Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück
(Bridget Jones's Diary)

England / USA, 97min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Sharon Maguire
B:Helen Fielding,Helen Fielding
D:Renée Zellweger,
Colin Firth,
Hugh Grant,
Jim Broadbent,
Gemma Jones
L:IMDb
„Komm schon, Bridget, wir gehören zusammen - Du, ich und Dein kurzer Rock.”
Inhalt
Bridget Jones (Renée Zellweger) ist Single - und nicht sonderlich glücklich damit. Sie trinkt, raucht und stapft von einem Fettnapf in den nächsten. Auf der Suche nach dem Traummann und dem einfachsten Weg zum Wunschgewicht trifft sie auf Marc Darcy (Colin Firth), biederer Anwalt und der Traum jeder Schwiegermutter, den sie vom ersten Augenblick an nicht ausstehen kann. Schließlich gibt es doch viel interessantere Männer, wie z.B. ihren Chef Daniel (Hugh Grant), der für eine kleine Liaison selbstverständlich zu haben ist. Doch bald muss Bridget erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und dass manche Menschen vielleicht einen zweiten Blick wert sind.
Kurzkommentar
Sollten Sie aktuell einen witzigen Film suchen, der genug Frische und Heiterkeit für einen äußerst amüsanten Kinoabend ausstrahlt, gehen Sie in "Die fabelhafte Welt der Amélie". Aber danach, direkt danach, statten Sie "Bridget Jones" einen Besuch ab und sehen vielleicht den lustigsten Film des Jahres.
Kritik
Der Erfolg von Helen Fieldings bekannten Romanen "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" (daher der bekloppte, deutsche Filmtitel) und "Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns" ist einer der Kategorie "den Nerv der Zeit getroffen". Daß die Figur Bridget Jones als Luckenfüller in einer Kolumne des britischen "The Independent" begann, ist hinlänglich bekannt. Ungewöhnlicher ist es da schon, daß Mrs. Fielding, im Gegensatz zu Mrs. Rowling und ihren Harry-Potter-Romanen zum Beispiel, auch am Drehbuch mitgewirkt hat. Das ist wohl ein Grund, warum der Film als gelungene Romanadaption gelten kann - auch wenn ich das persönlich nicht vollständig beurteilen kann, da ich den Roman nicht gelesen habe. Ich falle wohl nicht direkt in Fieldings Zielgruppe.

Vielleicht ist es als Zuschauer des Films auch besser, den Roman nicht zu kennen, denn so ist die Situationskomik unverbraucht, sind die Fettnäpfe unbekannt und der Charakter frisch und neu. Und so macht "Bridget Jones" eine gehörige Portion Spaß. Dabei konnte eigentlich wenig schiefgehen, denn britische Komödien sind entweder herzallerliebst ("Notting Hill", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") oder unter aller Sau ("Guest House Paradiso", "Kevin & Perry"). Zumindest, was so von der krümeligen Insel nach Deutschland verfrachtet wird, lässt sich immer einem der Extreme zuordnen. Und bei den Voraussetzungen musste aus "Bridget Jones" eigentlich eine Komödie der ersten Kategorie werden - trotz des Aufschreis, als man für die Hauptrolle eine Amerikanerin verpflichtete.

Und genau dieser quirligen Amerikanerin hat man ein Großteil der Qualität von Fieldings Roman zu verdanken. Renée Zellweger spielt nach "Nurse Betty" ihre Rolle mal wieder mit so viel Hingabe und Freude, daß es ansteckend ist und man diese Person nur sympathisch finden kann. Diese Sympathie wird aber nicht zuletzt durch die gelungen Zutaten gefördert, die Debütregisseurin Sharon Maguire und das Produzententeam von "Notting Hill" mit Liebe zum Detail erkannt haben. Das sind z.B. sporadische Untertitel ("Scheeiiiiiiiiiiiße!"), passende Zeitlupen- und Großaufnahmen (ein Hintern so groß wie Brasilien) und diverse originelle Einfälle, wie das Heulen des Motors mit dem wollüstigen Brüllen eines Löwen (oder Machos in dem Fall) gleichzusetzen. Ein weiteres Indiz für die gelungene Inszenierung: mittlerweile dürfte selbst dem unterdurchschnittlichen Kinozuschauer die andauernden, platten Slapstickeinlagen jedes x-beliebigen Filmchens gehörig auf die Nerven gehen, aber in "Bridget Jones" sind die wenigen Stolpereien unaufdringlich und so gut proportioniert eingebaut, daß es sich stimmig ins Bild der tolpatschigen Bridget einfügt.

Aber was wäre ein flottes Drehbuch ohne die passenden Darsteller: neben Renée Zellweger kann man dem Casting-Agent auch zu allen Nebendarstellern gratulieren: Hugh Grant war nie besser (Ein verständnisrührendes "Was hälst Du eigentlich von der Situation in Tschetschenien, Daniel?" wird mit einem simplen "Ist mir scheißegal, Bridget." quittiert) und Colin Firth als stocksteifer, waschechter Engländer kann schon fast als Selbstparodie des überwiegend britischen Filmteams durchgehen. Auch die etwas stereotypischen Freunde und Eltern von Bridget sind treffend besetzt.

Wenn man "Bridget Jones" irgendwas einkreiden, dann ist es wohl die Grundkonstellation der Story. Bei so frischem Humor und der sonst so spritzigen Inszenierung, könnte man, wie beim wesentlich subtileren "High Fidelity" z.B., auch im Verlauf der Beziehungen etwas Originelles erwarten. Aber hier hält sich "Bridget Jones" sehr zurück, gibt sich vollkommen normiert und ist von vorne bis hinten durchschaubar. Schade drum, ein etwas größerer, aber letztendlich der einzige Fleck auf dem beigefarben Riesenschlüpfer der Bridget Jones.

Very lovely, very funny, very british.


Thomas Schlömer