Bootmen

Australien / USA, 91min
R:Dein Perry
B:Steve Worland, Hilary Linstead, Dein Perry
D:Adam Garcia,
Sophie Lee,
Sam Worthington,
William Zappa,
Anthony Hayes
„Macht es einfach - und nicht improvisieren”
Inhalt
Sean (Adam Garcia) und sein Bruder Mitch (Sam Worthington) steppen seit ihrer frühen Kindheit. Doch ihre Lehrmeister nehmen ihnen den Spaß am Steppen, indem sie ihre Kreativität zügeln. So plant Sean zusammen mit Mitch und seinen Freunden eine eigene Step-Show. Doch dann tritt eine Frau (Sophie Lee) zwischen die beiden Brüder und auch Mitchs kriminelle Machenschaften gefährden ihre Pläne.
Kurzkommentar
Im Grunde genommen ist "Bootmen" nichts anderes als der Film zur Tanz-Show "Tap Dogs". Gezeigt wird virtuoser Step-Tanz kombiniert mit einer grauenhaft dummen Rahmenhandlung. Optik und Sound stimmen, aber das gilt genauso für jeden Tap Dogs Auftritt. Diesen Film sollte man nur mit starken Nerven besuchen, ansonsten könnte es schwer werden, bis zum Ende durchzuhalten.
Kritik
Tanzfilme gibt es immer wieder. Erst kürzlich liefen Save the Last Dance und Billy Elliot in den deutschen Kinos an, die beide durch eine gelungene Verquickung von Tanz und Film gefallen konnten. "Bootmen" hat allerdings ein etwas anderes Konzept als die beiden vorher genannten. "Bootmen" ist die leicht abgeänderte Geschichte der australischen Steptanz-Gruppe "Tap Dogs", die seit 1996 überall auf der Welt auftreten. Gegründet wurde die Tanz-Gruppe vom Multitalent Dein Perry. Inspiriert von den Stahlwerken seiner australischen Heimatstadt Newcastle erfand er eine Variation zum normalen Step-Tanz. Zum einen bedient er sich zur Untermalung der Rockmusik und zum anderen hat er Stahlsohlen an die Step-Schuhe seiner Truppe montiert. Das, kombiniert mit einer effektvollen Bühnen- und Lichtshow, führte zu einer der beliebtesten Tanzshows/Musicals. Bald schon folgten Konzertaufzeichnungen auf Video. Anders als die Konkurrenzshows wie "Feet of Flames" oder "Lord of the Dance", wollte sich Dein Perry aber nicht mit einfachen Musikvideos begnügen.

Leider hatte der Australier die Idee, dass man aus Step-Tanz einen Spielfilm machen könnte. Anstatt einen Spielfilm zu kreieren, in dem unter anderem auch getanzt wird, wurde "Bootmen" leider eine überlange Tanzaufnahme, bei der am Rande ein bisschen geschauspielert wurde. Dein Perry übernahm neben der Choreographie und einer Nebenrolle auch noch den Regiestuhl und beteiligte sich an der Ausarbeitung der Geschichte. Diese ist nichtig, klischeeüberladen und hat mehr Löcher als ein schweizer Käse. Natürlich ist sie nur zur Überbrückung zwischen den Tanzszenen da, aber man muss den Zuschauer doch nicht gleich mit einer derart billigen Schablonenhandlung zu Tode langweilen. Die Charaktere sind noch dazu flach und eindimensional.

An den Schauspielern gibt es nichts auszusetzen, besonders wenn man in Betracht zieht, dass sie fast alle eigentlich Tänzer sind. Nur Haupttänzer Adam Garcia (übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Andy Garcia) wirkt oftmals sehr unglaubwürdig, aber dafür kann er ja tanzen. Das größte Lob verdient aber eindeutig der Kameramann Steve Mason, der bereits Anfang der Neunziger einen australischen Tanzfilm gedreht hat, "Strictly Ballroom". Seine Aufnahmen sind treffsicher und schön. Auch die Musikuntermalung verdient ein Lob, denn die größtenteils rockigen Stücke passen sich gut an die Bilder an.

Perrys Versuch seine Tanzshow in eine Handlung einzubetten, die sich mehr als nur ein bisschen an amerikanischen High-School-Komödien orientiert, wobei die große Tanzshow am Schluss hier dem Abschlussball entspricht, ist kapital gescheitert. Die Mischung wirkt alles andere als homogen, was wohl in Dein Perrys grenzenloser Selbstüberschätzung begründet liegt. Tänzer sein oder auch Tanzszenen in Filmen zu choreographieren hat nichts mit der Leitung eines Spielfilms zu tun hat. Wem die Tap Dogs gefallen, wird wohl auch mit "Bootmen" zumindest ansatzweise gut unterhalten werden, da gut ein Drittel des Films nur aus Tanz besteht. Doch warum sollte man sich mit der quälenden Rahmenhandlung malträtieren, wenn man sich stattdessen einfach eine Aufzeichnung eines Tap Dogs Auftritts anschauen könnte? Wenn man sich nicht besonders für Tanzen interessiert, sollte man ohnehin einen großen Bogen um diesen Film machen.

Uninspirierter und langweiliger Werbefilm


David Hiltscher