Corellis Mandoline
(Captain Corelli's Mandolin)

USA / Frankreich / UK, 131min
R:John Madden
B:Shawn Slovo, Louis de Bernières
D:Nicolas Cage,
Penélope Cruz,
John Hurt,
David Morrissey
L:IMDb
„Das Verliebtsein ist eine Wahnvorstellung”
Inhalt
Im zweiten Weltkrieg wird die griechische Insel Kephalonia von italienischen Truppen besetzt. Die junge Ärztin Pelagia verliebt sich in den lokalen Kommandeur der Besatzungstruppen. Doch damit nicht genug: Ihr eigentlicher Verlobter kämpft derweil im Partisanen-Widerstand. Und als die Insel schließlich an deutsche Truppen übergeben werden soll, kommt es zum Eklat...
Kurzkommentar
Die Kombination aus Kriegs- und Liebesfilm war schon immer kritisch. Und so geht in "Corellis Mandoline" auch so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann: Der Plot ist dämlich, die Figuren unglaubhaft, die Inszenierung kitschig, die Schauspieler nerven. Genug Gründe, einen großen Bogen um Kephalonia zu machen.
Kritik
n Nicolas Cage scheiden sich die Geister: Die einen schätzen seinen expressiven, lockeren Stil, die anderen verachten seine undifferenzierten, völlig überzogenen Darstellungen. In "Corellis Mandoline" überwiegt leider Letzteres. Seine unglaubwürdige Darstellung des unbekümmerten aber sensiblen, des verliebten aber entschlossenen italienischen Armeekommandeurs, der am liebsten Opern singt, ist unerträglich und lächerlich. Dazu kommt Penélope Cruz, die exotische Allzweckwaffe Hollywoods, mit der alle Rollen besetzt werden, die keine Amerikanerin darstellen. Ob Mexikanerin, Kubanerin oder Griechin - ist eh alles gleich, wahrscheinlich wissen die Produzenten gar nicht so genau, wo Griechenland eigentlich liegt. Denn wenn angeblich Puccini-Opern vorgetragen werden, ist auch "La donna e mobile" zu hören, und das ist leider von Verdi. Aber wer wird denn schon so pingelig sein.

Das wäre ein guter Moment, ein paar Worte zu historischen Details und zur Glaubwürdigkeit der Geschichte zu sagen, die zwar auf einem Roman basiert, der man aber Gott sei Dank wenigstens kein "Dieser Film beruht auf einer wahren Geschichte"-Siegel aufgepappt hat; das wäre auch zu viel des Guten gewesen. Ein kurzer Abriss [Spoiler]: Der italienische Capitano, der zwar einen Armeetrupp kommandiert, aber noch nie mit einer Waffe auf jemanden gezielt haben will, verliebt sich in die Dorfschönheit. Als er gezwungen wird, die Insel zu verlassen, weil das Kommando von den Italienern an die Deutschen übergeht, beschließt er kurzerhand, die Ablösetruppen mit seiner kleinen Einheit zu bekämpfen, auf dass er bei seiner Geliebten bleiben kann (natürlich wird dazu ein fadenscheiniger Alibigrund konstruiert, der aber durchsichtiger als Wasser ist). Also dürfen seine Mannen in der Folge die deutschen Truppen bekämpfen, was angesichts des Zahlenverhältnisses abstrus sinnlos ist. Die 20-Mann-Truppe gegen zahlreiche Landungsboote voller Bodentruppen und Panzer, dazu Flugzeuge und Kriegsschiffe - schmerzhaft blöde. Aber wenigstens kann der gute Antonio so noch ein bisserl seine Liebe zu Pelagia ausdrücken, während seine Männer ins Gras beissen, was insofern nicht schlimm ist, als am Schluss eh der verklemmt-schwul-feige deutsche Nazi schuld an Allem ist. Himmel hilf, die Deutschen haben ja ein nur zu begründetes Anrecht auf den Part der Bösen in Weltkriegsfilmen, aber diese unendlich platte und hohle Story ist wirklich grausam.[Spoiler Ende]

Den einzig guten Satz des Filmes darf der grimmige Vater von Pelagia, gespielt von John Hurt, sagen. Er nennt das Verliebtsein eine Wahnvorstellung. Angesichts der folgenden, oben geschilderten Ereignisse wäre das mal ein höchst ergiebiger Ansatz gewesen, die Figur des Corelli auszuarbeiten, doch nichts davon, er ist der romantische, sensible Held, und wenn der Zuschauer das nicht so recht glauben mag, dann wird eben die Mandoline ausgepackt und mit aller Gewalt was Nettes geklimpert. Man könnte Nicolas Cage auch ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin furchtbar sensibel" umhängen, das hätte in etwa die gleiche inszenatorische Raffinesse.

"Corellis Mandoline" wäre gerne ein guter Liebesfilm, und er wäre gerne ein bedeutender Liebesfilm, der durch den Hintergrund des Krieges die Bedeutung seiner Emotionen noch überhöht. Tatsächlich ist er aber nur ein kruder Wechsel zwischen Geklimper und Geballer, der so brach jeder Logik ist, dass einem die Worte fehlen. Und als ob das nicht genug wäre, versäumt der Film nicht nur einmal ein gutes Ende, sondern mindestens dreimal, und zieht sich über zwei Stunden deutlich zu lange hin. (Nebenbei: Wer mir eine plausible Erklärung für das Erdbeben am Schluß liefern kann, gewinnt ein von mir persönlich komponiertes Mandolinenstück!).

Was bleibt? Wenig. Ausser dem schweigsam grimmigen John Hurt ist schauspielerisch wenig geboten, an die Musik kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, und die Fotografie ist zwar ganz nett, aber auch hemmungslos kitschig. Somit finden an "Corellis Mandoline" wohl nur hemmungslose Kitschfans Gefallen, die sich auch nicht an gelegentlich eingeschobenen Massenerschiessungen stören.

Historisch dämliches Liebesstück bar jeder Glaubwürdigkeit


Wolfgang Huang