (Sylvester Stallone) um Hilfe. Joe hat seine einst steile Karriere abrupt beendet, als eine schreckliche Karambolage ihn und Beau fast das Leben kostete. Um jedoch Jimmy zum Sieg zu verhelfen, muss Tanto zunächst mit sich selbst ins Reine kommen. Außerdem funkt ihm ständig die Reporterin Luc (Stacy Edwards) dazwischen, die als einzige Frau über den Männerclub auf der Rennstrecke berichtet. Und nicht zuletzt läuft ihm seine Ex-Frau Cathy (Gina Gershon) wieder über den Weg, die inzwischen seinen Rennrivalen Memo Moreno (Cristian de la Fuente) geheiratet hat.
Kurzkommentar
Deutsche Rennfahrer heissen "Beau Brandenburg", und "Driven" ist ein guter Film. Oder auch: Alles Käse, aber wenigstens die Karambolagen sehen nett aus. Den Rest kann man vergessen, denn obwohl nicht so richtig schlecht, interessiert dieser Film eigentlich keinen.
Kritik
Vorneweg: Ich habe von Motorsport herzlich wenig Ahnung, man möge mir also diverse Ungenauigkeiten nachsehen.

Doch so weit ich das beurteilen kann, ist der sportliche Aspekt, eigentlich der einzige Anreiz, der Formel-1-Fans ins Kino locken könnte, reichlich misslungen. Die Fahrer fahren in einer fiktiven Liga, deren Rennstrecken überwiegend in Amerika liegen, benutzen dazu Formel-1-Wagen, aber die Kurse sehen mehr nach NASCAR-Kursen aus. Dazu so herzerfrischende Szenen, wie jene, in der zwei Boliden Spoiler an Spoiler nebeneinander herrasen, der Kommentator wird schon ganz heiser, und plötzlich zieht der eine davon, einfach in dem er aufs Gas drückt - sehr erheiternd, aber alles andere als glaubwürdig. Dazu natürlich diverse spektakuläre Fahrmanöver, deren mangelnder Realismus aber dem Action-Diktum des Filmes zugestanden sei. Apropos spektakulär: Die Crashs sehen wirklich gut aus, und weils ja nur Film ist, kann man sie sogar beinahe genießen. Beinahe deshalb, weil sie zumeist reinen Schauwert haben: Während gerade fünf Autos ineinander crashen, geht das Rennen unten munter weiter, alles fährt um die Meisterschaft, für die wohl toten Piloten wird kein Wort verschwendet. Vielleicht sind sie aber auch gar nicht tot, immerhin übersteht der Held einen 350kmh-Frontalcrash auf eine Betonmauer.

Insofern ist zu befürchten, dass auch Fans des Formel-1-Zirkus wenig gefallen an der vollkommen unrealistischen Darstellung finden. Die absolut beste Szene des Films schlägt dem Fass den Boden dann völlig aus: [Spoiler] Als einer der Fahrer in einen See statt um die Kurve fährt, legt sein Teamkollege mitten auf der Bahn einen 180-Grad-Dreher hin und fährt gegen die Fahrtrichtung zur Unfallstelle zurück. Damit aber noch nicht genug: Der Bösewicht (natürlich ein Deutscher, Til Schweiger) wird verständigt, "beim See an der fünften Kurve" habe es einen Unfall gegeben. Der fährt natürlich gleich hin, parkt den Wagen, und rettet seinen Konkurrenten.[Spoiler Ende]

Harlin war schon immer gut für solide Action, die aber nicht mitreissen konnte (Stirb langsam 2) - so auch hier. Schauwerte gibts durchaus, aber die Geschichte lässt den Zuschauer kalt. Den Begriff Strassenrennen erweitert Harlin mit seiner Formel-1-Verfolgungsjagd durch Chicago zwar um eine reizvolle neue Variante, doch die Geschichte von dem armen ShootingStar, der einen Mentor braucht, um all die Bösewichte um ihn herum zu erkennen und sein wahres Selbst zu finden, will niemand wirklich sehen. Zumal nichtmal auf die Bösewichte noch Verlaß ist: Am Ende sind doch wieder alle irgendwie Gutmenschen. Wie langweilig. Da hilft es auch nix mehr, dass zwischenzeitlich Verona Feldbusch und Jasmin Wagner völlig unmotiviert durchs Bild hüpfen. Und was Til Schweiger angeht: Der spielt in etwa auf dem Niveau von Estella Warren, und wer die jüngst in "Planet der Affen" gesehen hat, weiß, was ihm bevor steht...

Unnötiger Formel-1-Affenzirkus mit zeitweiligen Schauwerten


Wolfgang Huang