Doppelmord
(Double Jeopardy)

USA, 104min
R:Bruce Beresford
D:Ashley Judd,
Tommy Lee Jones,
Bruce Greenwood
„Ich könnte dich mitten in MardiGras erschiessen”
Inhalt
Weil sie auf raffinierte Weise von ihrem Ehemann hintergangen wurde, muss die hübsche Libby wegen Mordes ins Gefängnis. Als sie Jahre später wieder frei kommt, beschliesst sie, ihren Sohn wieder zu finden, und das Rätsel um ihren angeblich ermordeten Mann aufzuklären.
Kurzkommentar
Eine vielversprechende Grundidee und ein gelunger Filmtitel machen noch lange keine gehobene Kinounterhaltung. Für belanglos dargebrachte Gefühle, passagenweise interessant gestaltete Spannung, sowie durchschnittliche Darstellerleistungen brauche ich nicht ins Kino zu gehen : da kann man ruhig auf den Video-Release warten.
Kritik
Leider entpuppt sich "Doppelmord" als einer der Filme, die durch den Trailer schon das bißchen Anziehungskraft, was sie noch hätten ausüben können, vergeudet haben. So ziemlich alle Spannungsaufbauenden Szenen wurden hier vorweg genommen : der Sohn, der am Telefon plötzlich von seinem Vater spricht, das Auto, das vom Boot bugsiert wird, der einzige wirklich lockere Spruch von Tommy Lee Jones usw.

Hätte man einen erfahreneren Thriller-Regisseur an den Stoff gelassen, hätte aus "Doppelmord" durchaus was werden können. Schließlich ist der Ausgangspunkt des Films (kleiner Insider für Quake3-Computerspieler: "one frag left") schon fast als innovativ zu bezeichnen. Das Potential wurde leider kaum genutzt, bleiben doch Charakterentwicklung, emotionale Gebrochenheit und geschliffene Dialoge außen vor. Auch der charismatische Tommy Lee Jones findet sich nur in einer weiteren Folge von "Auf der Flucht" wieder - an die Qualitäten dieses Charakters kommt er aber in "Doppelmord" bei weitem nicht heran. Eine ausgefeiltere Darstellung seines persönlichen Werdegangs hätte wie ich finde nicht geschadet, baut es doch eine intensivere Beziehung zum Zuschauer auf und der Film gestaltet sich interessanter - Schade.

Ashley Judd macht ihre Sache durchaus solide, bleibt aber genauso unspektakulär wie ihr Ehemann Bruce Greenwood, dessen Ausstrahlung mir aber noch am ehesten gefallen hat - er bietet das gewisse Etwas für einen charismatischen "Bösewicht". Da wären wir aber schon beim nächsten Problem : Bösewicht. Eine solche Kategorisierung der Personen kommt in einem möglichst realistischen Thriller wie hier gänzlich unpassend daher. Es fehlt das Mitfühlerlebnis, wenn die Mutter ihren Sohn wiedersieht oder vor lauter Verzweiflung beinahe zusammenbricht.

Aufgrund des vielversprechenden Firnaments der Story, der trotz allem soliden Inszenierung und den brauchbaren Darstellern bleibt insgesamt also ein glatter Durchschnittsfilm, bei dem man beruhigt auf die Veröffentlichung in der Videothek warten kann.

Durchschaubare Abendunterhaltung - voller Durchschnitt


Thomas Schlömer