Down

Niederlande/USA, 111min
R:Dick Maas
B:Dick Maas
D:James Marshall,
Naomi Watts,
Eric Thal,
Michael Ironside
L:IMDb
„Achtung! Ein Fahrstuhl!”
Inhalt
Das Millennium-Building, der 102 Stockwerke in den Himmel hoch ragende Stolz von New York, wird zum Schausplatz unerklärlicher Todesfälle, in denen ein defekter Aufzug eine zentrale Rolle zu spielen scheint. Doch obwohl Mark (James Marshall) und Jeffrey (Eric Thal), zwei Topmechaniker, keine Mängel feststellen können, setzt sich die brutale Kette von Unglücksfällen fort. Erst der couragierten Journalistin Jennifer (Naomi Watts) gelingt es, Mark von der wahren Natur des Phänomens zu überzeugen.
Kurzkommentar
Der heillos blöde Lifthorror von "Down" ist nur ein weiterer Idealyp aus dem Lehrbuch überflüssiger Remakes. Dick Maas mag mit seichtem Splatter, direkten Szenen und minimalem Humor Einige leidlich unterhalten. Aber nach dem Spaß unfreiwilliger Lächerlichkeit dürfte das Gros der Zuschauer nur "down" sein, und zwar aus dem Grund, "eingestiegen" zu sein.
Kritik
Fahrstühle sind schon eine dialketische Errungenschaft. Jeder weiß es. Statt das Leben einfacher zu machen, schlägt er zurück, der Fahrstuhl. Er lässt Ungeduldige, Faule nicht nur warten, nein, er lässt auch Ahnungslose stecken und gewährt irgendwan jedem eine Vorstellung nicht nur von Klaustrophobie, sondern gleich vom totalen Absturz. Das ist schon latent lästige Bedrohung genug. Der niederländische Filmemacher Dick Mass brachte das 1982 dann auf die pointierte Formel "Fahrstuhl des Grauens". Das klingt nicht nur billig, der Genrefilm um die organisch-psychopathische Fahrstuhlelektronik war es auch.
Dennoch, in Holland galt er als nationaler Regieprimus und da liegt der Versuch nahe, seinen Landsmännern Paul Verhoeven und Jan De Bont in Hollywood nachzueifern, dick aufzutragen, und sich selbst mit einem ungleich teureren Remake zum Erfolg zu kopieren. Und Horror mag ja zeitlos ziehen, ganz besonders dann, wenn er die Liftphobie in uns allen potenziert. Man ersetzte also den trashigen, sprechenden Titel durch das mysteriöse "Down", nehme ein paar sonst auftragslose, aber bekannte Schauspieler und fertig ist der leicht selbstironische Fahrstuhlschocker.

Dass das allerdings nicht aufgehen kann, liegt in der Natur der Sache. Fahrstühle mögen uns ja ein Graus sein, aber selbst in der Fiktion Kino sind intelligible Mörderlifte, schließlich Angelegenheit nationaler Sicherheit, nicht nur zu viel des Guten, sondern auch spannungstechnisch unheimlich defizitär. Einfallsarm und gradlinig entwickelt sich die lächerliche Rahmengeschichte um die dramatisch willkürlich operierenden Lifttüren herum und gleich von Beginn ist klar, wer zum Sympathieträger und letztlichem Held wird.

Wo aber glibberige Fahrstuhlelektronik kriminelle Energie entwickelt, ist erzählerische Leere auch zugegebenermaßen schwer zu füllen. Aber auch die Schockmomente, zwischen unfreiwilliger Komik und drastischen Effekten schwankend, machen nichts her. Anstoß erregen können sie wenige Male allenfalls durch den Ekel plakativ eingesetzter Bilder und dezenter Splattereffekte. Nicht selten wirkt das Ganze lächerlich und souverän punkten hätte Maas nur dann können, wenn er diesen Unsinn dann auch konsequent nicht ernst genommen und mit temporeicher Situationskomik versehen hätte.

Armut und Antriebslosigkeit reflektieren sich z.T. auch ganz beträchtlich in der schauspielerischen Besetzung, angeführt von einem fassungslos läppischen Auftritt Michael Ironsides als durchgeknallte Wissenschaftsexistenz. Er wirkt, nein, er leidet hier ebenso wie Ron Perlman mit und der Lustlosigkeit beider ist anzumerken, dass man sich für rachelüstige Biofahrstuhlgeschichten nicht freiwillig hergab. Naomi Watts ("Mulholland Drive") und James Marshall absolvieren ihre typenhaft bis nervigen Hauptrollen dagegen recht ordentlich, aber es hilft nichts. Nachdem nach banalster Auflösung das Fahrstuhlhirn dann endlich mit der Panzerfaust gerichtet ist, darf der Zuschauer legitimen Frust mit Fußtritten gegen niederträchtige Lifttüren quittieren.


Antriebslahmer, überwiegend alberner Fahrstuhlschocker


Flemming Schock