Crocodile Dundee in Los Angeles

Australien, 95min
R:Simon Wincer
B:Paul Hogan, Matthew Berry
D:Paul Hogan,
Linda Kozlowski,
Serge Cockburn,
Jere Burns
„Mein Vater sagt immer: töte nur Tiere, die Du anschließend auch essen willst”
Inhalt
Schonzeit ist angebrochen für den größten Krokodiljäger Australiens, seit Mick Dundee (Paul Hogan) fast nur noch Touristen bändigt und auch die Riesenechsen immer respektloser ihr Maul aufreißen. So entschließt sich Mick zu ein paar Wochen "California Dreaming", in denen Freundin Sue Charleton (Linda Kozlowski) das L.A.-Büro der Zeitung ihres Vaters leiten soll. Endlich
kann nun auch der gemeinsame Sohn Mikey (Serge Cockburn) die Welt kennenlernen, die sein Vater, vor Jahren schon der Eroberer New Yorks, längst gemeistert hat.
Kurzkommentar
Daß ein dritter "Crocodile Dundee" ernsthaft gut werden könnte, hat wohl niemand erwartet, aber dem ehemaligen Fan tut es schon etwas weh, einen so charismatischen Filmhelden aus den 80ern nochmal so durch die Gegend stolpern zu sehen. Manchmal wird es sogar langweilig und im Prinzip ist der Film nur eine Aneinanderreihung von Sketchen, aber trotzdem ist er weitaus sympathischer als moderne Holzhammerkomödien wie "Tomcats" oder "Ohne Worte".
Kritik
Ich muß zugeben: als Kind fand ich den ersten "Crocodile Dundee" ziemlich geil. Paul Hogan als sympathischer Indiana Jones-Verschnitt, Beschützer der Tierwelt, mit coolem Outfit und lockerem Auftreten, dazu Frauenheld und immer Herr der Lage - das sind die Kinohelden aus den 80ern. Oh, wie ich sie vermisse, diese Filmcharaktere, von denen man ganz genau weiß, ihnen wird in jeder noch so gefährlichen Situation absolut nichts passieren, weil sie einfach zu abgebrüht, zu clever und naja, weil sie eben die Helden des Films sind. Han Solo, Indiana Jones, Marty McFly, Crocodile Dundee - da war die Filmwelt noch nicht so ernst, da durften die Helden noch makellos sein und One-Liner gefolgt von One-Liner von sich geben. Aber diese Zeit ist vorbei und das hat auch Paul Hogan nach dem zweiten Teil von "Crocodile Dundee" erkannt, der zwar hier und da ganz witzig war, aber eben doch nur eine typische Fortsetzung darstellte.

Dreizehn Jahre nach dem zweiten Teil hat Hogan sich nun doch zu einem weiteren "Crocodile Dundee" überreden lassen, aber an so einem verspäteten, dritten Aufguß sind selbst Großwesire wie Francis Ford Coppola ("Der Pate") schon gescheitert und der, nun, war Francis Ford Coppola. Daß wir es also mit einem höchstwahrscheinlich dürftig bis grottenschlechten Revival zu tun haben, suggeriert ja schon das üble Filmposter, daß krampfhaft versucht, Heldenposen aus den 80ern mit poppig-buntem Stil des neuen Jahrtausends zu verschmelzen - grausig. Und wie es nicht anders zu erwarten war, lebt auch der Film nur vom längst vergangenen Flair des ehemals kultigen Australiers. Ein paar ironische Seitenhiebe auf sich und seine Vergangenheit hat Paul Hogan ja eingebaut ("Hey, Du bekommst nochmal Deine eigene Sitcom"), aber größtenteils beschränken sich die Witzeleien auf die schon im zweiten Teil ausgereizte Diskrepanz Landei/Stadtmensch. Das regt immer noch zum Schmunzeln an und ist als äußerst harmlose Familienkost so gerade noch zu gebrauchen, aber wie überflüssig der Film ist, zeigt nicht nur der mehr als peinliche Subplot um die kriminellen Machenschaften während der Produktion von "Tödlicher Agent". Auch Hogan und seine Angebete Linda Kozlowski (wegen der er sich bei den Dreharbeiten zu den ersten beiden Teilen damals scheiden ließ) sind doch merklich älter geworden. Hogan sieht in der kultigen Krokodilweste immer noch ruppig genug aus, aber Frau Hogan hat doch einige Pfunde zugelegt.

Trotz des dürftigen Potentials kann man aber sogar behaupten der dritte Teil hätte doch ein Stückchen besser werden können. Anstatt die Hälfte der Gags wieder aus Dundee's Problemchen mit der modernen Welt zu ziehen, wäre man lieber im australischen Busch geblieben, das war viel atmosphärischer und bietet mit den Aborigines auch Raum für den ein oder anderen Schenkelklopfer. Aber naja, das Wiedersehen mit einigen Figuren aus den ersten beiden Teilen ist trotzdem sehr nett, die Rolle des kleinen Mickey Dundee vorbildlich zurückhalten und trotzdem hübsch anzusehen und wenn auch keine Brüller drin sind, nett unterhalten wird man halbwegs.

Ziemlich langweilig, aber immer noch sympathisch


Thomas Schlömer