Collateral Damage

USA, 105min
R:Andrew Davis
B:Ronald Roose, David Griffiths, Peter Griffiths
D:Arnold Schwarzenegger,
Elias Koteas,
Francesca Neri,
Cliff Curtis
L:IMDb
„Wir beide wollen aus Vergeltung töten, wo ist da der Unterschied zwischen uns? - Der Unterschied ist: ich werde Sie töten.”
Inhalt
Bei einem terroristischen Bombenanschlag verliert Feuerwehrmann Gordon Brewer (Arnold Schwarzenegger) unvermittelt seine Frau und seinem Sohn. Aus Sicht der Behörden ein bedauerlicher Vorfall, der als "Collateral Damage" schnell zu den Akten gelegt und nicht weiter verfolgt wird. Dabei ist längst bekannt, dass Terrorist Claudio "Der Wolf" Perrini (Cliff Curtis) für diesen Anschlag verantwortlich war. Frustriert und von Rachegefühlen erfüllt, ermittelt Brewer auf eigene Faust. Die Spur führt in den Dschungel Kolumbiens, direkt in das Guerilla-Gebiet. Je tiefer er sich im Netzwerk des internationalen Terrorismus verstrickt, desto undurchschaubarer werden die Grenzen zwischen Freund und Feind.
Kurzkommentar
Arnold Schwarzenegger, der Mann mit der gewitzten Kombination aus österreichischem Dialekt und Muskelprotz, liefert unter der Regie von Andrew Davis (immerhin: "Auf der Flucht") wieder "nur" einen soliden, spannungsschwachen Actionfilm ab. Unter der Politur einiger Elemente hätte man viel besser einen waschechten, spannenden Thriller draus machen sollen.
Kritik
Die Welt schrie auf am Tage des World Trade Center-Anschlags und das erste, was den Verantwortlichen bei Warner Brothers einfiel, war, aus Pietätsgründen den neuen Schwarzenegger-Film "Collateral Damage" auf unbekannte Zeit zu verschieben. Was damals nur Filmtitel war, wurde spätestens seit dem berüchtigten Dienstag im September 2001 zum omnipräsenten Schlagwort in den Medien: Kollateralschaden, also das Verletzten oder der Tod Unbeteiligter, im eigenen Land. Warner Brothers zog daraufhin den Film zurück, denn der emotionale Ausganspunkt liegt im neuen Film von Regisseur Andrew Davis (einzig wirklich gute Arbeit: "Auf der Flucht") ausgerechnet bei einem Terroristenanschlag.

Provokativ formuliert war das (aus rein finanzieller Sicht) aber vielleicht eine dumme Entscheidung von den Studiobossen: Schwarzenegger nimmt als von den Behörden eingelassener Feuerwehrmann das Heft selbst in die Hand und folgt der alten Amerika-Mentalität: Selbstjustiz. Grob gesagt, nichts anderes, als die USA zur Zeit sowieso tun (und dabei selbst Kollateralschäden verursachen). Allein vor diesem Hintergrund -die Rachsucht auch einfacher Bürger vor Augen- hätte der Film vielleicht besonders erfolgreich werden können. Die damalige Situation eiskalt auszunutzen wäre zweifellos ziemlich skrupellos von Warner Brothers gewesen (auch wenn der mögliche Erfolg ihnen Recht gegeben hätte) und der Schuss hätte auch derbe nach hinten gehen können. Jetzt allerdings, wo sich schon wieder ein großer Schleier der Sicherheit über die USA gelegt hat, wird "Collateral Damage" rein auf seine filmischen Qualitäten reduziert werden.
Trotzdem sich diese Theorie sicher etwas unverfroren liest: ich hätte das Boxoffice-Ergebnis als Indikator der amerikanischen Stimmung damals zu gerne gesehen. Zwei Wochen nach dem Anschlag, so belegen die Zahlen, war man in den USA ja wieder in bester Kinolaune.

Sich über derartige Auswirkungen und Hintergründe von "Collateral Damage" Gedanken zu machen, ist jedenfalls weit spannender als der Film selber. Aus Schwarzeneggers neuestem Streifen ist leider wieder nur Schubladenware geworden, Kategorie: harmloser Actionthriller, Marke: solide. Regisseur Davis' damaliger Erfolg mit "Auf der Flucht" war tatsächlich nur eine Eintagsfliege, denn "Collateral Damage" reiht sich fast nahtlos in seine Serie wenig markanter Actionfilme, angefangenen bei früheren Steven Seagal und Chuck Norris-Vehikeln (u.a. "Alarmstufe: Rot") bis hin zu "Außer Kontrolle" ein. Dabei waren die Voraussetzungen für einen feschen Thriller gar nicht schlecht: Arnie nimmt kein einziges Mal eine Schußwaffe in die Hand (Hoffnung: bessere Ausarbeitung anderer, weniger plumper Elemente), er stellt lediglich einen einfachen Familienmenschen in realer (und nicht Science-Fiction geprägter) Umgebung dar (Hoffnung: Verletzlichkeit bringt höhere, emotionale Dichte), wir reisen von den USA nach Kolumbien und zurück (Hoffnung: flotteres Tempo) und wir haben eine verantwortungslose Regierung, der die Belange des Helden gleichgültig sind (Hoffnung: subtiler, sozialkritischer Unterton).

Glücklicherweise versagt "Collateral Damage" nicht, wie zu befürchten war, in allen Disziplinen, sondern reißt sie oftmals nur an und bleibt deswegen dennoch enttäuschend. Eine heftigere, emotionale Reaktion hätten Arnolds Figur Gordon nach dem Anschlag ebenso zu mehr Tiefe verholfen wie ein paar stille Momente während seiner einsamen Kolumbienmission. Und wo er schon ohne Waffe auskommt, so besitzt er als amerikanischer Feuerwehrmann noch mindestens soviel Bastelgeschick wie McGuyver. "Collateral Damage" soll ja doch nur ein Actionfilm sein, also muss alle 15min eine große Explosion herhalten. Was ich persönlich besonders schade fand, war die Tatsache, dass die gar nicht mal dummen Ansätze des Drehbuchs dem Action-Dasein zum Opfer fielen: war es eine gute Entscheidung der Regierung nach dem Anschlag auf das Konsulat auf Diplomatie zu setzen und die Forderung des Terroristen zu erfüllen? Würde Gordon Brewer selber Kollateralschäden verursachen, wenn er seine Familie damit rächen kann? Ist er ein "besserer Mensch" als Terrorist Claudio, wenn ihn nur die Suche nach Vergeltung antreibt? Wie das obige Zitat zeigt, geht es im Film aber leider nur um Actionschemata und entsprechende One-Liner.

Und die Action, naja, ist eben wenig bahnbrechend. Ok, kann sie ja auch nicht immer sein, aber wenn ein Film sich nun mal hauptsächlich darauf stützt, wird es problematisch. Explosionen und Fäustkämpfe sind für die anspruchsvollen Augen von heute kein Grund mehr ins Kino zu gehen, da reicht auch "Balco" auf RTL. Klischeehafte Bösewichte gibt es da auch, nur Schlangen wurden da noch nicht in Hälse gesteckt.
Aufgewertet wird der Film dann schließlich noch durch einen hübschen und sehr konsequenten Twist am Ende - da ist es wieder, das Verlangen nach einem spannenden Thriller statt einem Arnie-Actionstreifen Klasse 2. "Collateral Damage" ist wie schon "The 6th Day" nicht wirklich schlecht, aber viel zu häufig dürfte den Zuschauer das Gefühl beschleichen, hier wäre doch mehr drin gewesen.

Wieder einmal nur routinierte Arnie-Action mit vergebenen Chancen


Thomas Schlömer