Dracula 2000

USA, 99min
R:Patrick Lussier
B:Patrick Lussier, Joel Soisson
D:Gerard Butler,
Johnny Lee Miller,
Christopher Plummer,
Justine Waddell
„Dracula - er ist kein Mythos. Er ist definitiv real.”
Inhalt
Eine kleine Bande von Gaunern will einen Antiquitätenhändler ausrauben - statt wertvoller Gemälde und Schmuck finden sie jedoch einen Sarg. In der Hoffnung, wenigstens diesen verscherbeln zu können, nehmen sie ihn mit. Was sie aber nicht wissen: Der Antiquitätenhändler ist niemand anderer als der legendäre Vampirjäger Van Helsing, und der Sarg birgt ein dunkles Geheimnis...
Kurzkommentar
Remakes gelingen so gut wie nie, so ein eisernes Gesetz der Filmbranche, das auch auf "Dracula 2000" zutrifft. Mit einem (fast) No-Name-Cast, einer eher faden Story und nur routinierter Action kann "Dracula 2000" jedenfalls niemanden vom Hocker reissen. Dennoch bietet ein ein paar nette Einfälle und Einblicke, die den Film vor einem völligen Fiasko bewahren.
Kritik
Man sollte ein Gesetz erlassen, nachdem Remakes klassischer Geschichten nur einmal alle 100 Jahre erlaubt sind. Das würde vielleicht vermeiden, dass Filme wie "Dracula 2000" gedreht würden, die sich für den Titel den Namen Wes Craven kaufen müssen, weil sie sonst nicht allzuviel zu bieten haben. Denn an der kreativen Seite, und damit an dem, was den Film ausmacht, war Craven gar nicht beteiligt. An den Einnahmen schon, und dass dürfte auch einer der Hauptentstehungsgründe für diesen Film sein, denn neue Einsichten in das Leben der Vampire sind nicht zu gewinnen. Einen Anspruch (besonders gruselig, besondere Formensprache, besonders einfallsreiche Gechichte, besonders gute Schauspieler, etc.) hat "Dracula 2000" nicht, und so verwundert es kaum, dass sich der Film nur im unteren Mittelfeld bewegt. Allenfalls das, was sich der Film über den Ursprung Draculas einfallen lässt, fällt aus dem Rahmen, ist ob seines Trash-Gehaltes aber eher belustigend als ernstzunehmen. Auffallend ist die starke weibliche Dominanz unter den Vampiren, bei der der Drehbuchautor aber wohl vornehmlich die wohlplatzierten weiblichen Reize (unter anderem Jeri Ryan, auch bekannt als Seven of Nine aus StarTrek Voyager) im Sinn hatte und keine feministische Interpretation des alten Stoker-Stoffes. Immerhin spielt der Film mit diesen offensichtlichen, nicht auf schauspielerischem Talent beruhenden Qualitäten und zeigt im besten Dialog des Filmes einiges an Selbstironie.

Gruseln kann man sich bei diesem Film übrigens nicht - schon allein deshalb, weil der Dracula allzu blutleer ausfällt. Denkt man zurück an frühere, teilweise meisterhafte Dracula/Nosferatu-Darstellungen, so überkommt einen beim Spiel von Gerard Butler das Gähnen - noch fader als Griffith in "Vampires". Und auch der Held des Filmes kann kaum überzeugen - das hat, besonders fatal für einen Vampirfilm, alles einfach zu wenig Biss.

Tricktechnisch aufgewertete Kampfszenen, die sich mehr oder weniger an "Matrix" orientieren sind gerade mächtig in, und so kommt auch "Dracula 2000" nicht ohne aus. Spektakuläres gibt es nicht zu sehen, allerdings gibt sich der Film in diesem Bereich wenigstens nicht durch übertriebene Anbiederung an fernöstliche Kampfstile der Lächerlichkeit Preis.

Vereinzelte Elemente der Story wären ausbaufähig gewesen, etwa Draculas Ursprung oder die Idee mit Van Helsings Tochter. Dem gegenüber steht aber die lächerliche Gangsterbande, sowie die nicht minder lächerliche Assimilation der drei prallen (Vampir-)Bräute Esposito, Fitzpatrick und Ryan, die fortan mit Reizen nicht geizend auf der Suche nach Blut durch die Szenen stolpern, nur damit wenigstens in diesem Bereich den optischen Erwartungen genüge getan wird. Etwaige filmische Ambitionen zerstört das natürlich völlig, auch wenn es teilweise schon wieder derart grotesk komisch rüberkommt, dass man beinahe wieder Spass dran haben kann.

Bliebe nur noch eine Frage zu klären: Wieso wehren sich eigentlich alle dagegen, Vampir zu werden? Unsterblichkeit ist ne feine Sache, ein Leben ohne Sonnenlicht verbringen schon heute viele Menschen, und Sex in der Schwerelosigkeit stelle ich mir auch reizvoll vor...
Wer daran gefallen finden kann oder Vampirfilme so sehr liebt wie Vampire das Blut, kann sich "Dracula 2000" zu Gemüte führen - alle anderen seien gewarnt.

Filmischer Fastfood: Lieblos zubereitet, wenig sättigend, Geschmackssache


Wolfgang Huang