Traffic - Die Macht des Kartells
(Traffic)

USA, 147min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Steven Soderbergh
B:Simon Moore, Stephen Gaghan
D:Benicio del Toro,
Jacob Vargas,
Michael Douglas,
Luis Guzmán
L:IMDb
„Jetzt steig' aus dem Wagen und schieß' ihm in den Kopf!”
Inhalt
Der mexikanische Cop Javier Rodriguez Rodriguez (Benicio Del Toro, "Snatch") arbeitet als Drogenfahnder in Tijuana an der Grenze zu den USA: Frustriert über die Aussichtslosigkeit seiner Aufgabe, lässt Javier sich mit dem ebenso skrupellosen wie undurchsichtigen General Salazar (Tomas Milian) auf ein brenzliges Spiel mit dem Feuer ein. Die heile Welt der bildschönen High- Society-Ehefrau Helena (Catherine Zeta-Jones) fällt zusammen wie ein Kartenhaus, als ihr Mann Carlos (Steven Bauer) verhaftet und als Drogenbaron angeklagt wird. Beschattet von zwei Cops (Don Cheadle, Luis Guzman), beraten von dem halbseidenen Anwalt Metzger (Dennis Quaid) und unter Druck gesetzt von den mexikanischen Geschäftspartnern ihres Mannes, fällt Helena eine folgenschwere Entscheidung. In Washington wird der Supreme- Court-Richter Wakefield (Michael Douglas) zum neuen obersten Drogenfahnder der USA auserkoren. Kompromisslos und entschlossen will
Wakefield den Krieg gegen die Drogen führen. Er ahnt nicht, dass ausgerechnet seine Tochter Caroline (Erika Christensen) längst selbst abhängig ist und dem Abgrund Stück um Stück näher rückt. Als sich die Situation zuspitzt, steht nur eines fest: Keiner kommt hier sauber raus.
Kurzkommentar
"Traffic" ist definitiv den Kinobesuch wert und mit Leichtigkeit Steven Soderberghs ("Out of Sight", "Erin Brockovich") bislang bester Film, aber trotzdem alle Zutaten zu stimmen scheinen, gelingt es Soderbergh nicht ganz perfekt, die Starpower seiner Darsteller zu überdecken und den Film so packend zu gestalten, wie er es gerne gehabt hätte.
Kritik
"Traffik", so hieß in den 80er Jahren mal eine Miniserie im britischen Fernsehen, die den Drogenverkehr von Pakistan über Europa bis hin zu Großbritannien dokumentierte. Und aus dieser Idee, das alltägliche Geschehen mit Drogen und um Drogen herum wirklichkeitsgetreu festzuhalten, entstand Steven Soderberghs neuer Film "Traffic" - auf der Berlinale noch nicht ausgezeichnet, aber schon gelobt, bei den Golden Globes immerhin mit dem Preis für das beste Drehbuch versorgt und bei den Oscars schließlich vierfach geehrt: Steven Soderbergh als bester Regisseur, Stephen Gaghan für das beste Drehbuch, Stephen Mirrione für den besten Schnitt und Benicio del Toro als bester Nebendarsteller.

Und in der Tat: Stephen Gaghans Drehbuch ist von erlesenster Form. Äußerst clever verknüpft er drei parallele Storylines, läßt jeder genug Spielraum sich zu entfalten und fügt sie immer mehr zusammen bis schließlich ein stimmiges Storybild entsteht. Und so konzentriert, wie Gaghan beim Verfassen des Skripts bei der Sache war, muß es auch der Zuschauer sein, denn sonst dürfte er bereits nach kurzer Zeit nur noch die Hälfte verstehen. Soderbergh taucht dabei jede der Handlungen in einen eigenen Farbton, fügt je nach Bedarf etwas Körnung hinzu und setzt auch sprachlich auf eine authentische Abhandlung der Problematik. So wird z.B. bei jeder Szene hinter der amerikanischen Grenze mexikanisch gesprochen, das Bild ist in überhellem Gelb gehalten und folglich spricht der wirklich begabte Benicio Del Toro kaum mehr als ein paar englische bzw. synchronisierte Sätze. Michael Douglas als Supreme-Court Richter und oberster Drogenfahnder Wakefield bewegt sich hingegen in blau-unterkühlter Umgebung und das High-Society Leben von Catherine Zeta-Jones' Charakter Helena wirkt entsprechend aufpoliert. Außerdem drehte Soderbergh selbst (unter dem Pseudonym Peter Andrews, da die Gewerkschaften wohl keine gleichzeitige Nennung als Regisseur und Kameramann gestatten) und zudem mit Handkamera. Der Wackeleffekt ist durchaus erträglich, der Gewinn an Realismus auf jeden Fall den Preis wert.

Abgerundet wird der handwerklich exzellente Film dann durch Darsteller wie Don Cheadle, Luis Guzmán, Steven Bauer, Jacob Vargas und Erika Christensen, aber das Gelingen des Films ist natürlich nicht zuletzt Regisseur Steven Soderbergh zu verdanken. Dessen letzter Film "Erin Brockovich" hiefte Julia Roberts in der Hollywoodhierarchie noch höher, als sie es eh schon war, wurde allerdings weit überschätzt. Und trotz der geschickten Wahl der Handkamera, der unterschiedlichen Färbungen der Storylines und des effektiven Einsatzes von Musik, macht der Film den Eindruck, als könne alles noch einen Tick besser sein. Soderbergh gelingt es nicht perfekt, die Intensität immer auf gleichem Niveau zu halten, die Charaktere immer vortrefflich in Szene zu setzen und das kluge Drehbuch voll auszukosten. Der Vergleich zu Curtis Hansons ähnlich fintenreichem Thriller "L.A. Confidential" drängt sich auf und "Traffic" unterliegt aufgrund der überlegenen Regieleistung Hansons. Denn während z.B. Hanson klugerweise keine wirklichen Stars für seine James Ellroy-Verfilmung verpflichtete, setzt Soderbergh auf geballte Starpower. Douglas, Zeta-Jones und Quaid erfüllen ihre Rolle sicherlich hervorragend, aber wenn Soderbergh die Authenzität seiner Story so wichtig war, hätte er auf diese Besetzung verzichten sollen.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt ist natürlich das Ende und anschließende Gesamtbild des Films. Soderbergh gab zu, keinen Film drehen zu wollen, der auf die Drogenprobleme eine Lösung bietet und wahrscheinlich ist es auch besser so, aber auf diese Weise fehlt seinem Film etwas die Aussage. Daß Drogen Leben zerstören können -sei es psychologisch oder gesundheitlich- war im Prinzip vorher klar und trotz der exquisiten Abarbeitung der Thematik bleibt ein unterbewußtes Gefühl der Leere zurück. Um aufwühlend zu wirken, fehlt dem Film etwas Biss und die nötige Härte: hier bleibt Soderberghs Inszenierung also etwas zu glatt.
Doch verstehen Sie mich nicht falsch: "Traffic" ist einer der besten Filme der letzten paar Monate und sicherlich sind die Oscars für das Drehbuch, Del Toro und den Schnitt berechtigt, aber man fragt sich besser nicht, was ein Curtis Hanson oder vielleicht sogar Bryan Singer aus der exzellenten Vorlage herausgeholt hätten.

Ungeschöntes Drogendrama mit Regieschwächen


Thomas Schlömer