Dr. Dolittle 2

USA, 87min
R:Steve Carr
B:Hugh Lofting, Larry Levin
D:Eddie Murphy,
Jeffrey Jones,
Kevin Pollack,
Raven-Symone
L:IMDb
„Was seid ihr, die Mafia?”
Inhalt
Dr. Dolittle (Eddie Murphy), der sich nachwievor mit Tieren unterhalten kann, bringt sich in eine missliche Situation. Er wird von einem Biber erpresst, dessen Wald vor einem "hundsgemeinen" Industriellen (Jeffrey Jones) zu retten. Dolittle kommt auf die grandiose Idee, einen pazifischen Braunbären zu entwildern, um ihn anschließend mit der in besagtem Wald lebenden Braunbärin gleichen Schlags zu verkuppeln. Diese ist nämlich die letzte Überlebende ihrer Art in diesem Wald und wäre bei Nachwuchs damit Grund für eine gerichtliche Verfügung. Doch leider ist der rausgedeutete Bär Archie, der im Zirkus auftritt, und der "null Bock" hat ohne Publikum im Wald ausgesetzt zu werden.
Kurzkommentar
Wie bereits in seinen letzten Filmen spult Eddie Murphy hier erneut sein profitbringendes Programm ab. Witze ohne Pointen, eine Handlung ohne Sinn und Schauspieler ohne Ausbildung, im Grunde ein Meisterwerk des Dilettantismus, aber in seinem Kommerzgewand nicht mehr als ein unerträgliches Machwerk.
Kritik
Es ist mal wieder soweit: Eine in den USA überaus erfolgreiche Komödie mit Eddie Murphy kommt in die deutschen Kinos. Murphy hat mit seinen beiden "Nutty Professor"-Filmen und dem ersten "Dr. Dolittle" bereits äußerst erfolgreich demonstriert, wie man aus flachen Fäkalwitzen, einer quasi non-existenten Handlung und teuren, schlecht eingesetzten Spezialeffekten einen Multimillionen Dollar Blockbuster macht. Und auch dieses Sequel reiht sich nahtlos in Murphys unlustiges Schaffen der letzten Jahre ein. Von irgendeinem Talent Murphys, sei es humoristischer oder schauspielerischer Natur, ist in keinem der Filme etwas zu sehen. Keiner der Filme ist mehr als eine Aneinanderreihung pointenloser Sketche, eingebettet in eine Handlung, die entweder jeder 3jährige kapiert, oder die derart verworren ist, dass man sein Gehirn besser an der Kinokasse abgeben sollte, da einen andernfalls die Logikhämmer des Films in den Wahnsinn treiben könnten. Dr. Dolittle 2 setzt in dieser Hinsicht auf einen Mischmasch, verworrener und pseudo-kritischer Anfang für die Erwachsenen (mit Umweltschützern, Gericht, Familienproblemen etc.) und ein locker flockiger Handlungsablauf ohne Charakterentwicklung, ohne Sinn und ohne Verstand, dafür aber mit vielen putzigen Tieren, also genau richtig für die Allerkleinsten.

Ein Spaß für Groß und Klein also, in den USA ist diese Rechnung aufgegangen. Und für Kinder dürfte der Film sogar genau das richtige sein, wurden die Witze rund um Geschlechtsteile, Blähungen und das Sexualleben alter, dicker Menschen im Vergleich zu Vorgänger/Ablegern deutlich zusammengestrichen. Das hält den Nervfaktor für Erwachsene gering, und erlaubt es ihnen sogar, ihren Kindern mal ruhigen Gewissens einen Eddie Murphy Film zeigen zu können. Was nicht heisst, dass der Film ein guter Kinderfilm ist. Das ist er beileibe nicht, eher noch ein schlechter Kinderfilm. Die Tieraufnahmen sind vom erzieherischen Aufwand sicher enorm aufwendig gemacht, sind aber größtenteils weder lustig noch relevant für die eigentliche Handlung, also purer Selbstzweck bzw. kaltblütige kommerzielle Berechnung. Die Lustlosigkeit mit der dieses Murphy-Vehikel sich über die fast 90 Minuten Spielzeit quält ist erschreckend. Auch bei den deutschen Synchronstimmen der Tiere muss "Dr. Dolittle 2" doch deutliche Qualitätseinbußen vermelden, gerade im Vergleich zum exzellent synchronisierten "Shrek".

Ein weiteres großes Problem des Films ist der Bär Archie, ein Zirkustier, das sich den ganzen Tag durchfüttern lässt und sich standhaft weigert, sein Verhalten zwecks Werbung um Bärendame Ava grundlegend zu verändern. Dolittles Versuche, ihm bäriges Benehmen beizubringen, was rund 60 Minuten der Handlung einnimmt, sind nicht nur langweilig sondern auch noch enorm pointenfrei. Hier wurde jegliches Potenzial verschenkt, und das ist angesichts des Budgets und des Aufwands ein Jammer. Mehr als Dreiviertel aller Tierszenen, wurden mit echten, trainierten Tieren aufgenommen. Nur ein sehr geringer Teil des Films wurde mit Animatronics Puppen geschossen, und noch weniger Tiere stammen direkt aus dem Computer. Lediglich die Lippenbewegungen des schauspielenden Zoos wurden digital eingefügt. Man sollte allerdings nicht vergessen zu erwähnen, dass Eddie Murphy keine einzige Szene mit einem lebendigen Tier hatte, Hut ab vor dem Cutter, und auch die Kamera liefert uns die ein oder andere schön gefilmte Szene. Ansonsten lässt sich wirklich nicht viel Positives über dieses Machwerk sagen. Die Auftritte der Rapper, die derzeit leider massenweise schauspielern, waren glücklicherweise recht kurz und verströmten angenehm wenig Penetranz. Die Spieldauer von 90 Minuten ist noch in Ordnung, auch wenn man diesen Plot problemlos in 30 Minuten hätte abhandeln können, ohne beklagenswerte Verluste wohlgemerkt. Von den Nebendarstellern kann niemand glänzen, was bei Jeffrey Jones' und Kevin Pollacks Rollen allerdings kaum verwundert. Murphy ist scheinbar nicht mehr in der Lage einen Film alleine zu tragen, wie es Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger der Fall war. Glänzen kann er offenbar nur noch in Filmen wie "Bowfinger", in denen er eine gute geschriebene Rolle übernehmen kann, ohne dass der Film allein auf seinen Schultern ruht.

Eine abschließende Empfehlung für bestimmte Zuschauergruppen lässt dieser Film leider nicht zu. Wer mit seinen Kindern ins Kino möchte, sollte lieber auf "Shrek" oder "Emil und die Detektive" setzen. Jedem klar denkenden Erwachsenen muss von diesem Film sowieso abgeraten werden. Man fühlt sich zwar nicht so angeekelt von dem, was einem da vorgesetzt wird, wie es bei "Familie Klumps" der Fall war, aber dafür sind sich die Filme in Sachen Witzlosigkeit und Langatmigkeit ebenbürtig. Falls es also irgendwo irgendjemanden gibt, dem die beiden "Nutty Professors" oder der erste "Dr. Dolittle" gefallen haben sollten, kann sich derjenige nahezu bedenkenlos auch diesen Kommerzschinken ansehen. Für lustige Tieraufnahmen empfiehlt sich jedoch viel eher Walt Disneys Klassiker "Die lustige Welt der Tiere", und der ist noch nicht mal gestellt.

Vergleichsweise harmloser Eddie Murphy Film mit aufwendigen, aber unlustigen Tierdressuren


David Hiltscher