Dogma

USA, 130min
R:Kevin Smith
B:Kevin Smith
D:Ben Affleck,
Matt Damon,
Linda Fiorentino,
Salma Hayek,
Chris Rock
L:IMDb
„Wie Gott so ist? Nun, einsam ... aber witzig. Er hat wirklich einen tollen Sinn für Humor.”
Inhalt
Der letzte Nachkomme Jesus Christus' (Linda Fiorentino, "Men in Black") wird dazu auserkoren, den Wiedereintritt zweier verbannter Engel in den Himmel zu verhindern. Die beiden Gottesdiener (Matt Damon und Ben Affleck) fristen schon seit tausenden von Jahren in Wisconsin ihr "Leben" und sehen endlich ihre Chance durch ein Schlupfloch dem unendlichen Dasein auf Erden zu entkommen. Der Haken an der Sache : Gottes Wille wäre umgangen und somit seine Unfehlbarkeit gebrochen worden. Folglich würde sich alles, was er jemals erschaffen hat, in Nichts auflösen. Um das zu verhindern wird das ungleiche Prophetenpaar Jay (Jason Mewes, "Clerks") und Silent Bob (Kevin Smith, gleichzeitig Regisseur) mitsamt dem dreizehnten Apostel Rufus (Chris Rock, "Lethal Weapon 4") entsandt - zur Rettung der gesamten Menschheit ...
Kurzkommentar
Hinter dem religiösen Titel "Dogma" mag man eine ernste, fundiert recherchierte Kirchenkritk vermuten - spätestens ein Blick auf das Filmplakat mit den schelmisch-ironischen Blicken der beiden verdammten Engel dürfte diese Vermutung revidieren. "Dogma" ist eine ausgeklügelte, witzige, teils geistreiche Satire auf den katholischen Glauben und "nur" durch ein paar wirklich zu flapsige Szenen und manch überzogene Darstellung etwas versaubeutelt worden.
Kritik
Eine typische Einleitung für diese Filmkritik zu "Dogma" müßte eigentlich der Form "mit X kommt auf den Zuschauer ein typischer Y Film zu" genügen. Das Problem ist nur, daß den meisten Zuschauern Kevin Smiths Filme vollkommen unbekannt sein dürften - sein erster wirklicher filmische Erfolg "Clerks" von 1994 ist beispielsweise nur auf Englisch in größeren Videotheken zu finden - ein kleineres Publikum als experimentierfreudige OV-Freaks einer Videothek kann mal wohl kaum anvisieren. Dies ist vor allem deswegen bedauerlich, als daß man nicht nur potentielle filmische Highlights verpaßt hat, sondern auch die charakterlichen Running Gags Jay und Silent Bob wohl nicht gebührend zu würdigen weiß. Bemerkenswerterweise hält Kevin Smith nämlich für sich als "Silent Bob" und für Jason Mewes alias "Jay" in nahezu jedem seiner bisherigen Filme immer zwei gewitzte Nebenrollen bereit - und auch am Ende der Credits zu "Dogma" bleibt ein "Jay and Silent Bob will return in Clerks 2 - Hardly Clerkin' " nicht aus.

Doch zum eigentlichen Film: die bibelsatirische Darstellung der Geschichte Jesu, der Diener Gottes, der Religionsvorstellung von Himmel und Hölle und die fast lückenlose Dialogdichte der völligen Umkrempelung des kirchlichen Glaubens ist zwar nicht immer glücklich, insgesamt jedoch als gelungen überspitzt einzustufen. Manche Ideen des Drehbuchautors Smith sind einfach köstlich und in bissigen Dialogen amüsierend ausformuliert. Das Geschehen um den modernen "Katholizismus - Wow!" ist mindestens ebenso zum Brüllen wie die Tarantino-like Ausführung mancher Gewaltszenen. Zudem wirkt der - für eine Komödie - komplexe Storyhintergrund für sich alleinstehend schon amüsant genug, um einem den Abend möglichst kurzweilig erscheinen zu lassen.

Ist die Grundidee der Story - das Verhindern von Gottes Unfehlbarkeit im Zusammenhang mit zwei ausgeflippten, wahnsinnig gewordenen Engeln - noch gewitzt formuliert und toll inszeniert, so entpuppen sich manche Szenen doch als zu abgedreht und durchgeknallt. Wenn urplötzlich ein Klo überquillt und sich daraus ein buchstäblicher Scheißkerl materialisiert, der anschließend in bester Mel Brooks Persiflagen-Manier überwältigt wird (an dieser Stelle sei nicht zu viel verraten), mag das Fans solcher Trashmovies köstlich erscheinen. Im ansonst aber mit stilvollem Humor ausgestatten "Dogma" wirkt es leicht fehl am Platz.

Glücklicherweise sind solche Szenen in der Minderheit (wenn auch das Schmunzeln des Zuschauers unumgänglich ist) und "Dogma" kann mit seinen gekonnt ausgearbeiteten Charakteren auftrumpfen. Da seien neben dem erwähnten notgeilen Schlägerduo Jay/Silent Bob zum einen die Gottesstimme Metatron (perfekt besetzt mit Alan Rickman), die hübsch-hysterische Muse Serendipity (immer noch nicht ganz überzeugend : Salma Hayek) und der unterdrückte 13. Apostel Rufus (passend: Plappermaul Chris Rock) erwähnt; zum anderen stellt Alanis Morisette als Personifizierung Gottes eine wie ich finde wirklich gute Besetzung des (oder besser "der") Allmächtigen dar - ihre Verspieltheit, das fast schon naiv gutmütige Verhalten wird durch die Pop-Sängerin in passender Weise verkörpert. Bleibt das Hollywood Erfolgsduo Affleck/Damon: nach "Good Will Hunting" wieder gemeinsam vor der Kamera und um es kurz machen : auch hier kann Regisseur Kevin Smith mit einer perfekten Besetzung aufwarten. Sowohl (dem talentierten) Mr. Damon als auch dem rebellischen Affleck stehen die aufmüpfigen, durchgedrehten Engel gut zu Gesicht. Vollkommen überzeugt hat mich indess Linda Fiorentino, die die hübsche, alleingelassene Ehefrau Bethany in nahezu jeder Situation mit der richtigen Mischung aus Verzweiflung, Ungläubigkeit und Willenskraft mimt - bitte mehr davon.

Alles in allem ist "Dogma" also mit wenig Bedenken zu empfehlen : die Story ist gewitzt, teils exzellent ausgearbeitet und gespickt mit einigen Überraschungen. Neben der hochkarätigen und -qualitativen Besetzung überzeugt "Dogma" denn auch meist durch gekonnte Situationskomik und bissige Dialoge. Lediglich die oft überzogen durchgeknallte Darstellung und einige trashig platte Szenen wissen den Filmspaß mehr oder weniger zu trüben - bei mir war leider ersteres der Fall.

Teils geistreiche und phantasievolle, oft jedoch zu durchgeknallte Bibelsatire


Thomas Schlömer