Bulworth

USA, 109min
R:Warren Beatty
D:Warren Beatty,
Halle Berry,
Oliver Platt,
Sean Astin
L:IMDb
„We are on the doorstep to a new millenium”
Inhalt
Mitten im Wahlkampf zu seiner Wiederwahl sieht Senator Bulworth (Warren Beatty) keinen Sinn mehr in seinem Leben. Er heuert einen Killer an mit dem Auftrag, ihn zu töten. Er fängt an, den Leuten die Wahrheit ins Gesicht zu sagen und schafft sich damit Feinde auf allen Seiten und treibt seinen Asisstenten Murphy (Oliver Platt) in die Verzweiflung. Bei einer Wahlkampfveranstaltung verliebt er sich in die attraktive Nina (Halle Berry), die ihn in die schwarze Suburbia Kultur einführt. Er sieht wieder Sinn in seinem Leben und fängt an, Interviews und Reden rappend zu bestreiten und spricht dabei recht deutliche Töne über soziale Probleme und die bestechliche Politik. Er versucht den Auftragsmörder wieder abzubestellen, doch es gibt Komplikationen.
Kurzkommentar
Ein hervorragender Warren Beatty rettet die stark konstruierte Geschichte. Seine Wandlung von einem aalglatten Politiker zu einem sozial bewussten Rapper, der nebenbei noch ein äußerst populärer Politiker wird, ist unrealistisch, macht aber einfach Spaß. Das oskarnominierte Drehbuch von Warren Beatty selbst schafft es spielend, die Probleme der schwarzen Bevölkerung darzustellen und die Wahlkampfpraktiken der großen Parteien und TV Sender offenzulegen, ohne dabei bierernst oder langweilig zu werden.
Kritik
Politische Satiren sind in den USA nicht unbedingt selten. Wag The Dog und Primary Colors konzentrierten sich auf den Präsidenten und die größeren Zusammenhänge in der Politik. Die sozialen Probleme der schwarzen Bevölkerung sind eher Thema von ernsthafteren Filmen. Bulworth spielt mit genau dieser Thematik und legt nebenbei noch gnadenlos die Verlogenheit der Politiker und Medien offen und das auf eine wirklich lustige Art und Weise.

Die Story ist der größte Schwachpunkt des Films. Sie wirkt reichlich konstruiert und streckenweise unlogisch, aber Warren Beatty stellt den Senator so köstlich dar, dass einen die Verworrenheit der Story nie wirklich stört. Stattdessen bemerkt man um so mehr den Humor, der in fast jeder Szene steckt. Man muss fast schon sagen, dass man es ein wenig übertrieben hat. Aber wenn Warren Beatty in ein Interview über seinen Wahlkampf in kurzen Hosen, Shirt, Rapperwollmütze und cooler Sonnenbrille kommt und dann der Interviewerin etwas über die Probleme der armen, schwarzen Bevölkerung vorrappt, dann ist das einfach zum schiessen. Am besten ist es man guckt sich diesen Film auf Englisch an, weil eine deutsche Übersetzung der Raps nahezu unmöglich ist und diese einen nicht unbedeutenden Teil des Films einnehmen.

Nach circa zehn Minuten wird der musikalische Grundstein für den Film gelegt. Bulworth und seine Wahlgehilfen werden von Bulworths Objekt der Begierde Nina in einen typischen HipHop-Schuppen mitgenommen. Bulworth entdeckt eine Liebe zum Rap. Ab diesem Zeitpunkt wird der Film stets von teils extra produzierten HipHop Liedern von diversen amerikanischen Genrekönigen untermalt. Obwohl ich diese Musikrichtung normal nicht mag, muss ich zugeben, dass es hier einfach reinpasst.

Bewundernswert ist es, wie es der Film schafft, die sozialen Probleme, um die es eigentlich geht, auf eine lustige Art und Weise zu präsentieren, ohne gleich rumzublödeln. Bulworth läuft nachts durch ein gefährliches schwarzes Viertel und wird von einigen grimmig dreinblickenden Kindern angehalten, die ihm Drogen verkaufen wollen. Erst lädt er sie zu einem Eis ein und anschliessend blamiert er zwei Polizisten, die Streit mit den Kindern suchen. Auch in den Gesprächen mit den schwarzen Protagonisten erfährt man viel über ihre Probleme und mögliche Problemlösungen. Gleichzeitig kriegt man allerdings auch die Ansichten der Politiker vorgeführt und warum sich an den sozialen Verhältnissen nichts verändern wird.

Gegen Ende verliert der Film etwas von seinem Schwung, driftet aber nicht wirklich in kitschige Gefilde ab. Das Ende birgt eine kleine Überraschung, ein wirklich offenes Ende hätte aber wahrscheinlich besser gewirkt. So bleibt die unterhaltsamste Politsatire der letzten Zeit, die mit ihrer sehr unkonventionellen Darstellungsweise und einem grandiosen Warren Beatty, der eine zwiespältige Rolle rettet, zu überzeugen weiss. Wem Wag The Dog zu witzlos war, wird hier ebenso eine gute Unterhaltung finden wie jemand, der einfach nur eine amüsante Komödie sehen will. Und das ist Bulworth auf jeden Fall.


Äußerst amüsante und dennoch kritische Politsatire


David Hiltscher