Calling, The

USA, 89min
R:Richard Caesar
B:John Rice, Rudy Gaines
D:Laura Harris,
Richard Lintern,
Alice Krige
L:IMDb
„Was haben uns 2000 Jahre im Namen der Liebe gebracht? Jede nur erdenkliche Gemeinheit. Wir können uns gar nicht vorstellen, was uns im Namen des Bösen erwartet.”
Inhalt
2000 Jahre nachdem und Gott im Namen der Liebe den Erlöser geschickt hat, fordert nun der Teufel sein Recht. Als unheilige Jungfrau hat er dazu Kristie St.Clair ausgewählt. Nichtsahnend kümmert sie sich liebevoll um ihren Sohn Dylan (Alex Row-Bown), doch dessen Vater (Richard Lintern) und Stiefmutter (Alice Krige) haben finstere Pläne mit ihm. So wird er zur Einführung gleich mal ans kopfüber hängende Kreuz genagelt, und schart fortan in bester Verkünder-Manier Bewunderer um sich. Doch seine Mutter erkennt das Unheil, und versucht ihn zu retten...
Kurzkommentar
Jeder Kinogänger, der bereits "Rosemary's Baby" kennt oder ohnehin eine Abneigung gegenüber "satanischer Horrorstreifen" hat, dürfte sich von "The Calling" mehr als veräppelt vorkommen. Dabei dürften selbst solche Zuschauer zugeben müssen, daß "The Calling" -für seine Ansprüche- erstaunlich ernsthaft und konsequent daherkommt. Gerade im Hinblick auf das nicht gigantische, aber doch wirklich gute Ende.
Kritik
Das Image des deutschen Films scheint mittlerweile so stark gesunken, daß Verleiher und Geldgeber eben diese Herkunft möglichst effektiv vertuschen wollen. Wie schon beim Gruselkabinett "7 days to live" entschieden sich die Verantwortlichen deshalb, den deutschen Regisseur Richard Caesar in England drehen zu lassen und dabei, sozusagen in einem Wisch, gleich die komplette Schauspielriege lokal zu casten. Ausländische Streifen Marke Hollywood verkaufen sich sicher besser als ein Mysterie- bzw. Horrorstreifen aus Deutschland. Den immensen Erfolg von "Anatomie" hat man dabei wohl übersehen.

Wie auch immer: es sollte klargestellt werden, daß erklärte Feinde sogenannten "religiösen Horrormülls" auch an "The Calling" kaum ihre Freude haben werden - folgende Katharsis hin oder her. Das komplette Thema wirkt wie immer eher trashig denn ernsthaft und kommende Streifen wie "Lost Souls" werden den Abstand zu ihrer Thematik wohl weit weniger gekonnt wahren können als "The Calling" (glaubt man den amerikanischen Kritiken). Dieser gestaltet sich trotz der eher belanglosen und unspektakulären ersten Hälfte aber immerhin derart gut inszeniert, als daß Dialoge und Ploteinfälle überraschend bodenständig wirken. Selbst das in dieser Hinsicht äußerst empfindliche Sneak-Publikum fand keine Gelegenheit, dem Film etwaige Lächerlichkeiten anzukreiden - trotz seines zunächst stereotypischen Aufbaus.

Im Gegensatz zu der leicht unlogischen Heimlichtuerei bzgl. der Herkunft macht man von offizieller Seite allerdings kaum einen Hehl daraus, sich bei der Filmidee und in Sachen Plotstruktur frei bei "Rosemary's Baby" und "Das Omen" bedient zu haben. Kein Wunder: bei so eklatanten Parallelen wäre es sowieso jedem Kritiker aufgefallen; also besser direkt zugeben. Und trotzdem war ich zum Ende hin überrascht: nach den soliden, dahinplätschernden ersten anderthalb Stunden sollte sich "The Calling" gar als so konsequent entpuppen, auch sein Ende entsprechend böse zu gestalten. Ohne jetzt arrogant wirken zu wollen: geahnt hatte ich es schon und sicherlich trifft auch sonst niemanden der Hammer wie in "Sixth Sense" oder ähnlichen Streifen, aber man ist ob der Ungewohntheit doch irgendwie gefesselt. Irgendwie wertet das den Film für mich deutlich auf und man kann doch sehr zufrieden das Kino verlassen.

Hemmungsloses Plagiat, aber genretreu und mit gutem Ende


Thomas Schlömer