Dinosaurier
(Dinosaur)

USA, 82min
R:Eric Leighton, Ralph Zondag
B:Thom Enriquez
„Sie wollten zum Urknall geweckt werden, Monsieur”
Inhalt
Noch vor dem Schlüpfen von seiner eigenen Spezies getrennt, wird Aladar auf einem Inselparadies vom Clan der Lemuren aufgezogen; das Chaos bricht über sein Leben herein, als ein verheerender Meteoritenschauer ihn zwingt, sich einer Gruppe wandernder Dinosaurier anzuschließen, die verzweifelt versucht, sichere Brutplätze zu erreichen. Wasser und Nahrung sind knapp, die Bedrohung durch Carnotauren ist allgegenwärtig. In dieser Situation fordert Aladar, in dem Versuch zu zeigen, dass Anpassung der beste Weg zum Überleben sein kann, die starren Verhaltensweisen der Herde heraus.
Kurzkommentar
"Dinosaurier" ist offensichtlich nur auf Optik und Akustik getrimmt und dürfte insofern die Erwartungshaltung der Zuschauer erfüllen. Nach diversen Dino-Filmen und Dokumentationen ist aber irgendwie schon nach einer halben Stunde die Luft raus und außer Kindern und Animationsfreunden gerät der Rest eher zur Routine, denn zum Abenteuer.
Kritik
Eigentlich ist der Dino-Boom ja schon sieben Jahre her. Anno 1993 verschmolz Steven Spielberg mit "Jurassic Park" Jura und Moderne und rief damit nicht nur die Faszination für 63 Mio. Jahre alte Wesen, sondern auch die für die Digitaltechnik hervor. Altmodische Puppen- und Animatronikspezialisten waren kaum noch gefragt - der Mauscursor bestimmt seitdem, wo's lang geht. Was folgte, waren die üblichen Nachzügler: "Lost World" von Spielberg selbst, "Lost World" als TV-Serie, "Lost World" von Bob Keen usw. - natürlich begleitet von einer gigantischen Merchandise-Welle. Heutzutage kann jedes Kind 150 Pokémon auswendig, damals die kompliziertesten Echsenbezeichnungen. Ist das verdammenswert ? Wohl kaum, aber man sollte meinen, daß die folgende Dinomüdigkeit Grund genug ist, das Thema erst einmal ruhen zu lassen.

Doch weit gefehlt: BBC produzierte im letzten Jahr eine aufwendige, ebenfalls computergestütze Dokumentationsreihe, ja, und jetzt will auch Disney nochmal abkassieren. Schließlich sind die Kinder, die 1988 von "In einem Land vor unserer Zeit" begeistert wurden mittlerweile schon alt genug, selber nach Dinos dürstende Kinder zu haben. Was also tun ? Den gleichen Hickhack nochmal aufwärmen und mit dem Digitalmantel überziehen! Denn gerade in Sachen Story sind die Parallelen zu Don Bluth's ("Titan A.E.") Dinoabenteuer mehr als frech: eine kleine Gruppe vereinsamter, isolierter Dinos verschiedener Gattung sucht das sagenumwobene, verlassene Tal - das Paradies auf Erden, die letzte Hoffnung. Ich erwarte gerade in einem Disney-Film sicher kein Drehbuch Marke "Goldene Palme", aber es sich so einfach zu machen, ist schon dreist.

Es bleibt also wieder nur die technische Finesse, die einen Besuch von "Dinosaurier" lohnenswert macht - und die ist sicherlich herausragend. Alle Wesen, vor allem die Affenart, wirken äußerst plastisch und lebensecht. Die Bewegungen sind rund und die freie Computerkamera wird lobenswerterweise für einige unmögliche Einstellungen verwendet. Trotzdem muß ich zugeben, daß es mich nicht vom Hocker gehauen hat. Flüssig animiert und plastisch wirkten die digitalen Saurier schon 1993 und Massenszenen durfte man bereits in BBC's TV-Produktion bewundern. "Dinosaurier" bleibt also maximal für Animationsfreude und Kinder interessant, denen es nach ausgestorbenen Fleisch- und Pflanzenfressern dürstet. Immerhin bleibt die Disney-Produktion zumindest in der Hinsicht nicht so seicht wie gewohnt. Diverse Tötungsszenen und Verletzungen bekommt man durchaus zu Gesicht. Erwartungsgemäß nicht in einem übertriebenen Rahmen, sondern eher in einer guten Mischung aus Authenzität und Respekt vor den teils gigantisch-massigen Urwesen.

Auf "Charaktere" und Dialoge braucht an dieser Stelle hingegen nicht weiter eingegangen werden. Alles im üblichen (und erträglichen) Rahmen, nur die knötterige Großmutter Eema als schwächelnder Triceratops verleiht dem Geschehen eine erfrischende Brise Unbeschwertheit - und natürlich die großartige, weil teils epochale Musik James Newton Howards. Seinetwegen wirken vor allem die ersten (dialogfreien) zehn Minuten wie eine wahrhaft bezaubernde, zeitübergreifende Reise in eine andere Zeit.

Nur für Kinder, Dino-Fans und Technokraten


Thomas Schlömer