Blow

USA, 124min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Ted Demme
B:Bruce Porter, David McKenna, Nick Cassavetes
D:Johnny Depp,
Penélope Cruz,
Franka Potente,
Jordi Mollà,
Ray Liotta
L:IMDb
„Scheisse, wir brauchen länger um das Geld zu zählen als um den Stoff zu verkaufen!”
Inhalt
"Blow" erzählt die Geschichte von Amerikas größtem Drogendealer der letzten Jahrzehnte. Sein rapider Aufstieg, seine erfolgreichen Marihuana-Geschäfte, Gefängnisaufenthalte, der Kokainschmuggel im großen Stil. Unglückliche Beziehungen, Verrat durch Freunde, und das bittere Ende.
Kurzkommentar
In zahlreichen Episoden werden wir durch das Leben von George Jung geschleift - und trotz der erstklassigen Darstellerleistung von Johnny Depp lässt einen das bewegte Leben des größte Drogendealers Amerikas seltsam kalt. Zuwenig geht "Blow" auf seine Hauptfiguren ein, zu affektlos spult er seine Geschichte ab.
Kritik
Denkbar schlechte Ausgangsposition: Mit "Scarface" und "Goodfellas" hat sich "Blow" so ziemlich die schwerste denkbare Konkurrenz ausgesucht. Brian DePalma, Oliver Stone und Al Pacino, Martin Scorsese und Robert DeNiro, das sind schwergewichtige Namen in Hollywood, und prompt überhebt sich Ted Demme, Regisseur von "Blow" auch an seinem aktuellen Drogenfilm. "Blow" zeichnet das Leben des amerikanischen Drogendealers George Jung nach, von den 70ern bis in die Jetzt-Zeit. Angesichts Jungs bewegtem Leben Material genug, um mehr als einen Film zu füllen, zudem in jeder Schattierung. Ob als Anti-Drogen-Film, als lockerer 70er-Jahre-Fun-Streifen oder als Krimi, die Geschichte, zu der Nick Cassavetes die Vorlage liefert, ist facettenreich. Doch das Drehbuch rettet davon wenig, und die Inszenierung zerstört das Wenige.

Wenn man sich schon darauf einläßt, das gesamte Leben nachzuzeichnen, so kommt man nicht umhin, sich mit den tieferen Beweggründen und vorallem mit der Reflexion auseinanderzusetzen. Dem echten George Jung wird nachgesagt, er habe sich zahlreiche Gedanken über sein kriminelles Tun gemacht. Marihuana am Strand zu verkaufen, mag als minder schwer durchgehen, als vernachlässigbare Jugendsünde. Doch als Handlanger von Escobar Kokain im großen Stil unter die Leute zu bringen, ist gemeingefährlich, rücksichtlos, kriminell. Doch Demme inszeniert seinen Jung zunächst als einen, der sich keine Gedanken über sein Tun macht bzw. instinktiv aus der allzu bürgerlichen Tristesse des Elternhauses flieht, der aber später keineswegs gereift immernoch gedankenlos durch die Welt wandelt, die Gedanken angeblich auf die kleine Tochter fixiert. Doch der Versuch, zum ständig zugekoksten Jung die wirklich Leben wichtigen Dinge durchdringen zu lassen, bleibt blass. Der Tod seiner ersten Freundin ist schnell überwunden, das Glück mit der zweiten ebenso schnell dahin, und dass der wieder einmal zugedröhnte Vater bei der Geburt seiner Tochter die Läuterung widerfährt, scheint wenig glaubwürdig. "Geld ist nur Papier", gibt ihm sein Vater mit auf den Lebensweg, und am Ende behauptete er, das verstanden zu haben. Mehr als diese Behauptung bleibt dem Zuschauer aber nicht, der Beweis steht aus. Sicherlich, in schlechtester Schnulzen-Art teilt man uns am Ende mit, dass Jung noch bis 2015 im Gefängnis sitzen werde, und da gibt es wenig Chancen, sich zu beweisen, zumal Demme es vorzieht, Jung als schlußendlich gebrochenen, schizophrenen Mann zu zeichnen. Das ist an sich keine schlechte Idee, nur fehlt dennoch eine tiefergehende Reflexion über sein Tun. Wenn schon nicht von ihm, so doch von anderen.

Auch dazu hatte Demme Chancen, denn sicher nicht unüberlegt zeigt er dem Zuschauer, wie der vermeintliche Held am Ende von allen verlassen ist: Von seinen Eltern verstoßen, von seinen Freunden verraten und von seiner Bank betrogen. Man könnte meinen, es sei Demme darum geangen, einen völlig auf sich selbst fixierten Mann zu zeichnen, als er vergaß auf die Folgen von Jungs Handeln einzugehen, jemanden, der sich nur um sich selbst dreht, der sich am Ende noch immer als Opfer sieht und nicht als derjenige, der all das zu verantworten hat. Doch die Inszenierung als liebender Vater, der einerseits mit den übelsten Kriminellen rücksichtslose Geschäfte macht und zugleich zärtlich zu seiner Tochter ist, bricht dieses Bild, so unglaubwürdig das auch sein mag.

Trotzdem beweits Depp einmal mehr, dass er ein großartiger Schauspieler ist. Die Handlung kann kaum ändern, den vorgegebenen Charakter spielt er jedoch brilliant. Wie so oft etwas unterkühlt - und vielleicht hätte der Figur Jung etwas mehr Irrsinn und Emotionalität doch ganz gut getan. Das extrovertierte Spiel ist nicht Depps Sache, man mag spekulieren, inwieweit die Darstellung besonders in der "Marihuana-Zeit" angemessen war - doch das Problem des Filmes liegt eher am Schluß, und hier überzeugt Depp allemal. Franka Potente darf zwar nur während des ersten Drittels mitspielen, dort macht sie ihre Sache aber sehr ansehnlich. Auch wenn ihre Rolle nicht übermäßig viel hergibt, so spielt sie doch harmonisch mit Depp und insgesamt sehr sympathisch. Auch dank der Story kann sie sich so vor dem zweiten weiblichen Star, Penélope Cruz, platzieren, der man immerhin zu Gute halten kann, dass sie sich nicht zu schade ist, eine ausgesprochen unsympathische Kratzbürste zu spielen. Übertroffen wird das nur noch von Jungs Mutter, wie überhaupt abgesehen von Barbara (Franka Potente) die Frauen in diesem Film sehr schlecht wegkommen: Entweder sind sie Bade-Bunnys, oder unerträgliche Hysterikerinnen. Bliebe noch Ray Liotta zu erwähnen, der mit sieben Filmen in diesem Jahr gerade ein kleines Comeback feiert und natürlich ein freches filmisches Zitat ist - spielte er doch die Rolle des Henry Hill in "Goodfellas".

Nach geschlagenen zwei Stunden geht man aber dennoch reichlich unbefriedigt aus dem Film - zumal das Ende allzu sentimental ausfällt. "Blow" ist zwar zu wendungs- und geschichtenreich um langweilig zu sein, aber auch zu banal, um wirklich fesseln zu können.

Zu trocken-kühles Dealer-Epos


Wolfgang Huang
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Trotz seiner verhältnismäßig undramatischen Glätte und dem action- und gewaltlosen Plot, konnte mich "Blow" überzeugen. Ted Demme gelang statt einem Zeigefinger-hebenden Drogenepos viel mehr ein kleines, bodenständiges Drama, um einen Mann, der in seiner Naivität einfach nur ein gutes Leben führen wollte - und dabei jedwede Moral vergaß....