Große Bagarozy, Der

Deutschland 1999, 110min
R:Bernd Eichinger
B:Bernd Eichinger
D:Til Schweiger,
Corinna Harfouch,
Thomas Heinze
L:IMDb
„Da, der schwarze Pudel, das bin ich.”
Inhalt
Ein Mann (Til Schweiger) kommt zu einer Psychoanalytikerin (Corinna Harfouch) und behauptet, ihm sei die längst verstorbene Operndiva Maria Callas erschienen. Die Psychiaterin hält íhn erst für einen weiteren hoffnungslosen Fall, muss aber schnell einsehen, dass der Mann nicht nur ihre Tricks durchschaut, sondern auch mehr über sie weiß, als ihr lieb ist. Dass er zudem behauptet, der leibhaftige Teufel zu sein, macht den Fall nicht einfacher. Je länger die Therapie dauert, desto mehr fasziniert sie der Mann, der ihre geheimsten Wünsche zu erahnen scheint. So erliegt sie nach und nach seinem Charme, zumal ihr Ehemann (Thomas Heinze) für ihre Reize kein Auge mehr zu haben scheint. Aber je näher die Frau dem vorgeblichen Teufel kommen will, desto mehr entzieht er sich ihr. Manchmal scheint er ein grausames Spiel mit ihr zu treiben, manchmal wirkt er in seinem Wahn um die Callas gefangen. Am Ende geht es um die teuflische Frage, ob in der Liebe das zählt, was man weiß, oder das, was man glaubt. Und darum, ob der Teufel wirklich überall seine Hand im Spiel hat...
Kritik
Wozu neigen erfolgsverwöhnte Filmproduzenten, denen ihr Schreibtischjob zu monoton gworden ist? Richtig, sie wechseln hinter die Kamera. Da sie ja mächtig was vom Geschäft verstehen, schwingen sie sich selbstbewußt in den Regiestuhl, wobei die Produzentenrolle natürlich nicht abdelegiert, sondern weiterhin selbst erfüllt werden will. Bernd Eichinger, einer von Deutschlands dienstältesten und populärsten Produzentensauriern, verfiel im Größenwahn der Meinung, gleich drei konstitutive Aufgaben gleichzeitig wahrnehmen zu können: die des Regisseurs, des Drehbuchschreibers UND des Produzenten. Aller guten Dinge sind drei? Wirklich, Herr Eichinger, hier nicht, denn schon der Volksmund warnt: 'Drei Dinge auf einmal? - DAS geht nun wirklich nicht!'. So hätte Eichinger besser zuerst einen Crashkurs in Regiearbeit belegen sollen, da sein Debüt- und hoffentlich auch letztes 'Werk' eher einem deformierten Flickenteppich als einer ambitionierten Literaturverfilmung ähnelt.

Und obgleich Eichinger als Produzent oft glückliche Hand bewies, scheint er vom kreativen Prozeß des Filmemachens rein gar nichts zu verstehen, auch nicht davon, nach welchen Kriterien man die Wahl seiner Hauptdarsteller entscheidet. Dass sich Eichinger für den chronisch benebelt wirkenden Til Schweiger entschied, verrät uns Zweierlei: Zum Einen zeugt es von verstockter Naivität, noch immer anzunehmen, Deliriumsbirne und Antimime Til Schweiger habe auch nur den Funken eines schauspielerischen Ausdrucks. Da Schweiger aber noch immer als Frauenliebling gilt, wird ihn Eichinger zum Anderen auch deswegen eingespannt haben, weil ohne ihn die breite (vorwiegend weibliche) Masse sich nicht hätte locken lassen.

Mit Beginn von Eichingers Regiestuhlexkurs ist dann klar, dass hier alles den Bach runter gehen muss, Eichinger sich überforderte und keine der drei Aufgaben souverän löst: Verstörend, völlig ohne Exposition und handwerklich unsauber wird der Zuschauer ins Geschehen einer psychotherapeutischen Sitzung geworfen. Dass das Grundanahme der Handlung einfallsreich und unverbraucht daherkommt, ist natürlich nicht Eichinger, sondern Buchautor Helmut Krausser zu verdanken. Doch die filmische Umsetzung schwankt zwischen Lächerlichkeit und gähnender Langeweile. Steingesicht Schweiger soll also den Teufel mimen, der in tiefer Sinn- und Existenzkrise steckend zur Psychotherapeutin geht. Hm, ja. Ein psychoanalytisch hochbrisantes Potential! Da sich aber die Kraft eines solchen Filmes allein um die zwei Hauptpersonen herum aufbaut, stürzt sich 'Der große Bagarozy' durch einen glanzvoll schlechten, gänzlich undiabolischen Til Schweiger in den zelluloiden Ruin. Mit eingefrorenen Gesichtszügen leiert er unemphatisch seine Texte herunter. Absolut unglaubwürdig und inkohärent wird gezeigt, wie die Psychotherapeutin einer nicht vorhandenen Faszination, einer angenommenen Synthese aus Erotik und Angst verfällt. Corinna Harfouch erfüllt ihre Aufgabe zwar anständig, doch wieso ist hier alles so hohl? Der sonst mit anspruchsvollen Rollen gesegnete Thomas Heinze wird zum Spaghettimonster mit Vorliebe für morbide Todesmeldungen degradiert. Schweigers kraftloses Geschwalle ist nicht schizophren, nicht komplex und nicht vielschichtig, vielmehr einfach nur eindimensional und anödend.

Je weiter hier vor sich hindilettiert wird, umso abstruser und haarsträubender wird die billig zusammengekleisterte Inszenierung, die sich vor allem durch eines verrät: Szenen, in denen sich psychologische Abgründe und dialogische Rafinessen hätten auftun können, werden in triefend lauter, pathetischer Musik erstickt - Eichinger traut seinen Drehbuchdialogen nicht, merkt, dass das einlullende Hin- und Her restlos geduldsstrapazierend ist. Hinzu kommt dumpfbackig affektierter Humor, der Gott im weißen und den Teufel im schwarzen Pudel manifestiert sieht - pure Blasphemie. Himmelschreiend töricht und total schrottreif wird dem misshandelten Zuschauer der Rest gegeben, wenn eine psychopathische Psychotherapeutin dem schwarzen Pudel maschinengewehrtechnisch den Garaus machen möchte. Das einzige Geschenk in diesem schlechten Scherz sind die wahrhaft göttlichen Arienmusiken der Maria Callas. Intelligente teuflische Abgründe sucht man vergebens. Keine Erotik, kein Thrill durch ungewisse Verführung. Schade eigentlich, denn mit anderem Hauptdarsteller und einem anderen Regisseur hätte der unkonventionelle Stoff sicher mehr geboten. Eichingers Regieerstling markiert nach innovativen Tendenzen der letzten Zeit wieder mal einen Tiefpunkt deutscher Filmkultur.


Stupider, undiabolischer Murks dank überfordertem Hauptdarsteller und dilettierendem 'Regisseur'


Flemming Schock