Erkan & Stefan

Deutschland, 96min
R:Michael Herbig
B:Philipp Weinges,Günter Knarr
D:Erkan Maria Moosleitner,
Stefan Lust,
Alexandra Neldel
„Boah, krasser Satzbau!”
Inhalt
Das Mysterium um den Tod eines hohen Politikers steht kurz vor der Aufklärung: Dem Hamburger Verleger Eckernförde ist es gelungen, ein Tonband zu beschaffen, auf dem die letzten Minuten des einflußreichen Mannes aufgezeichnet sind. Versehentlich gerät das Band in die Handtasche seiner Tochter Nina, die damit nach München fliegt. Nicht wissend, daß BND und CIA, die ebenfalls brennendes Interesse an der Cassette haben, ihr dicht auf den Fersen sind. Man sorgt dafür, daß Nina die dämlichsten Trottel der Stadt als Aufpasser bekommt: Erkan & Stefan - deren Stumpfsinn aber auch seine Grenzen hat: Nach dem ersten gewaltsamen Versuch des CIA, an die Cassette zu kommen, checken die beiden tatsächlich, daß sie und Nina verfolgt werden.
Kurzkommentar
Das Comedy-Duo "Erkan & Stefan" bringt den fatalsten Zusammenfluss von Proletenhumor und Soziolektsatire und gleichzeitig den erschütternden Beweis, dass Deutschland auch weiterhin ein Synonym für den größten Zelluloidmüll bleiben wird. Aber gebt der Meute, was sie braucht, denn, um mit den Worten des "Regisseurs" zu sprechen, dieser Film ist wichtig für unser Land!
Kritik
Deutschland will lachen, egal wie, egal auf wessen Kosten. Wo der Alltag schon utopielos und traurig grau geworden ist, will die paralysierte Fernsehnation wenigstens vor der Glotze losprusten dürfen, um sich für einen Moment lebendig zu fühlen. So brach in den vergangenen Jahren eine Comedy-Walze los, die das Programmgeschehen auf breiter Linie dominiert und als flachhirnige Spaßkultur dem Verlangen nach künstlich erzeugtem Frohsinn Rechnung trägt. Mit der Maximierung des Brüllgrades stolpern die inflationären Comedy-Konzepte auf der Niveauleiter in ungeahnte Tiefen. Scharfzüngige Satire weicht reproduziertem Schenkelklopferhumor und armselig platten "Bullyparaden", die, wenn nötig, den Witz mit Gewalt herausprügeln.

Und als ob die Trivialisierung und das Spaßbombardement das Fernsehen nicht schon genug vergewaltigt hätten, schlägt´s jetzt auch der Leinwand gleich doppelt die Stunde: Michael Herbig, Hauptdarsteller und Hauptverantwortlicher der den Gaudi erzwingenden "Bullyparade" arrangiert sich mit "Erkan & Stefan" zu einem Kinoexperiment der ganz üblen Sorte. Das aus Süddeutschland stammende Duo albert seit geraumer Zeit in einer undefinierbaren Mischung aus überzeichneten Adidas-Prollos mit restriktivem Sprachcode, Dönerfetischisten und hirnlos-harmlosen Asis durch die spaßsüchtige Nation. "Und wir stehen garantiert für brontale Action, scharfe Bunnys und krass-schnelles Texte-Wort-Kung-Fu" - nein, im Ernst: ihr seid keine Witz-, sondern einfach nur Scheißfiguren.

Denn 1. ist es kläglich, mit einem überdehnten Gossenjargon seine komischen Bemühungen allein aus der Redeweise und nicht aus dem Inhalt des "Gesagten" zu beziehen, 2. ist es alles andere als witzig, neben dem maternden Slang das Asioutfit zum parodistischen Programm zu erheben, nur, um 3. davon abzulenken, dass sich der "Einfallsreichtum" der Komik darin erschöpft, saublöd und pointenlos in der Gegend herumzuprollen.

Doch siehe da, der Erfolg vor dem sich bepissenden Publikum gibt ihnen Recht und nun bekommt die Nation den selbst heraufbeschworenen Tiefschlag. Aber selbst unser "Bully" Herbig und seine Drehbuch-"autoren" mussten einsehen, dass die Anarchoshow der geschmackswidrigen Kasper nicht die minimal geforderten neunzig Kinominuten füllen würde. Anders ausgedrückt: Der Eigenwitz der deplazierten Idioten hat sich, insofern überhaupt konstatierbar, nach einigen Minuten totgelaufen. Doch trotz behelfsmäßig hinzukonstruierter Agentenpersiflage tritt das ein, was die Filmblondine so lakonisch einwirft: "Ihr geht mir tierisch auf die Nerven!".Man kann sich mit "Erkan & Stefan" schlechthin nur aus zweierlei Beweggründen foltern: entweder man ist durch den alltäglichen Quatsch-Comedy-Sadismus bereits für jeden Müll empfänglich oder man ist erklärter Masochist, der Genuss daran empfindet, sich und den deutschen Film leiden zu sehen. Nach den sprechenden Pillemännern in "Harte Jungs" bläst die Unkultur in "Erkan & Stefan" zu vorpubertären Schwachsinnigkeiten. Der deutsche Film - immer wieder ein schlechter Witz.


Grenzdebiles Geprolle im Sinne der deutschen Spaßgesellschaft


Flemming Schock