Blade II

USA/Tschechien, 100min
R:Guillermo del Toro
B:David S. Goyer
D:Wesley Snipes,
Kris Kristofferson,
Norman Reedus,
Leonor Varela
L:IMDb
„You´ve no idea with whom you´re fucking with”
Inhalt
Blade (Wesley Snipes), halb Mensch, halb Vampir, wird nur von einem Ziel getrieben: Rache für den Fluch, der von Geburt an auf ihm lastet - und die Rettung der Menschheit vor einem blutigen Weltuntergang. In seinem neuen Action-Abenteuer muss Blade sich mit einem Team mächtiger Vampire verbünden, denn sie stehen einem Gegner gegenüber, der in seiner Boshaftigkeit alles Dagewesene in den Schatten stellt: ein neuer Super-Vampir, der sich vorgenommen hat, sowohl die Menschen als auch die Vampire vom Erdboden zu vertilgen.
Kurzkommentar
Einfallslos, aber das gradlinig und ohne Kompromisse. In blutiger Deutlichkeit erreicht Guillermo del Torro mit "Blade 2" die Essenz des Originals, legt mit splatterhafter Comicgewalt einen Gang zu und holt Stilistik und Atmosphäre des Vorgängers mühelos auf die Leinwand zurück. Wesley Snipes lehrt erneut, was Zuschlagen wirklich heisst - und wir erfreuen uns an so viel Leergehalt.
Kritik
Die Untoten schienen wirklich tot, zumindest kurz vor Ende des letzten Jahrhunderts. Am modrigen Dracula-Mythos saugte der Zahn der Zeit, letztlich wirkte das gesamte Vampir-Genre blutleer, wie auf den Schutthaufen unzeitgemäßer Popularphantasie gehörend. Im Repertoire modernen Horrors wirkten Knoblauch, Pflock und Silber nur noch peinlich, schließlich verlangte die vielgestaltige Leibhaftigkeit des neuen Leinwandbösen dickere Kaliber. Vor drei Jahren krachte es dann auch, "Blade" lud zum überraschend zeitgemäßen Technotanz der Vampire. Dank der stilistisch originellen Umsetzung des Marvel-Comics war das Motiv der Beißer von Subtilitäten erleichtert, aber um Coolness bereichert.
Mochte dieser erste Film von Stephen Norrington auch den letzten Biss vermissen lassen, zum Quasikult brachte er es dennoch. Mit Grund. Sympathisch stumpf bot er schnörkellos ästhetisierte Gewalt auf hohem Niveau. Vor der Bildeleganz düsterer "Gothic"-Kulissen teilte Wesley Snipes in seiner Paraderolle kräftig pointiert aus. Natürlich mit Sonnebrille, schneidiger Frisur und schlagkräftigen Argumenten. Dankenswerterweise nahm sich das entspannte Comicgepfähle nicht sonderlich ernst, zwischen Trash und phantasievollem High-Tech-Horror war es letztlich nur nicht konsequent genug.

Aber der Film hatte Millionen und Regisseur Norrington sich einen Namen gemacht. Im nächsten Jahr will er dann auch Schnarchnase Nicholas Cage in "Ghost Rider", der nächsten Comic-Adaption, zum Superhelden verhelfen. Da ist es vielleicht fatal, dass er wohl aus der Meinung heraus, ihm würde geistige Armut vorgeworfen, die Regie von "Blade 2" abtrat. Der Rest der Crew hinter den Kulissen blieb hingegen an Bord, hat Drehbuchautor David S. Goyer "Blade" schließlich von Beginn an als Trilogie gedacht. Regieersatz fand sich im Mexikaner Guillermo del Toro, einem horrorbegeisterten Chirurgen dunkler Bildkultur. Im Grunde ein unbeschriebenes Blatt, dürfte er wohl nur wenigen mit seinem atmosphärischen Insektenschocker "Mimic" (1997) in Erinnerung sein.

Der nun hält sich konzentriert kompromisslos an Paragraph 1 aus dem Grundgesetz der Fortsetzungen: keine Experimente, das Erfolgskonzept wird potenziert. Größer, schneller, besser - das sind die Schlagworte. Und tatsächlich, "Blade 2" ist die verschärfte Konsequenz des ersten Teils. Mehr Gewalt, mehr Comic, mehr Blut, keine Innovation. Wer aber das moniert, sitzt klar im falschen Film. Schon der Plot des ersten Teils war dünne Staffage, bloß Prätext für enorm coole Action und druckstarke Choeographie. Mit Blutsaugern zwischen genmanipulierenden Größenwahn, mutierten Viren und Kannibalismus demonstriert Autor Goyer immerhin herrliche Überzogenheit und einen souveränen Anknüpfungspunkt an Teil Eins. Da sei die überflüssige Wiederbelebung von Kampfrentner Whistler gern verziehen und auch Prag als Kontrastkulisse ist herzlich willkommen.

Der Rest ist Makulatur, wir kommen also zum Wesentlichen, dem aggressiven Blutbad. Das wird bereits in den ersten Szenen großzügig und rasant angerichet, worauf sich die Splatter-Gemeinde genüsslich die Hände reiben wird. Und richtig, das Niveau wird gehalten. "Blade 2" ist einfach rundherum derber als sein Vorgänger, er hält sich nicht lange mit hohlen Charakteren oder sonstigem Ballast auf. Da mag der Plot vorhersehbar sein, der spaßige Spaßfaktor ist es auch. Danke. Del Torro lässt es deutlicher krachen als Norrington und vergisst darüber nie die Selbstironie erfrischend unappetitlichen Stumpfsinns. Das ist Treibstoff für die hirnfreie Zone, ein Gemetzel mit wenig Spannung, gewaltige Unterhaltung in technisch begnadeter Umsetzung. Snipes prügelt und räuchert, als ob er dazu geboren sei. Das ist gar Offenbarung. Und damit die Kurzweil der Festes auch kein Ende hat, besteht die Funktion des "Q"-haften Handlangers allein darin, ihm immer neues Tötungsspielzeug zu reichen.

Zwar nicht bahnbrechend, aber atemberaubend ist die Choeographie des Vernichtsfeldzugs, im Vergleich zu Teil Eins wieder einen Ganz zulegend. Im wahnwitzig schnellen Schnitt laufen Vampire an Wänden, turnen an Decken und auch Snipes springt computerunterstützt höher, schneller und eleganter als noch vor drei Jahren. Von den wesentlich verbesserten CGI-Effekten über die furchteinflößend ekeligen Supervampirvisagen (von Oscargewinner Nick Allder, "Alien") reicht die ästhetische Form wieder zum charakteristischen Soundtrack. Prügelspiele brauchen den richtigen Rhythmus, "Blade 2" hat ihn zwischen Metal, Rap und Techno erneut.

Kritik an Erfindungsmangel sollte im Lärm des wummernden Comicstrips also bitte verhallen. Und letztlich kann sich Del Torros blutige Stilhaftigkeit mit wenigstens einer Superlative schmücken: es ist für das Kinojahr die bis dato stumpfeste und ehrlichste Coolness. Na bitte, Soll erfüllt. Doch aller guten Dinge sind drei.

Der bisssichere Purismus: Tanz der Vampire in coolem Adrenalin


Flemming Schock