Crime Is King
(3000 Miles to Graceland)

USA, 125min
R:Demian Lichtenstein
B:Richard Riecco, Demian Lichtenstein
D:Kurt Russell,
Kevin Costner,
Courteney Cox,
David Kaye
L:IMDb
„Du kennst die goldene Regel: Wer die dickste Knarre hat, gewinnt”
Inhalt
Während der Internationalen Elvis-Woche in Las Vegas überfallen fünf Elvis-Imitatoren mit Maschinenpistolen in ihren Gitarrenkoffern das Riviera-Casinohotel: Den Coup haben sich die Ex-Knackis Michael Zane (Kurt Russell) und Murphy (Kevin Costner) ausgedacht. Sie sacken 3,2 Millionen Dollar ein, hinterlassen im Hotel ein blutiges Schlachtfeld und entkommen per Helikopter vom Dach des Hochhauses. Murphy will die Beute jedoch nicht teilen, er schießt die Komplizen nieder. Nur Michael überlebt den Mordrausch und flieht mit dem Geld. Dabei klebt Kellnerin Cybil (Courteney Cox) wie eine Klette an ihm – nach einer gemeinsamen Liebesnacht träumt sie von einem besseren Leben. Aber auch Murphy bleibt Michael auf den Fersen, und die Marshals sind hinter beiden her…
Kurzkommentar
Etwas abgehalfterte Stars und ein konfuses Drehbuch, dazu übermäßige Gewalt - das kann nur schief gehen, zumal wenn ein unerfahrener VideoClip-Regisseur mit Woo-Faible die Regie übernimmt. So hat "Crime is King" denn auch nur sehr wenige lichte Momente, die einen Kinobesuch angesichts der Schwächen kaum lohnen.
Kritik
Hin und wieder gibt es Filme, die einfach zum falschen Zeitpunkt in die Kinos kommen - zum Beispiel "Tötet Mrs. Tingle" nach dem Meissen-Drama, "Collateral Damage" nach dem 11. September, und diesmal "Crime is King", nach Erfurt. Denn die alleinige Inszenierung und Ästhetisierung von Gewalt, so fragwürdig sie auch sonst sein mag, ist in diesen Zeiten kaum zu ertragen. Und so entwickelt sich ein übler Geschmack, wenn man die ausgedehnten Ballerorgien in diesem Costner/Russell-Streifen sieht. Wo man zu anderer Zeit noch eine gewisse Begeisterung für beispielsweise eine Woo-Inszenierung aufbrigen konnte, bleibt nun jeder Genuß versagt.

Das liegt jedoch nicht nur an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch an der miesen Qualität des Films an sich. Offensichtlich sind die Anleihen an den Vorgängern, insbesondere bei John Woo - doch Demian Lichtenstein bleibt weit hinter diesem zurück, was die optischen Werte angeht. Auch die wenigen Super-Slow-Mo-Szenen sind nur ein billiger Abklatsch von "Matrix". Von Zeit zu Zeit vollzieht sich ein Wandel, auch im Bereich der Actionfilme. Wer heute noch einen Film Marke "Früher Joel Silver" dreht, hat einfach ein paar Jahre Filmgeschichte versäumt, und genau das scheint bei "Crime is King" der Fall zu sein. Ein bisschen Mündungsfeuer und Versteckspiel in der Fabrikhalle, dazu ne kleine Explosion, das ist weit unter dem, was man inzwischen gewohnt ist. Und selbst wenn man nicht im Mainstream mitschwimmt: Lichtenstein hat auch keine eigenen Ideen.

Nur: Wenn man von "Crime is King" die Action abzieht, was bleibt dann noch? Ein sinnloses Drehbuch, zwei Hollywood-Stars älteren Modells, und einige wenige wirklich coole Szenen. Während man Kurt Russell ja schon aus einer Reihe trashiger Streifen kennt (und man sich jedesmal fragt, wieso ein offensichtlich intelligenter Mann sich für sowas hergibt), ist Kevin Costner neu in diesem Genre. Gehässige Menschen würden anfügen, dass er hier ganz gut her passt, doch soweit wollen wir gar nicht gehen, zumal er nicht sonderlich positiv auffällt - der Freak-Killer wird durch zuviele Soft-Rollen in der letzten Zeit unglaubwürdig. Oder sollte das ganze den Versuch eines Imagewechsels darstellen? Kurt Russel spielt wie gewohnt unbewegt, versucht anscheinend Steven Seagal noch an darstellerischer Qualität zu übertreffen. Aber immerhin ist er der einzig Coole in der ganzen Truppe.

Wirklich grausig jedoch das Drehbuch, dessen restliche Elemente (Sex, und ein bisschen Liebe) kläglich versagen. Schon der Anfang (Kampf der CGI-Skorpione) macht wohl klar, dass Lichtenstein sich des Trash-Faktors bewusst war. Doch nichtmal ein gekonnter Trash-Film wollte gelingen, und so bleibt herzlich wenig, was einen ins Kino locken könnte. Zwei Punkte gibts für Kurt Russell, und eine Szene, die den Eingang in die Filmgeschichte verdient hätte (Stichwort Snickers).

Mißlungener Trash, dazu überbrutal


Wolfgang Huang